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Segeberg Harter Lockdown für Segeberg: Landrat fordert Bürger auf durchzuhalten
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Harter Lockdown für Segeberg: Landrat fordert Bürger auf durchzuhalten

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20:30 29.03.2021
Der Kreis Segeberg ist von der Corona-Pandemie besonders stark betroffen.
Der Kreis Segeberg ist von der Corona-Pandemie besonders stark betroffen. Quelle: Sven Wehde
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Bad Segeberg

Am Sonnabend waren es bereits 107,2, am Montag sogar schon 114,4 Corona-Infektionen pro 100 000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen. Nachdem der Kreis Segeberg an drei Tagen in Folge die Sieben-Tage-Inzidenz von 100 überschritten hat, ziehen das Land und Landrat Jan Peter Schröder jetzt doch die Notbremse. Ab Gründonnerstag, 1. April, gelten daher wieder deutlich verschärftere Maßnahmen im Kreisgebiet. Diese gelten zunächst bis einschließlich Sonntag, 11. April.

Landrat sieht keine andere Möglichkeit

„Die Zahl der Neuinfizierten nimmt leider im gesamten Kreisgebiet weiter zu. Zunehmend können wir nicht mehr ermitteln, wo sich eine Person angesteckt hat. Wir sprechen daher von einem diffusen Infektionsgeschehen“, sagt Landrat Jan Peter Schröder – und dieser Trend halte offenbar an. Das Virus verzeihe leider keine Fehler, und die Mutation sei weiter auf dem Vormarsch. „Aus diesem Grund müssen wir noch vor Ostern auf die Bremse treten und unsere Kontakte wieder deutlich herunterfahren“, so der Landrat. Er wisse, dass diese Verschärfungen viele Bürger hart treffen würden. „Aber leider sehe ich derzeit keine andere Möglichkeit. Oberste Priorität haben nach wie vor jene, die dem Virus schutzlos ausgesetzt sind. Und wir müssen verhindern, dass unser Gesundheitssystem zusammenbricht.“

Trotz „Coronamüdigkeit und Genervtheit“ appelliere er daher ein weiteres Mal an alle Segeberger Bürger, sich vorsichtig und umsichtig zu verhalten, und er hoffe sehr, dass dieser Appell auch gehört und umgesetzt werde. Schröder: „Wir alle müssen weiter durchhalten und uns weiter in Verzicht üben – so sehr wir uns auch etwas anderes wünschen würden. Aber nur so kann es uns gelingen, das Virus in dieser dritten Welle wieder auszubremsen.“

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Infektionsgeschehen hat sich verändert

Bereits am 18. März war der Kreis Segeberg bei der Corona-Inzidenz über die kritische 100er-Marke geklettert. Damals allerdings nur für einen Tag. Zudem konnte der Infektionsschutz das Ausbruchsgeschehen zumindest teilweise auf einzelne größere Ausbrüche zurückführen, und viele der Neuinfizierten waren bereits in Quarantäne. Dieses Mal gab das Infektionsgeschehen aber keinen Anlass, auf Verschärfungen der Corona-Regeln zu verzichten. „Ein Großteil der Neuinfektionen ist nicht mehr auf Ansteckungen und Ausbruchsgeschehen in Einrichtungen oder Betrieben zurückzuführen“, erklärt Kreissprecherin Sabrina Müller auf LN-Anfrage. Zwar würden nach wie vor viele Kontaktpersonen der Kategorie I wie Familienmitglieder in der Quarantäne positiv, dennoch handele es sich jetzt zunehmend um ein diffuses Infektionsgeschehen. „Die Infektionsquelle oder Infektionsursache ist immer häufiger nicht mehr zu ermitteln“, sagt Müller.

Gesundheitsamt kommt an seine Grenzen

Trotz der hohen Fallzahlen gelingt es dem Infektionsschutz bisher noch, die Kontaktpersonennachverfolgungen innerhalb von 24 Stunden nach Eingang einer Positiv-Meldung abzuschließen. „Das klappt allerdings nur durch massiven Personaleinsatz – also Überstunden und Zurückholen von Kreis-Mitarbeitern in den Infektionsschutz, die eigentlich in anderen Bereichen der Verwaltung arbeiten“, beschreibt Müller die Lage. Die Bundeswehr sei bisher bis zum 16. April mit 14 Leuten als Unterstützung im Einsatz.

Bürgermeister setzt auf das Impfen

Bad Segebergs Bürgermeister Dieter Schönfeld (SPD) reagierte mit Verständnis auf die Beschlüsse. „Schön ist es nicht, aber man kann ja nur loyal sein mit dieser Entscheidung, es gilt jetzt, das zu respektieren“, sagte Schönfeld. Er habe aber immer wieder erlebt, dass Einschränkungen alleine nicht helfen, daher hoffe er sehr, dass das Impfen und Testen weiter voran gebracht werde.

Einzelhandel ist enttäuscht

Enttäuscht reagiert der Einzelhandel. Zwar hatte Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) betont, dass der Einzelhandel nicht der Pandemietreiber sei, zu einer Schließung vieler Geschäfte kommt es ab Donnerstag aber trotzdem. „Das hat keinen Sinn. Wir ziehen nur die Kaufkraft aus Segeberg ab und verlagern sie auf andere Kreise“, sagt Marlis Stagat, Vorsitzende des Unternehmervereins „Wir für Segeberg“ (WfS). Sie gehe davon aus, dass die Leute „keinen Bock mehr haben und die Regeln nicht mehr akzeptieren werden“. Stagat: „Das heißt, sie werden nicht zu Hause bleiben, sondern dann in den umliegenden Kreisen und Städten einkaufen, wo es dann noch voller wird.“ Für den Einzelhandel seien die Maßnahmen eine Katastrophe. „Die Händler haben alles so super organisiert, damit die Kunden unter möglichst sicheren Bedingungen einkaufen können, und nun wird doch wieder alles geschlossen. Wir sind enttäuscht.“

Von Sven Wehde