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Segeberg Geteilte Courtage: Segebergs Immobilienmakler befürworten neues Gesetz
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Geteilte Courtage: Segebergs Immobilienmakler befürworten neues Gesetz

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18:00 03.01.2021
Immobilienkäufer müssen den Makler nicht mehr allein bezahlen: Ab dem 23. Dezember werden beim Verkauf privater Wohnimmobilien die Kosten geteilt. Quelle: Christin Klose/dpa
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Segeberg

Die Lage am Immobilienmarkt ist weiter angespannt: Neue Angebote gibt es wenig, Suchende dafür umso mehr. Anzeigen stehen teils nur Minuten im Internet, müssen schnell wieder entfernt werden: Anbieter werden mit Anfragen überschwemmt. „Das Angebot reicht weiter nicht. Die Preise steigen weiter“, bringt es Frank Rohwedder von der Maklerei in Bad Segeberg auf den Punkt. „Der Markt ist so überhitzt, wir werden überrannt.“ 70 Anfragen in kürzester Zeit seien keine Seltenheit – für nur eine Anzeige.

Eine enorme Nachfrage verzeichnen auch die Kollegen von Hinrichsen Immobilien mit Sitz in Klein Rönnau und Kisdorf: „Aufgrund der Zinspolitik können sich viele Eigentum leisten und werden mutiger“, sagt Geschäftsführer Olaf Hinrichsen.

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Corona: Wohnen bekommt größeren Stellenwert

Die Pandemie hat nicht, wie mancherorts vielleicht angenommen – oder im Stillen durch drohende Insolvenzen auch gehofft –, für mehr Angebote gesorgt. Ganz im Gegenteil: „Corona hat das Problem weiter verschärft“, sagt Hinrichsen. „Nach dem ersten Lockdown im Frühjahr haben sich viele überlegt, sich zu verändern. Das Wohnzimmer wird zum Büro oder ganztags zum Ort der Kindererziehung. Plötzlich spielt sich alles nur noch zu Hause ab, plötzlich gibt es zu wenig Räume – und jeder möchte es sich besonders schön machen.“ Kurzum: Die Wohnsituation habe einen höheren Stellenwert bekommen. Und seitdem gebe es eine noch größere Nachfrage.

Maklerkosten: Mehrere Modelle sind möglich

Der Immobilienverband IVD weist darauf hin, dass die paritätische Teilung der Courtage beim Kauf von Einfamilienhäusern und Eigentumswohnungen nicht das einzige Modell ist. Möglich seien drei Optionen. Demnach auch, dass der Verkäufer allein die Kosten übernimmt oder sich der Käufer freiwillig daran beteiligt. Er geht jedoch davon aus, dass die Teilung am häufigsten gewählt wird, da sie sich in den meisten Bundesländern seit Jahrzehnten bewährt hat.

„Die größte Hürde beim Erwerb von Wohneigentum ist und bleibt die Grunderwerbsteuer, die gesenkt werden oder für Erstkäufer ganz abgeschafft werden sollte“, kritisiert IVD-Präsident Jürgen Michael Schick. Die Politik habe mit ihrem Gesetzesvorhaben im Sinne der Verbraucher zu sehr auf die Maklerkosten abgezielt.

Die neue Regelung ab 23. Dezember gilt nicht bei Mehrfamilienhäusern, wozu auch Zweifamilienhäuser zählen. Gewerbeimmobilien oder unbebaute Grundstücke sind ebenfalls ausgenommen.

Entsprechend dürften sich Verbraucher jetzt über die neue Gesetzgebung freuen: Seit 23. Dezember 2020 muss der Käufer einer Eigentumswohnung oder eines Einfamilienhauses die Maklerprovision nicht mehr allein tragen. So war es im Norden bisher häufig der Fall. Ab sofort wird sie in den meisten Fällen paritätisch geteilt werden. Dies gilt bundesweit.

Teilung der Courtage „ist nur gerecht“

Segebergs Immobilienmakler begrüßen das neue Gesetz. „Wir arbeiten im Normalfall für beide Seiten. Also warum soll einer allein die Kosten tragen?“, sagt Barbara Wilkerling, Inhaberin von BW Immobilien in Bad Segeberg. Unterlagen, Preiskalkulation und Werbestrategie würden dem Verkäufer abgenommen, Käufer profitierten von aufbereiteten Daten sowie von der Beratung zu Finanzierung und Kaufvertrag. „Insofern ist es nur gerecht“, sagt Wilkerling. „Eine große Umstellung ist es für uns nicht. Eher wird es eine Sache der Akzeptanz und Umgewöhnung bei allen Beteiligten.“

Die Makler von Hinrichsen Immobilien haben die Provision in diesem Jahr bereits überwiegend geteilt. „Das kam gut an. Bei den Verkäufern hat das große Resonanz und Anklang gefunden“, berichtet Hinrichsen. Käufer bräuchten weniger Eigenkapital und hätten so mehr Geld für die Finanzierung.

Versteckte Erhöhung der Maklerkosten

Für richtig und fair im Sinne des Verbraucherschutzes hält auch Frank Rohwedder die neue Regelung. „Wir sind ohnehin für beide Seiten tätig.“ Allerdings sieht er auch Nachteile. Zum Beispiel zeigten erste Erfahrungen, dass der Verkäuferanteil letztlich auf den Kaufpreis draufgeschlagen werde – denn der Markt erlaubt das gerade. Dadurch steigen auch die anderen Nebenkosten. Denn Grunderwerbssteuer, Notarkosten oder Grundbucheintrag werden prozentual berechnet. „Mit einem Freibetrag bei der Grunderwerbssteuer hätte man Familien und jungen Käufern besser unter die Arme greifen können“, sagt Rohwedder. Die Bundespolitik hatte diese Option diskutiert, bisher aber verworfen.

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Zudem beobachtet er bei seinen Kollegen in der Region eine versteckte Erhöhung der Courtage. „Wir nehmen rund sechs Prozent, also in Zukunft je drei Prozent von Käufer und Verkäufer“, rechnet er vor. Vielfach würden nun aber je 3,48 oder gar 3,57 Prozent gefordert, wo Anteile zuvor noch geringer gewesen seien. „Das ist nicht so geschickt.“

Mehr Papier und Zeit ist gefragt

Grundsätzlich dürfte der Papierkram im neuen Jahr nicht weniger werden. „Die Verträge werden deutlich umfangreicher, jeder versucht sich abzusichern. Die Rechnungstellung wird sich hinauszögern. Und die Organisation wird spannend: Momentan streiten sich Juristen noch über die Formulierung, wie Zahlungsbelege vorgelegt werden sollen“, so der Makler.

Marco Thiede, Inhaber der Immobilien Agentur Sarau in Klein Rönnau, teilt die Provision bereits seit zwei Jahren. „Man muss dabei bedenken, dass das bundesweit schon vorher in weiten Teilen so gehandhabt wurde. Ich war schnell ein Verfechter davon“, sagt er. „Eigentümer loben die Vorgehensweise und haben es als etwas Positives erkannt.“ Einmal mehr müssten Makler nun zeigen, dass es nicht ums schnelle Geschäft geht, sondern um eine Dienstleistung. Und die müsse tiefgreifend sein: Altlasten, Baukosten, Unterlagen, Energieausweis, absehbare Sanierungen und vieles mehr – „Wer seine Hausaufgaben macht, ist das Geld auch wert.“

In jedem Fall aber, sagt Olaf Hinrichsen, mache mit der neuen Gesetzgebung nicht mehr jeder, was er will: „Ich bin froh über eine bundeseinheitliche Regelung. Das wird für Ruhe sorgen und vielleicht auch dazu beitragen, dass unser Beruf an Ansehen gewinnt.“

Von Irene Burow