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Segeberg Ein Netzwerk für die letzte Lebensphase
Lokales Segeberg Ein Netzwerk für die letzte Lebensphase
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20:40 18.12.2018
Gina Krause, Koordinatorin vom Hospizverein, erklärt das Netzwerk mit dem Schwerstkranken in Segeberg geholfen wird. Quelle: GLOMBIK
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Bad Segeberg

Eines ist sicher: Umfassende palliative Betreuung für Menschen, die am Ende ihres Lebens stehen, ist – nein muss – Teamwork sein. „Ich finde die Zusammenarbeit mit dem Hospizverein beispielhaft“, sagt die Leitende Koordinatorin Kerstin Mielke vom Palliativnetz Travebogen. Hier haben sich Ärzte, Pflegedienste, ambulante Hospizdienste, stationäre Einrichtungen und das Ehrenamt miteinander zusammengetan, um todkranke Menschen umfassend zu betreuen.

Dabei verdankt der „Travebogen“ seine Entstehung als Netzwerk dem Hospizverein. Der hatte 2008 mit Elke Hoffmann die Sache in die Hand genommen und an einem Runden Tisch mit allen Beteiligten das Netzwerk gegründet, quasi die losen Fäden zusammengeführt. Gina Krause, Koordinatorin vom Hospizverein Segeberg, erklärt die Philosophie dieser Bewegung in Segeberg. „Unser großes Anliegen ist, dass die Menschen zu Hause sterben können, weil sich das so viele Menschen wünschen.“ Je nach Umfrage möchten 60 bis 90 Prozent ihr letztes Stündlein zu Hause zu verbringen und nicht im Krankenhaus. Genau das „versuchen wir mit unseren Partnern zu sichern“, bekräftigt Gina Krause, die jetzt gleich zu einem Erstgespräch mit einer krebskranken Frau gehen wird. Das passiere selten, dass sich Schwerstkranke selbst an den Hospizverein wenden. Meist sei es das Palliativnetz Travebogen, das den Kontakt vermittle. Nach dem Besuch, nach dem ersten Kontakt, muss die Koordinatorin festlegen, welche ehrenamtliche Helferin hier eine Beziehung aufbauen kann. Gina Krause weiß, dass gerade die zuhörenden Helfer so wichtig sind, wenn sie die Sorgen, Ängste und Belastungen der Todkranken hören.

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Dass man alles aussprechen dürfe und dabei nicht allein sei, das ist schon eine Unterstützung. „Es wird auch am Sterbebett gelacht, es gibt für alle auch schöne Momente, für die man dankbar sein muss“, erzählt Gina Krause. Sie selbst sei erst seit Oktober in dem ambulanten Hospiz tätig, habe vorher jahrelang todkranke Kinder betreut. Trotz ihrer jungen Jahre wirkt sie erfahren: „Ich kann Positives und Negatives akzeptieren.“

Was die spezialisierte ambulante Palliativ-Versorgung des Travebogens und den Hospizverein eint, ist vielleicht folgender Satz von Kerstin Mielke vom Travebogen: „Unser Augenmerk gilt dem Leben.“ Im Team, bestehend aus Palliativ-Ärzten, Pflegefachkräften und Sozialarbeitern in der Straße Am Eichberg 3 in Bad Segeberg, dreht sich alles um die Patienten. Sogar eine Beratungsambulanz gibt es hier, die bei der letzten Lebensphase hilft. Wie lange diese ist, weiß übrigens keiner. Mielke: „Wir haben ganz viele Patienten, die wir mit Medikamenten eingestellt und beraten haben, die dann noch drei Jahre und länger lebten.“ Wenn es um Seelsorge gehe, um seelische Betreuung werde auf Wunsch der Patienten auch der Hospizverein eingeschaltet.

Physisch körperlichen Schmerz kann der Arzt lindern, dann ist da aber noch der spirituelle Schmerz. „Warum sterbe ich?“ „Warum muss gerade ich Krebs bekommen?“ Die Betroffenen selber nehmen es manchmal leichter hin, als Angehörige, hat Gina Krause erfahren. Zurzeit begleitet der Hospizverein 13 Menschen. Am Runden Tisch wird gemeinsam mit den Fachleuten vom Travebogen über die Fälle gesprochen. Sogar ein Experte für Klangschalen ist dabei. Manchmal helfen meditative Klänge mehr als tausend Worte.

Wolfgang Glombik

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