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Segeberg Sechstklässler lernen: Tod gehört zum Leben
Lokales Segeberg Sechstklässler lernen: Tod gehört zum Leben
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13:50 03.06.2019
Der Hospizverein Segeberg besucht für das dreitägige Projekt „Hospiz und Schule“ Sechstklässler der Gemeinschaftsschule am Seminarweg. Quelle: Heike Hiltrop
Bad Segeberg

 Eine Urne in den HSV-Farben und alle kommen in Jogginganzug: Noah ist zwölf Jahre alt und hat ganz genaue Vorstellungen, wie seine Beerdigung aussehen sollte. Einfach so – und weil es Teil des Projektes „Hospiz und Schule“ ist. Ängste abbauen, Fragen beantworten, kurz: Kinder stärken. Darum geht es drei Tage lang, begleitet vom Hospizverein Segeberg, für Noah und den Rest der sechsten Klasse.

Natürlicher Umgang mit Tod und Abschied

Werden und vergehen, sterben und Tod, traurig sein und trösten, sind die Schwerpunkte des in der Gesellschaft tabuisierten Themas, mit denen sich selbst Erwachsene nur ungern auseinandersetzen. Auch in den Schulen werde das Thema vernachlässigt, ist Ehrenamtlerin Ines Knittel-Fahrmeier vom Hospizverein sicher. Die frühere Lehrerin betreut mit anderen das Projekt. „Ich habe selbst erlebt, dass Menschen isoliert werden, weil die Leute Angst haben, mit ihnen umzugehen.“ In einer Leistungsgesellschaft dürfe Schwäche nicht gezeigt werden, bedauert Gina Krause: „Der Umgang wurde verlernt“, ist die Koordinatorin im Hospizverein und Mitorganisatorin sicher. Dabei sei der bei Kindern oft noch ganz natürlich.

Spannend: Einen Sarg genau unter die Lupe nehmen

Das zeigt sich an den Programmpunkten der drei Tagen eindrücklich: Kollagen zur Wunschbeerdigung basteln, eine Führung über den Friedhof mit Pastorin Elke Hoffmann, Trauer- und Abschiedssteine bemalen gehörten dazu. Ein Höhepunkt für die Elf- bis 13-Jährigen war es, einen Sarg mal von allen Seiten ganz genau unter die Lupe zu nehmen. Das mag den einen oder anderen pikieren, doch für die Jungen und Mädchen öffnet sich ein guter Weg.

Liv (12): „Wir haben gelernt, was uns gut tut, wenn wir traurig sind.“

„Ich hatte vorher Angst mit der Traurigkeit alleine zu sein. Jetzt weiß ich, wo ich mich melden kann, und auch untereinander gehen wir jetzt anders um“, fasst Leni (12) zusammen. „Wir haben uns Gräber angesehen. Ich habe mich früher vor dem Friedhof gegruselt. Jetzt würde ich auch einfach mal so hingehen“, sagt Helmke (11). Und Florian (13) nimmt aus den Projekttagen mit, „dass man nicht nur traurig sein kann, sondern auch an die schönen Dinge über den Gestorbenen denkt“. Liv (12) merkt an: „Wir haben auch gelernt, was uns guttut, wenn wir traurig sind.“ Einig waren sich die 25 Sechstklässler darüber, dass sie gelernt hätten, über ihre Gefühle bei einem Verlust zu reden, statt alles in sich hineinzufressen.

Hilfe geben und annehmen

Symbol dafür dürfte die überdimensionale Sonnenblume sein, die die Kinder gestaltet haben und in der jeder Strahl für etwas steht, das in schwierigen Situationen Halt und Hilfe gibt. Angefangen bei der Familie bis hin zur Onlineberatung des Kinderhospizvereins „Muschel“ für Kinder- und Jugendliche, die Moqeet (11) aufzählt: „Der Tod gehört zum Leben dazu. Das würde ich einem Freund sagen.“

Lehrerin Ute Lassen-Gruchot: „Ich freue mich, dass Abschied nehmen und Trauer für meine Klasse kein Tabuthema mehr ist.“

„Mich hat Tod und Sterben vorher nicht so interessiert, jetzt schon. Das Projekt macht Mut“, fasst Svea (12) zusammen. Das Fazit von Klassenlehrerin Ute Lassen-Gruchot: Ein sehr positives. „Ich hatte gehofft, dass die Schule offen mit dem Thema umgeht und genau das ist der Fall gewesen. Ich freue mich, dass Abschied nehmen und Trauer in meiner Klasse keine Tabuthemen mehr sind und sie sensibilisiert worden sind füreinander.“

Heike Hiltrop

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