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Segeberg Handwerk: Betriebe bewerben sich bei Schülern
Lokales Segeberg Handwerk: Betriebe bewerben sich bei Schülern
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19:33 28.02.2019
Leon (16) gehörte zu den pfiffigsten der BBZ-Klassen. Er lernte im BBZ verschiedene Berufsgruppen kennen, will aber LKW-Fahrer werden. Quelle: Irene Burow
Bad Segeberg

Sie sind gestandene Handwerksmeister. Und sie alle waren verblüfft. Denn die Herren haben am Berufsbildungszentrum (BBZ) in Bad Segeberg diese Woche Rollen getauscht. Nicht sie wählen junge Frauen und Männer aus. Sondern die Schüler, hoffentlich bald angehende Auszubildende, sie. „Man war selbst aufgeregt und bekam Feedback, wie in einem Bewerbungsgespräch, positives wie negatives“, sagt Lars Krückmann, Installateur- und Heizungsbauermeister aus Norderstedt. „Plötzlich war es umgekehrt.“

Vor Klassen wollen sie Nachwuchs finden

Und Frank Tietgen war nicht zimperlich. „Wir haben nicht mit dem Wattebausch geworfen“, sagt der Unternehmensberater, der die Idee zum Workshop hatte. Nachdem Krückmann sich dem jungen Publikum vorgestellt hatte, war einer seiner Azubis dran. Wie ist es wirklich im Betrieb? Über Vor- und Nachteile wurde aus dem Nähkästchen geplaudert. Der Chef musste draußen bleiben.

40 Schüler haben teilgenommen. Sie lernen mit oder ohne Hauptschulabschluss am BBZ. Damit werden sie startklar für den Arbeitsmarkt. „Wir sind richtig ins Detail gegangen und haben erzählt, was wir wirklich tun“, sagt Christoph Roblick, Juniorchef im Malereibetrieb Bimöhlen. „Ein Maler malt ja nicht nur.“

Erste Verträge werden geschlossen

Auch für Sven Winkelmann, Installateur- und Heizungsbauermeister aus Tensfeld, war die Sicht der Schüler hochinteressant. Er war ohne Erwartungen gekommen und geht mit einem neuen Azubi. „Der Vertrag wird in den nächsten Tagen fertig gemacht“, sagt er. Lars Krückmann hat einen Schüler zum Probetag in seinen Betrieb eingeladen. Malermeister Ansgar Schroedter wurde von einer Schülerin angesprochen. Doch Bad Bramstedt ist für sie zu weit. Er hat ihr drei Kollegen in der Nähe empfohlen.

„15 Schüler werden wir vermitteln. Mindestens“, sagt Fatih Sengenc, am BBZ für die Berufsvorbereitung zuständig. Das Pilotprojekt „Praxis in der Schule“ erklären die Macher der Kreishandwerkerschaft Mittelholstein nach wenigen Tagen zum Erfolg. Geschäftsführer Carsten Bruhn: „Ich kann wunderbar über Betriebe referieren. Aber so ist es ein Dialog auf Augenhöhe.“

Das Projekt packt die Probleme bei der Wurzel: Den Betrieben fehlt zusehends Nachwuchs. „Noch habe ich genug Lehrlinge, aber es werden weniger“, berichtet Lars Lohse, Tischlermeister aus Kisdorf. „Vor Jahren hatte ich noch 50 Bewerbungen, jetzt vielleicht noch zehn.“ Zudem ist das Bild des Handwerks bei jungen Menschen verrutscht. „Ich komm’ noch vom Dorf, da war das früher anders. Der Bezug zum Handwerk war selbstverständlich“, sagt Thomas Puls, Bauunternehmer aus Stuvenborn. Und heute?

Dreckige Klamotten vs. Digitalisierung

Laut Frank Tietgen ist das Bild des Handwerks katastrophal. Er hat die Jugendlichen gefragt. Sie sind sich sicher: Azubis werden schlechter bezahlt als nach dem Studium. Tätigkeiten im Betrieb sind sinnlos – Kaffeekochen und Akten sortieren steht auf der Tagesordnung. Das Risiko arbeitslos zu werden, ist hoch. Und die Azubis sind Ausbeutung und Kapitalismus ausgesetzt. „Gerade das mit der Arbeitslosigkeit ist ein absolutes Hirngespinst“, sagt Tietgen. In diesem Jahr will er 1001 junge Menschen befragen, um seine Ergebnisse repräsentativ werden zu lassen. Als Stütze für die Betriebe.

Denn den Unternehmern klappt bei der Auswertung die Kinnlade herunter. „Ich hatte mal einen Polier. Mittlerweile leitet er große Projekte und verdient mehr als ein Architekt“, beweist Thomas Puls das Gegenteil. „Das ist keine Theorie“, pflichtet Krückmann ihm bei. „Einer meiner Azubis hat seinen Meister gemacht, was gleichzusetzen ist mit einem Bachelor-Abschluss. Er ist inzwischen Geschäftsführer und will meinen Betrieb übernehmen“, sagt er. „Handwerk bedeutet nicht nur dreckige Klamotten. Auch Digitalisierung hat bei uns Einzug gehalten“, nennt er ein anderes Beispiel.

„Betriebe müssen an sich arbeiten“

„Die meisten wissen gar nicht, wie modern Handwerk inzwischen ist“, sagt Tischlermeister Nils Hoffmann aus Nahe. „Den Weg von ganz unten, von der Hauptschule an die Uni, kann jeder noch schaffen.“ Natürlich waren sie alle vorbereitet und konnten mit Argumenten gegensteuern: guter Verdienst, betriebliche Nestwärme, sichere Jobs. „Wir haben extra Unternehmerpersönlichkeiten eingeladen, echte Charaktere.“ Ehrlich und schonungslos hat Frank Tietgen beiden Seiten klargemacht: „Wir müssen an uns arbeiten und besser werden. Das gilt genauso für Betriebe.“

Das Projekt soll fortgesetzt werden. Als „bedeutendes Instrument für die Zukunft“, sagt Carsten Bruhn von der Kreishandwerkerschaft. In anderen Schulen und auch in Fachklassen des BBZ. „Es ist absolut überzeugend“, sagt Schulleiter Heinz Sandbrink. „Pädagogisch schlägt mein Herz höher. Die Stärken stehen im Mittelpunkt. Wir müssen davon ausgehen, dass wir mit den Jugendlichen, die wir haben, die Zukunft gestalten müssen.“

Das Pilotprojekt

Acht Betriebe aus der Region haben bei dem Workshop mitgemacht. Sie kamen aus den Bereichen Maler und Lackierer, Bau, Kfz und Tischlerei. Die Unternehmer wurden in einem Seminar vorher vorbereitet, damit manifestierte Hemmnisse aus der Welt geschafft werden können. Ziel des Workshops ist es nun, Schüler in Praktika oder sogar Lehrverhältnisse zu vermitteln. Damit die Erfahrungen praktisch getestet werden können.

Irene Burow

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