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Segeberg Glasfaser: Von Seth bis Bad Segeberg?
Lokales Segeberg Glasfaser: Von Seth bis Bad Segeberg?
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21:10 29.05.2013
Von Christian Spreer
Seth

Die Gemeinde Seth geht ans Netz, und zwar sehr bald: Das ist die Botschaft von Ralf Pütz beim Gespräch mit den LN. Bis Dienstag, so der Geschäftsführer der Oeringer Firma „Unser Ortsnetz“ (UO) — sie gehört seit kurzem zur „Deutschen Glasfaser“ —, hatten 56 der erforderlichen 60 Prozent aller 834 Sether Haushalte sich vertraglich verpflichtet, ihr Haus ans Glasfasernetz anschließen zu lassen. Ist die Quote erfüllt, „fangen wir binnen einer Woche an zu bauen“. Zuvor müsse freilich noch der Gestattungsvertrag der Gemeinde unterschrieben werden. Nach circa zwei Wochen, schätzt er, könne der erste Haushalt in Betrieb gehen. Fertig werde man in drei bis sechs Monaten — wenn nichts dazwischenkommt. „Das Wetter muss offen sein.“

Pütz: „Wir bauen ohne einen Cent öffentliches Geld, alles wird privat finanziert.“ Das sei „in Deutschland einmalig“. Die Sether Teilnehmer müssten keine Anschusskosten zahlen — lediglich mindestens zwei Jahre lang ihre Monatsgebühr entrichten. Diese liegt — je nach gewünschter Nutzung — zwischen 29,90 für 50 Mbit/s im Up- /Download bis 59,90 Euro monatlich. Bandbreiten bis zu 1000 Mbit/s werden möglich sein, sagt er. Und, so Pütz weiter: „Wir bauen ein offenes, diskriminierungsfreies Netz.“ Das bedeutet: Jeder Provider könne das UO-Netz gegen „Leitungsmiete“ nutzen.

Die Baukosten in Seth werden sich auf etwa 1,5 Millionen Euro belaufen, sagte Pütz. Zu allen Häusern würden Leitungen verlegt — so sei der spätere Anschluss von denen möglich, die jetzt noch zögern.

Allerdings müssten die das mit mindestens 890 Euro bezahlen, während diejenigen, die sich bereits entschlossen haben, kostenlos angedockt würden. Und auch „Nachläufer“ — das sind solche, die sich noch zum Anschluss entscheiden, bevor die Bagger anrollen — müssten eine Nachgebühr von etwa 200 Euro entrichten.

Seth wird die dritte Gemeinde im Kreis Segeberg sein, die von UO mit Glasfaser versorgt wird. Mit Oering hat es vor dreieinhalb Jahren begonnen (dort sind 70 Prozent der Haushalte versorgt), dann folgte Wakendorf (83 Prozent Anschlussquote). In Itzstedt müssen sich die Bürger bis zum 20. Juni entschieden haben, ob sie sich anschließen lassen oder nicht. Dass UO auch Itzstedt verkabeln wird, da hat Pütz keinen Zweifel. „Wir haben bisher bundesweit in jedem Ort die 60-Prozent-Quote erreicht.“

Seit die „Deutsche Glasfaser“, die zu einer niederländischen Unternehmensgruppe gehört, bei UO eingestiegen ist, sei man zu Größerem bereit und könne dies finanziell auch realisieren. Pütz: „Wir wollen die Dörfer im südlichen Kreis bis Bad Segeberg ausbauen.“ Das seien 24 Kommunen. Die Investitionen seien bereits ermittelt. Das endgültige Okay dafür müsse allerdings noch aus der Zentrale der „Deutschen Glasfaser“ kommen. „Das wären Investitionen im guten zweistelligen Millionenbereich“, sagte Pütz den LN. Er habe auch „Interesse, den ganzen Kreis auszubauen“.

Doch da ist zumindest teilweise der Wege-Zweckverband (WZV) vor. Dass er sich um dieses Aufgabenfeld kümmern soll (wie berichtet, plant er in Zusammenarbeit mit den Stadtwerken Neumünster vier Gemeinden im Nordkreis zu versorgen), leuchtet Pütz nicht ein. „Wieso müssen wir diese Aufgabe mit öffentlichen Geldern und Risiken an die Gemeinden abgeben, wenn es einen Privaten gibt, der sagt:

Ich baue das?“, fragt er. Im Dezember 2013 sei man bei der WZV-Spitze gewesen und habe der eine Kooperation angeboten. Und im Februar diesen Jahres habe es ein weiteres Gespräch in Anwesenheit eines Vorstandes der niederländischen Muttergesellschaft der „Deutschen Glasfaser“ gegeben. Antwort des WZV, so Pütz: „Man befinde sich in einer Ausschreibung und wolle die abwarten.“

Er habe mit diversen Bürgermeistern gesprochen und auch der Landrätin geschrieben — „die hat sich nicht mal gemeldet“. Im Brief habe gestanden, dass er den Kreis Segeberg mit Glasfaser versorgen wolle und das Geld dafür mitbringe. „Dann habe ich sie angerufen, und sie sagte: Nein, das machen wir mit dem WZV“, erinnert er sich. Für ihn wird damit „ein privates Unternehmen gegenüber einem kommunalen benachteiligt“.

Pütz‘ Kampfansage: „Wir werden bauen, und wir bringen unser Geld mit. Wir werden die Bürgermeister abholen und die Bürger überzeugen.“ Sein Plan: Die Bundesstraße 432 entlang wolle er alle Kommunen bis einschließlich Bad Segeberg mit Glasfaser ausstatten — „tutto kompletti. Ich warte täglich auf die Freigabe dafür von der Firmenzentrale“. Aber: „Wir bauen nur dort, wo wir wirtschaftlich arbeiten können.“ Das heißt: Er könne nur ganze Gebiete mit Glasfaser versorgen, keine einzelnen Dörfer.

Christian Spreer

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