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Segeberg IC ließ Segeberger Passagiere stehen
Lokales Segeberg IC ließ Segeberger Passagiere stehen
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21:50 23.03.2018
Sechs Wochen, so lange dauern Gleisbauarbeiten auf der Strecke Pinneberg-Neumünster, werden Fernzüge über Bad Segeberg umgeleitet.
Sechs Wochen, so lange dauern Gleisbauarbeiten auf der Strecke Pinneberg-Neumünster, werden Fernzüge über Bad Segeberg umgeleitet.
Bad Segeberg

Der Zug, eine „Gumminase“ der Dänischen Staatsbahn auf ihrem Weg von Aarhus nach Hamburg, traf pünktlich um 11.57 am Bad Segeberger Bahnhof ein. Er stoppte kurz – und fuhr nach nicht einmal einer Minute wieder davon, ohne die Türen zu öffnen. Zwei Handvoll Passagiere, die am Mittag eigentlich nach Bad Oldesloe wollten, blieben am Bahnsteig stehen. „Meinen Anschlusszug in Oldesloe kann ich jetzt wohl vergessen“, sagte ein Mann zerknirscht. Eine junge Mutter mit Kinderwagen glaubte zwar zu wissen, dass nach dem IC noch ein Ersatzzug eintreffen würde. Aber der kam nicht mehr. Der Ersatzzug, von dem sie gehört hatte, war gerade ohne sie weggefahren.

Der Start hat nicht gut geklappt. Wegen Gleisbauarbeiten werden Züge der Nordbahn derzeit von durchfahrenden ICs verdrängt. Eigentlich sollten Pendler zwischen Neumünster und Bad Oldesloe dort zusteigen dürfen. Doch manche Fahrgäste wurden einfach stehen gelassen.

Ersatzfahrplan

Bis Anfang Mai rollen Fernzüge durch Bad Segeberg. Deshalb fallen einige Nordbahn-Züge aus. Sie werden durch Busse ersetzt. Der Ersatzfahrplan steht unter www.nordbahn.de zum Download zur Verfügung.

Ein blödes Missverständnis offenbar. „Wir können uns nur bei allen betroffenen Fahrgästen entschuldigen“, sagte Bahn-Sprecherin Sabine Brunkhorst, nachdem sie von den LN von dem Ärgernis erfahren hatte. Das sei so nicht geplant gewesen. Damit die Regionalpendler trotz Ausfalls mehrerer Nordbahn-Züge am Tag dennoch an ihr Ziel kommen – zumindest nach Bad Oldesloe und nach Neumünster –, sollten sie eigentlich mit ihren HVV-Tickets auch in den IC einsteigen dürfen.

Das hatte sich zumindest am Freitagvormittag offensichtlich noch nicht bei allen Bahn-Bediensteten herumgesprochen. „Der Triebwagenführer hat die Türen offenbar nicht geöffnet, weil er davon ausgegangen war, dass Bad Segeberg kein offizieller Haltepunkt ist“, sagt Brunkhorst. „Das war leider ein Irrtum.“ Man habe diesen Zwischenfall aber zum Anlass genommen, sämtliche Zugteams zu informieren, dass auch in Bad Segeberg Passagiere zu- und aussteigen dürfen. Ob auch einige Fahrgäste aus Neumünster, die eigentlich in Bad Segeberg aussteigen wollten, wegen der geschlossenen Zugtüren nach Bad Oldesloe weiterfahren mussten, wurde indes nicht bekannt.

Die LN prüften nach: Als die „Gumminase“ – so heißen die auf der Strecke eingesetzten dänischen Triebwagen mit Gummiwülsten – gegen 15.05 Uhr wieder auf dem Bad Segeberger Bahnhof eintraf, diesmal Richtung Neumünster, klappte alles. Die Beschwerden der LN hatten ihre Wirkung offenbar nicht verfehlt. Auf Knopfdruck öffneten sich die schweren Türen des IC, den man sonst in Bad Segeberg wohl noch nie gesehen hat. Ein freundlicher DB-Zugbegleiter sprang hurtig heraus und half sogar einer Mutter mit Kinderwagen beim Einsteigen.

Allerdings waren einige Fahrgäste nicht informiert, dass der Zug ohne Zwischenstation erst in Neumünster hält und dann Richtung Dänemark weiterfährt. Einigen Fahrgästen auf dem Bahnsteig war die Sache mit dem fremden Zug auch nicht ganz geheuer – sie zogen es vor, später den Ersatzbusverkehr in Anspruch zu nehmen.

Wegen der Länge des IC musste der letzte Waggon auf dem Bahnübergang stehen bleiben. Der Zugbegleiter pfiff und wedelte mit den Armen zum Triebwagen. Die „Gumminase“ setzte sich in Bewegung. Ein Beobachter am Bahnsteig: „Ich kann mich noch an die Zeiten erinnern, als hier dauernd Eilzüge durchfuhren. Da war die Strecke nach Bad Oldesloe noch zweigleisig und Bad Segeberg ein richtiger Bahnhof.“

 W. Glombik und O. Vogt