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Segeberg Gewusel in der Imkerschule
Lokales Segeberg Gewusel in der Imkerschule
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13:16 30.08.2015
Keine Angst vorm Bienenstich: Imkermeister Geert Staemmler mit einer Wabe aus einem sogenannten Begattungskasten. Inhalt: Waben, ein Schöpflöffel voller Bienen und eine begattete Königin.
Keine Angst vorm Bienenstich: Imkermeister Geert Staemmler mit einer Wabe aus einem sogenannten Begattungskasten. Inhalt: Waben, ein Schöpflöffel voller Bienen und eine begattete Königin. Quelle: Fotos: Heike Hiltrop
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Bad Segeberg

Ein zehntel Gramm leicht, Flügelspanweite zwischen 16 und 20 Millimeter, Rüssellänge sechs bis sieben Millimeter und eine Lebenserwartung von etwa sechs Wochen: die Arbeitsbiene. Jenes kleine Insekt, das mit seinem sprichwörtlichen Fleiß Pollen, Nektar, aber auch Wasser — Transportgewicht pro Flug um die 60 Mikrogramm — zusammenträgt. Es stand gestern beim Tag der offenen Tür der Imkerschule im Mittelpunkt des Interesses.

So tummelten sich gestern Familien auf dem Gelände an der Hamburger Straße und staunten nicht schlecht beim ersten Bad Segeberger Bienen-Wettflug. Dabei starten fünf Trachtenbienen (farbig markiert) die Reise in den heimischen Stock aus 150 Metern Entfernung an, erklärt Imkermeister Geert Staemmler. Ähnlich wie beim Brieftauben-Wettkampf wird Sieger, wer als erster ankommt. In diesem Fall ein Insekt mit grünem Punkt.

Die Veranstaltung dürfte die einzige im Umkreis sein, bei der es als Tombolapreis eine „standbegattete Königin“ zu gewinnen gab. Die Lose jedenfalls gingen weg wie warme Semmeln. Für das Sommerbienenprojekt für Schulen, die kostenlos Imkerunterstützung, Bienenvölker und Ausrüstung bekommen können, warb unterdessen Werner Schlüter.

Diejenigen, die naturnahe Gärten lieben, das Fachgespräch, eine neue Königin oder gar ein ganzes Volk suchten oder in Honigvielfalt schwelgen wollten, genossen den entspannten Tag besonders. Imker- und Gärtnermeister Bernhard Jaesch aus Springe (Niedersachsen) etwa hatte eine ganze Wagenladung voller insektenfreundlicher Stauden dabei, unter denen so manches Schätzlein auf einen neuen Garten wartete: „Das ist Christian, eine Steinquendel-Art, die einer meiner Mitarbeiter vor ein paar Jahren zufällig entdeckt hat. Darum der Name“, sagt der Experte und betrachtet ein Pflänzlein, das übersät ist mit kleinen, zartblauen Blüten. Ein Produkt, an dem Bienen Schuld sind, die offenbar zwei unterschiedliche Sorten der Bergminze mit dem botanischen Namen „Calamintha“ beim Pollensammeln gekreuzt haben.

Sogar eine ganz natürliche Waffe gegen die bei Imkern gefürchtete Varroamilbe hatte er dabei: Ledum palustre, auch wilder Rosmarin genannt. „Ein paar Zweige davon im Bienenstock und die Milbe fällt nach dem Bienenschlupf in die sogenannte Windel“, erklärt der 67-Jährige, während Imkerkollege Erich Eichhorn aus Bad Malente mit einer neuen Königin in einem Begattungskasten von dannen zieht.

Mit 17 verschiedenen Honigsorten wartete Imkerin Heidi Butenschön aus Wankendorf auf. Begeistert vom Angebot verstaute Andree Strauß Blüten-, Kirsch-, Apfel-, Raps-, Kastanien-, Tannen- und Edeltannenhonig in seinem Rucksack: „Ich liebe Honig“, so der Ricklinger. „Der dunkle Sommerhonig, das ist etwas ganz besonderes in diesem Jahr“, so Imkerin Butenschön. Schuld daran seien die vielen Läuse auf Eichen und Akazien in diesem Jahr. Die filtern Honigtau aus — und auf den sind Bienen nun mal richtig scharf.

Fleißig wie die Bienen

842750 Kilogramm Honig wurden 2014 in Schleswig-Holstein produziert.

20000 Bienenvölker sind ungefähr im Besitz der knapp 3000 Schleswig-Holsteiner Hobby-Imker.

15 Berufsimker gibt es nur noch in Schleswig-Holstein.

Heike Hiltrop