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Segeberg Segebergs SPD: „15 Prozent, wir sind beim Bodensatz angekommen“
Lokales Segeberg Segebergs SPD: „15 Prozent, wir sind beim Bodensatz angekommen“
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18:32 27.05.2019
Die dick gefalteten großen Wahlzettel passten nicht auf Anhieb durch jeden Urnenschlitz bei der Europawahl. Quelle: Heike Hiltrop
Bad Segeberg

Es war schon ein Kreuz mit den extrem langen Wahlzetteln bei der Europawahl. In etwas zu klein geratenen Urnen musste am Sonntag mancherorts mit dem Lineal nachgestochert werde, damit der mehrfach gefaltete Zettel auch noch in das prall gefüllte Behältnis passte. Denn die Wahlbeteiligung war mit 59,5 Prozent im Kreis Segeberg überraschend gut. Annelie Eick, Kreis- und Bad Segeberger Stadtpolitikerin von den Grünen, war im Bad Segeberger Rathaus als Wahlhelferin eingeteilt und abends ganz „erledigt“. Sie habe sich aber gefreut, dass sich die Wähler in den Wahlbüros die Klinke in die Hand gaben. Umso mehr auch, dass ihre Grünen in der Kreisstadt stärkste Kraft wurden.

Viel Papier und jeweils nur ein Kreuz: Die Wahlhelfer hatten viel zu tun bei der Auswertung der Ergebnisse. Quelle: Heike Hiltrop

Denn während die Grünen mit 26,9 Prozent kreisweit knapp hinter der CDU (27,1 Prozent) und weit vor der SPD (16,8 Prozent ) lagen, hatten sie in Bad Segeberg sogar mit 30,2 Prozent die Nase ganz vorn. Damit hat sich Bad Segeberg auch gegenüber den anderen Städten des Kreises zu einer Grünen-Hochburg entwickelt. In Norderstedt erreichten die Grünen 27,8, in Kaltenkirchen 27,2, in Henstedt-Ulzburg 28,4, in Bad Bramstedt 29,3 und in Wahlstadt „nur“ 21,7 Prozent.

Fridays for Future“ half den Grünen

„Ich glaube, dass hier in Bad Segeberg die Schülerdemos ,Fridays for Future’ sehr viel bewegt haben“, vermutet Annelie Eick. Das Thema Klimaschutz sei dadurch in die Familien getragen worden. „So wurde viel diskutiert, das Thema hat so sicherlich viele Eltern und Großeltern animiert, die Grünen zu wählen.“ Sie selbst habe vorher weder mit so einem guten Abschneiden der Grünen gerechnet noch mit einer so guten Wahlbeteiligung. Mit die fleißigsten Wähler hatten bei der Europawahl übrigens die Gemeinden Stipsdorf (60 Prozent), Groß Rönnau (62,2), Dreggers (69,2), Norderstedt (62,1), Kükels (64,7) und Winsen (68,5). Kattendorf verzeichnete gar eine Wahlbeteiligung von 70,1 Prozent.

„Das Ergebnis ist ganz, ganz bitter“

Die SPD hingegen sah sich wiederum einer „Schrumpf-Kur“ ausgesetzt. Der Abwärtstrend hält an. Wenigstens hier sei seine Partei sehr „konstant“, übt sich Dirk Wehrmann, stellvertretender SPD-Kreisvorsitzender und Bad Segeberger Fraktionsvorsitzender in Galgenhumor. In Bad Segeberg hat die SPD gegenüber den Wahlen vor fünf Jahren 13,5 Prozent verloren und bewege sich so „im Bundestrend“.

Für Wehrmann hat das gute Abschneiden der Grünen mit einem „Fukushima-Effekt“ zu tun. Nach der Nuklearkatastrophe 2011 gewannen die Grünen sehr an Zustimmung. Jetzt ist es der Klimawandel. Zudem hätten die Grünen, so Wehrmann anerkennend, „ein unglaublich tolles Spitzenduo mit Robert Habeck und Annalena Baerbock, die Themen sehr sympathisch und authentisch nach außen tragen“. Der SPD gelinge es hingegen nicht, „sich schnell auf Themen einzustellen und die Menschen für ihre Botschaften zu gewinnen“. Wehrmann: „Das Ergebnis ist ganz, ganz bitter, wir sind jetzt mit 15 Prozent beim Bodensatz angekommen.“

Parteifreund und sein Bad Segeberger Ortsvorsitzender Magnus Wittern sieht, dass die Debatte um den Klimawandel vielen Wählern „den letzten Kick“ gegeben habe, grün zu wählen. Dabei stehe gerade hier die Bundes-SPD auf einer Linie mit den Grünen. Aber die SPD habe ein breites Spektrum und könne sich nicht wie die Grünen nur auf ein Thema stürzen.

Populisten und Europa-Feinde kamen nicht zum Zuge

Für den CDU-Kreisvorsitzender und Bundestagsabgeordneter Gero Storjohann hat seine Partei darum gekämpft, „dass die Populisten und Feinde von Europa nicht zum Zuge kommen, das hat auch geklappt“. Im Kreis Segeberg hat die AFD nur 8,2 Prozent erreicht. Es gibt da auch nur wenige Ausreißer in den Landgemeinden. Nur das winzige Dreggers fällt aus dem Rahmen. Hier holte AFD 36 Prozent und wurde stärkste Partei. Neun von 25 Wählern machten ihr Kreuz bei den Rechtspopulisten. . .

Storjohann betont, dass die CDU eine Mobilisierung ihrer Stammwähler wie bei der letzten Wahl erreicht habe, sogar 2000 Stimmen im Kreis mehr dazu holte. Das habe allerdings bei der erhöhten Wahlbeteiligung nicht zum Erfolg geführt. „Insofern sind wir mehr als enttäuscht“, klagt Storjohann. Größtes Manko: Seine CDU habe im Wahlkampf kein emotionales Thema gehabt. „Wir haben auf Sicherheit und Frieden gesetzt, das hat nicht durchgeschlagen.“ Die Jugend, die früher SPD gewählt habe, sei jetzt bei den Grünen, analysiert Storjohann. Rein emotional werde hier „Klimaschutz sofort“ verlangt, aber Realpolitik sehe nun einmal anders aus.

Alle Ergebnisse zur Europawahl im Kreis Segeberg sowie weiter Berichte lesen Sie hier.

Wolfgang Glombik

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