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Segeberg Hoffnung auf ein neues Leben
Lokales Segeberg Hoffnung auf ein neues Leben
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20:24 25.10.2014
In seiner Heimat Syrien hat Yammen (l.) im Krieg alles verloren. Der 35-Jährige kam nach Deutschland, um endlich frei zu sein. Quelle: Fotos: Nadine Materne
Neumünster

Wenn der Zaun nicht rund um die Erstaufnahmeeinrichtung für Asylbewerber in Neumünster wäre, sähe das Gelände fast aus wie ein veraltetes, aber normales Wohngebiet.

Jugendliche spielen Fußall, Eltern schieben Kinderwagen die Straße entlang, Menschen gehen ihrer Wege. Das Tor am Eingang steht weit offen, es ist ein ständiges Kommen und Gehen. Und es kommen stetig mehr Flüchtlinge nach Neumünster. Aus Syrien, Afghanistan, Irak . . . 830 Menschen wurden im September aufgenommen, diesen Monat sollten es ähnlich viele werden.

Oft stehen sie einfach vor der Tür. „Wie viele waren es heute?“, fragt Ulf Döhring, Leiter des Landesamtes für Ausländerangelegenheiten, an der Torwache. 22. Insgesamt wurden 78 Asylbewerber an diesem Tag in Neumünster aufgenommen, vorbeigebracht von der Bundespolizei oder aus anderen Bundesländern zugewiesen.

Im ersten Geschoss von Haus eins ist der Wartebereich voll. Hier werden die Neuen erst einmal aufgenommen, sie erhalten Bettwäsche, Handtücher, Hygieneartikel. Auch Mahmoud Marrawi sitzt hier. Der 28-jährige Syrer war monatelang auf der Flucht und hat es zu Freunden in Norderstedt geschafft: Petra und Mohammed Iskif. Sie haben ihn nach Neumünster begleitet. „Er ist der Sohn einer meiner besten Freunde“, sagt Mohammed Iskif. Er will Mahmoud Arbeit geben. „Er kann bei uns wohnen.“ Für seinen Asylantrag muss er aber nach Neumünster. „Es sind nur zwei Wochen“, beruhigt Sozialberaterin Nele Brüser. Das Paar ist besorgt, dass Mahmoud auf ein anderes Bundesland verteilt wird.

3,38 Prozent der Flüchtlinge muss Schleswig-Holstein laut Quote aufnehmen. Die Verteilung wird per Computer in der „Easy-Stelle“ (Erstverteilung von Asylbegehrenden) geregelt, meist am Tag nach der Ankunft. Wer in Neumünster bleibt, bekommt ein Zimmer zugewiesen, das sich bis zu sechs Personen teilen müssen seitdem der Andrang so groß ist, erklärt Döhring. Die Zahl der Asylsuchenden ist im Vergleich zu 2013 um 70 Prozent auf 6700 Erstantragssteller gestiegen. Deshalb werden auf dem Gelände derzeit Container mit 200 Plätzen aufgestellt. Ab Januar sollen Flüchtlinge auch in der Boostedter Kaserne aufgenommen werden. Die Vorbereitungen laufen.

Ausgeschrieben werden muss zum Beispiel die Betreuung. In Neumünster ist dafür das DRK zuständig. In jedem Haus hat es ein Büro mit Betreuern, es gibt Beratungs- und Freizeitangebote. Kleine Kinder werden vormittags in der Spielstube betreut. An den Wänden hängen Zeichnungen, im Hintergrund läuft das Lied „Bi-Ba-Butzemann“. „Wir singen mit den Kindern oder malen ihnen das Alphabet vor, damit sie es nachzeichnen können“, sagt Betreuerin Danica Ladwig. „Oder wir zählen auf Deutsch, wie viele Kinder heute da sind.“ Die Fluktuation ist groß. Auch in der Schule in Haus vier. Seit Februar saßen 700 Kinder in den Klassen.

In der kurzen Zeit geht es darum, die Kinder an den Schulalltag zu gewöhnen, ihnen erste deutsche Vokabeln beizubringen. Wochentage, die Uhrzeit, dazu Rechengrundlagen und das Alphabet.

Ähnlich soll es in Boostedt sein. „Wenn es hier funktioniert, wird es auch dort funktionieren“, ist Sozialberaterin Nele Brüser sicher. „Das hier ist kein schlechter Ort.“ Man versuche den Menschen zu helfen, die Boostedter müssten sich keine Sorgen machen. Auf ihrem Weg über das Gelände wird Brüser immer wieder von den Bewohnern angesprochen. „Viele wollen wissen, ob sie arbeiten oder in die Schule gehen dürfen, ob es Deutschkurse gibt. Wir verweisen oft auf ehrenamtliche Strukturen am Verteilungsort.“

Yammen aus Syrien ist seit fast zwei Wochen in Neumünster. Noch weiß er nicht, wohin er geschickt wird, bis sein Asylverfahren abgeschlossen ist. Der 35-Jährige hofft auf eine schnelle Bearbeitung seines Antrags, damit er zu seiner Freundin nach Berlin kann. „Ich bin so glücklich in Deutschland zu sein“, sagt Yammen. In Freiheit. In seiner Heimatstadt Aleppo herrscht Krieg. Sein Haus, sein Laden — alles sei von Bomben zerstört. Es gibt kein Wasser, kein Strom, dafür ständige Angst vor den radikalen Islamisten. „Ich bin Muslim“, sagt er. Aber mit diesen Leuten möchte er nichts zu tun haben. „Ich musste meinen Körper verstecken wegen der Tattoos.“ Mit Hilfe von Schleppern ist Yammen aus dem Land herausgekommen, in die Türkei und mit einem überfüllten Boot nach Griechenland, dann weiter nach Deutschland. „Hier möchte ich mir ein neues Leben aufbauen. Ich gehe nicht mehr zurück.“

Außenstelle Boostedt
Ab Januar soll ein Teil der Rantzau-Kaserne in Boostedt eine Außenstelle für die Erstaufnahmestation in Neumünster sein und die ersten Flüchtlinge aufnehmen. Platz für bis zu 500 Asylbewerbern soll es dort geben. Ab November können die Vorbereitungen starten. Ein Zaun muss gezogen werden, um das Gelände vom Militärischen zu trennen, bauliche Veränderungen wegen des Brandschutzes geklärt und verschiedene Ausschreibungen vorbereitet werden. Unter anderem muss ein Betreuungsverein gefunden werden.

Nadine Materne

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