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Segeberg Sechs Messerstiche nach dem HSV-Abstieg
Lokales Segeberg Sechs Messerstiche nach dem HSV-Abstieg
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16:16 04.01.2019
Die HSV-Spieler nahmen den Abstieg sportlich. Ein Fan rastete hingegen nach dem Spiel aus und attackierte einen Bekannten. Nun wurde er verurteilt. Quelle: dpa
Kiel/Norderstedt

Nachdem ein Zechkumpan ihn am letzten Bundesliga-Spieltag im Mai 2018 vor dem Fernseher immer wieder mit dem Abstieg seines Vereins provoziert hatte, sah der HSV-Fan rot: Er griff zum Messer und stach sechs Mal auf die Brust des Opfers ein. Nach achttägigem Prozess verurteilte eine Strafkammer des Kieler Landgerichts den geständigen Messerstecher wegen versuchten Totschlags zu drei Jahren und neun Monaten Freiheitsstrafe.

Täter war stark alkoholisiert

Der zur Tatzeit stark alkoholisierte Angeklagte (44) muss seinem Bekannten (54), den er bei dem Vorfall in Norderstedt lebensgefährlich verletzt hatte, 15  000 Euro als Wiedergutmachung zahlen. Auf diese Summe einigten sich die Beteiligten im Rahmen eines Vergleichs. Laut Urteil war der im Streit hochgradig erregte Fußballfan nur vermindert schuldfähig, als er in der Wohnung seiner Lebensgefährtin ausrastete. Seinem Gegner verletzte der Messerstecher am Abend des 12. Mai 2018 mit der sieben Zentimeter langen Klinge das Herz und beide Lungenflügel. Bis heute klagt der Nebenkläger über Atemprobleme.

Fußball war nicht ihr einziges Konfliktthema: Zwischen den beiden Männern stand die Frau, in deren Wohnung der Streit eskalierte: Die 52-jährige Gastgeberin ist die Ex-Frau des Opfers und die Lebensgefährtin des Täters. Dass die Frau den Älteren auch nach dem Ende ihrer Beziehung zu mehrtägigen Zechgelagen in ihre Wohnung einlud, machte den Jüngeren eifersüchtig. Auch die Zeugin hatte an jenem Abend reichlich Alkohol getrunken. Weil sie kurz vor Beginn des Prozesses eine Entziehungskur angetreten hatte, folgte sie nicht der Ladung zur Aussage. Offenbar erreichte der Streit zwischen den Männern seinen Höhepunkt, als der Angeklagte den Nebenbuhler vergeblich aufforderte, ihm beim Entsorgen des Leerguts zu helfen. Er soll ihn deshalb als „Nassauer“ und „Penner“ beschimpft haben. Im Flur stach er sechs Mal zu und verließ die Wohnung mit dem Leergut, ohne sich um den Schwerverletzten zu kümmern. Die Zeugin alarmierte die Rettungskräfte.

Mann stellte sich der Polizei

„Das Ganze war schlimm und tut mir sehr leid“, bekannte der Angeklagte in einer persönlichen Erklärung, die sein Verteidiger zu Prozessbeginn verlas. Er habe sich selbst der Polizei gestellt und ohne anwaltliche Beratung zur Tat bekannt.

Zur Person gab der Angeklagte an, früher selbst bei Arbeitsunfällen als Gerüstbauer und bei einer Schlägerei schwer verletzt worden zu sein. Wegen der Folgen beziehe er seit Jahren 550 Euro Unfallrente. Vor seiner Festnahme arbeitete er als Küchenhelfer bei der Lufthansa am Hamburger Airport. Im Sommer 2017 zog er bei seiner Lebensgefährtin ein, deren Wohnung zum Tatort wurde.

Mit der Verkündung des Urteils setzte die Kammer den Haftbefehl gegen den Angeklagten außer Vollzug. Bis zum Antritt der Strafe muss der 44-Jährige seine Ausweispapiere abgeben und sich zweimal wöchentlich bei der Polizei melden. Das Bundesgebiet darf er nicht verlassen.

Thomas Geyer