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Segeberg Hundemarke her! Jetzt kommen die Kontrolleure
Lokales Segeberg Hundemarke her! Jetzt kommen die Kontrolleure
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21:37 21.08.2018
Der Steuer für „Barney“ ist bezahlt: Tom Albers aus Segeberg hat kein Problem damit, dass die Stadt Hundehalter überprüft. Quelle: Fotos: Lutz Roeßler
Bad Segeberg

Baumelt da etwas unterm pelzigen Hals von Struppi? Oder etwa nicht? Auf die Hundemarke kommt es an. „Leider musste in zurückliegender Zeit festgestellt werden, dass nicht alle Hundehalter der Pflicht zur Mitführung der Steuermarke nachkommen“, teilt die Stadt schriftlich mit. Nach Paragraph 10, Absatz 4 der Hundesteuer-Satzung dürften danach Hundehalter außerhalb ihrer Wohnung oder ihres umfriedeten Grundbesitzes ihre Vierbeiner nur mit Hundesteuermarke laufen lassen. „Die Verwaltung wird durch Begehung des gesamten Stadtgebietes das Mitführen der Steuermarken – am Hund – überprüfen“, heißt es.

Klicken Sie hier, um zu sehen, was die Hundehalter zur Jagd auf Steuersünder zu sagen haben.

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Die Stadtverwaltung empfiehlt jedem Hundehalter, die Tiere schnellstens im Rathaus anzumelden. Das kann im Steueramt, Neubau Zimmer 1.05, erfolgen oder schriftlich. Das Anmeldeformular gibt es auch auf der Stadt-Homepage unter Service/Politik.

Tatsächlich scheint Aufklärung nötig zu sein. Bei einer gestrigen „Hundemarken-Suchtour“ der LN in der Innenstadt fanden die LN nur einen Hund – ausgerechnet Dackel Maxi aus Oberbayern – der vorschriftsmäßig seine Marke trug. Alle anderen gingen ohne. Selbstverständlich werde die Hundesteuer bezahlt, nur liege die Marke daheim im Schrank, hieß es meist. Die Befestigungsöse des Blechteils gehe schnell kaputt, betont eine erfahrene Hundeexpertin. Deshalb werde meist auf ihr Tragen verzichtet.

Der Stadt geht es natürlich weniger um die korrekten Halsketten von Hundedamen und -herren, sondern vielmehr um die Steuereinnahmen, ums Geld. Das Rathaus schätzt, dass etwa 150 Hunde im Stadtgebiet nicht – wie es Pflicht wäre – beim Fiskus angemeldet sind. 1012 Hunde seien derzeit im Bad Segeberger Rathaus registriert. Die Tendenz sei hier im Sinkflug – trotz gestiegener Einwohnerzahl. Das gibt zu denken. Und nicht nur das. Als vor fünf Jahren eine von der Stadt beauftragte Firma eine Hundezählung vornahm, Herrchen oder Frauchen gezielt ansprach, nahmen Hundebesitzer reuig das Angebot an, meldeten ihren Bello an. Stadtkämmerin Christiane Ostwald: „Da hatten wir einen ganz enormen Zuwachs, 25 Prozent mehr bei der Hundesteuer.“

Jetzt werden städtische Mitarbeiter der Finanzverwaltung zu zweit auf Wiesen, Hundeauslaufflächen oder in die Stadt gehen und dort Stichproben machen, berichtet Ostwald. Denn wer seinen Hund nicht ordnungsgemäß angemeldet hat, riskiert ein Bußgeld. „Wenn ich das nicht mache, betrüge ich ein bisschen“, so Christiane Ostwald. Das gelte als Steuerhinterziehung. Die Hundemarke sei auch Mittel zur Identifizierung des Hundes. Und ein Nachweis, dass einem sein Vierbeiner lieb und vor allem teuer ist, denn die Hundesteuer ist im finanzschwachen Bad Segeberg vergleichsweise hoch. Sie beträgt 144 Euro im Jahr. Ein Zweithund kostet 158 und ein dritter Wauwi im Haushalt gar 179 Euro. Kampfhunde kosten gar 800 Euro, aber die seien in Bad Segeberg nicht gemeldet 2018 hat die klamme Stadt 145000 Euro Einnahmen aus der Hundesteuer erzielt. Vor der Überprüfung der Hundehalter und vor Steuererhöhungen waren es im Jahr 2012 noch 89000 Euro an Einnahmen. – Ist da noch mehr drin? Im Rathaus mehren sich inzwischen anonyme Anzeigen von Bürgern, die vermuten, dass der eine oder andere Bürger seinen Hund nicht angemeldet hat. „Wir schreiben die vermeintlichen Hundehalter dann an und bitten um Stellungnahme“, erklärt Christiane Ostwald. Die Hundesteuer könne noch vier Jahre zurück verlangt werden.

Die Kontrollen werden von Mitarbeitern mit Dienstausweis vorgenommen. Zur Durchführung würden Wohnungen nicht betreten und auch keine Steuern oder Gebühren vor Ort erhoben, erklärt die Stadt. Falls Prüfungen ergeben sollten, dass Hunde nicht angemeldet wurden, müssen Halter mit einer rückwirkenden Steuerfestsetzung rechnen. Bußgelder bis 1000 Euro drohen. Beim nächsten Gassigehen sollte man sich also gegebenenfalls einen Abstecher zum Rathaus vornehmen. . .

Wolfgang Glombik