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Segeberg Großes Ausmisten: Das holen Taucher aus dem Segeberger See
Lokales Segeberg Großes Ausmisten: Das holen Taucher aus dem Segeberger See
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10:13 29.10.2015
Kuriose Funde auf dem Grund des Segeberger Sees: Sogar ein Fahrrad ziehen die Beamten bei ihrer Suche aus dem Wasser. Quelle: Materne
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Bad Segeberg

Vor einem Jahr wurde die neue Promenade am Großen Segeberger See eröffnet — und sie erfreut sich offenbar äußerster Beliebtheit — wenn man die Menge der Bierflaschen als Gradmesser nimmt, die gestern bei einem Einsatz der Umweltpolizei Bad Segeberg aus dem Wasser gefischt wurden. Da kann man es fast einen Glückstreffer nennen, dass die Taucher der Polizei Eutin gleich zu Beginn ihrer Unterwassersuche einen Mülleimer auf dem Seegrund entdeckten. Und das war längst nicht der kurioseste Fund des Tages.

„Drei mal ziehen bedeutet ein Fund“, erklärt Marius Swars. Der angehende Polizeitaucher hält ein Seil in der Hand, dessen Ende mit den Kollegen im Wasser verbunden ist. Dann beginnt er mit kräftigen Zügen die Leine einzuholen — bis an der Wasserkante ein Einkaufswagen auftaucht. Zu dritt hieven die Beamten das schwere Teil an Land. Worüber Schaulustige entlang der Promenade staunen, wundern sich die Beamten vom Umweltdienst längst nicht mehr. „Fahrräder, Papierkörbe, Einkaufswagen — wir haben bisher immer was im See gefunden“, sagt Markus Bitter.

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„Das hier ist ein klassischer Bereich“, erklärt Peter Mannke, ein alter Hase bei der Umweltpolizei. Die Promenade sei gut mit dem Fahrzeug zu erreichen, kein Schilfgürtel erschwere Umweltsündern, ihren Müll zu versenken, oder Dieben und anderen Tätern ihre unbrauchbare Beute oder eventuelle Tatwaffen im Wasser verschwinden zu lassen.

Fast drei Stunden lang suchen acht Taucher das Seeufer nach Unrat ab. Für sie ist es eine Übung. Die Polizisten aus Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Berlin absolvieren seit September eine Ausbildung zum Polizeitaucher. Nächste Woche ist ihre Abschlussprüfung. Mit dem Einsatz schlägt die Polizei also zwei Fliegen mit einer Klappe.

Am laufenden Band reichen die Taucher Beutel mit Dosen und Bierflaschen an die Kollegen am Ufer weiter. „Bad Segeberg hat ein Alkoholproblem“, unkt Bitter als er wieder einmal die typischen braunen Flaschen ausräumt. In eine hat sich ein Süßwasserkrebs verirrt. „Ein gutes Zeichen für die Seequalität“, sagt Ausbildungsleiter Stephan Möller. Auch die Sicht unter Wasser sei gut: sieben bis zehn Meter.

Der Einsatz sorgt für Neugier bei den Passanten. „Wie weit ins Wasser suchen Sie?“, fragt ein vorbeikommender Jogger. „In Wurfweite“, lautet die Antwort. Und da findet sich einiges an: eine völlig verrostete Antriebswelle, Teile der alten Promenaden-Beleuchtung, CD‘s, eine Baustellenabsperrung, zwei Schilder, diverse Kochtöpfe, eine Wasserpfeife, zwei Autoreifen, ein Teppich, auch das

vorausgesagte Fahrrad taucht schließlich auf, plus vier Körbe. Einen Abgleich der Rahmennummer ergibt aber keinen Treffer in der Datenbank gestohlen gemeldeter Räder.

„Was die Leute alles in den See werfen“, wundern sich Passanten angesichts des wachsenden Müllberges, der schließlich vom Bauhof abtransportiert wird. „Das habe ich schon schlimmer erlebt“, sagt dagegen Möller. Diese Art der Unterwassersuche — zumeist nach Beweismitteln — sei die Hauptaufgabe der Polizeitaucher. Auch Umwelteinsätze etwa in Hafenbecken gehören dazu und Personensuche. 45 Einsätze hatte die Tauchergruppe der Polizeidirektion Eutin vergangenes Jahr. Ab nächster Woche gehören ihr 15 Taucher an — wenn die vier Schleswig-Holsteiner dann ihre Prüfung bestehen.

„Diebesgut, Bänke, Stühle, Fahrräder, Einkaufswagen — wir sind immer gespannt, was wir finden.“
Markus Bitter, Ermittlungsdienst Umwelt

Nadine Materne

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