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Segeberg „Ich wollte immer für Menschen da sein“
Lokales Segeberg „Ich wollte immer für Menschen da sein“
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20:10 05.07.2014
Auf den ersten Blick wirkt Karl-Heinz Rahn ein bisschen brummig. Doch das legt sich im Verlauf des Gespräches. Der Mann kann sehr wohl gelöst und witzig sein. Mit seiner Familie zieht er demnächst nach Bark.
Todesfelde

Nach 34 Jahren seelsorgerischer Arbeit in der Kirchengemeinde Todesfelde geht Pastor Karl-Heinz Rahn in den Ruhestand. Am Sonntag, 13. Juli, wird er um 14 Uhr in der 1899 erbauten Kirche verabschiedet. Kommt schon Wehmut auf? „Nein“, sagt er. Momentan sei er aufgewühlt, wisse vor Arbeit nicht, wo ihm der Kopf stehe, habe noch unendlich viel zu erledigen — „ich bin völlig fertig“.

34 Jahre lang hat „Kuddl“ Rahn rund 2500 Gemeindeglieder in sieben Dörfern betreut, Gottesdienste in Todesfelde und in Hartenholm gehalten, unzählige Menschen getauft, konfirmiert, getraut und beerdigt. Immer nur Todesfelde, Bark, Bockhorn, Fredesdorf, Schafhaus, Vosshöhlen und Hartenholm: Hat er nie an Veränderung gedacht? Nein, sagt er. Nach seinem Wechsel von Bergisch-Gladbach (wo seine Gemeinde nicht einmal eine eigene Kirche hatte, aber die der Katholiken nutzen durfte) habe er in der hiesigen Gemeinde Menschen und Kirchenvorstände vorgefunden, „die offen waren, zulassen konnten:

Wir konnten immer wieder neue Projekte machen, Theater, Freizeitaktivitäten, völlig durchgeknallte Zeltlager im Pastoratsgarten. Es gab einfach keinen Grund, von hier wegzugehen. Ich hatte nie das Gefühl, mich in diesem Beruf nicht mehr entfalten zu können.“

Seit vielen Jahren ist Rahn stellvertretender Kirchenführer — zweiter Mann der Pröpste Schwarz, Martensen, Kasch und Havemann. Kamen da nie Karrieregelüste auf? „Die sind mir fremd — ich wollte Pastor werden und für Menschen da sein. Ich habe immer gemacht, was meins ist.“ Er sei aber immer gern Berater der Pröpste gewesen, eine Aufgabe, die anspruchsvoller geworden sei. Und: „Das Risiko, sich von der Basis zu lösen, ist ganz groß.“ Er wollte immer den Kontakt zu den Menschen haben, „ich wollte immer Gemeindearbeit“.

Die sei kurz vor allem vor der Öffnung der deutsch-deutschen Grenze hart und einprägend gewesen. Im Gemeindehaus habe man 30 bis 40 Ostdeutsche für mehrere Monate aufgenommen. „Da herrschte große Not: Keiner wusste, wohin mit denen.“ Die Gemeindeglieder hätten ihnen geholfen, Wohnungen und Jobs zu bekommen. Rahn erinnert sich: „Das war eine abenteuerliche Zeit. Sie waren es nicht gewöhnt, sich um sich selber zu kümmern.“ Die Gemeindearbeit fand in diesen Monaten in der Kirche statt. „Das hatte Schäden zur Folge, besonders an der Orgel. Die hölzernen Pfeifen trockneten völlig aus; die waren es nicht gewohnt, dass die Kirche so lange beheizt wurde.“

In seiner Amtszeit hat sich die Kirchenarbeit rapide verändert. „Die Angebotsvielfalt ist enorm, facettenreich und attraktiv geworden. Wir stehen im Wettbewerb mit vielen Anbietern.“ Das jährliche Zeltlager war ein Mittel, den Todesfeldern Neues zu bieten. Es fing vor 13 Jahren klein an, zuletzt haben 80 Menschen im Pastoratsgarten gezeltet, die Tage miteinander verbracht — „total improvisiert“. Man dürfe nicht nur lamentieren, sondern für die Menschen was machen, sich um sie kümmern.

Früher sei Kirche etwas Selbstverständliches gewesen. „Heute müssen wir sie in Erinnerung rufen.“ Bei Jugendlichen habe es einen Wandel gegeben. Teils muste man um sie kämpfen. Aber: „Jetzt sind die so klasse, mit denen zusammenzusein, ist richtig gut.“ Dennoch: Dass die Kirche Menschen verliere, „lässt mich nicht unberührt“, das sei ein Phänomen der Individualisierung. Man könne dies aber ändern, ist er sicher: „Meine Arbeit war stets darauf gerichtet, alle Türen offen zu halten — ohne Bedingungen zu stellen.“ Langfristig zahle sich das aus, glaubt er.

Die Kirche müsse sich mehr öffnen, damit Beerdigungen nicht „die am besten besuchten Gottesdienste“ blieben. Gut seien die Jugendgottesdienste in Segebergs Versöhnerkirche, der Zulauf in den Chören ebenfalls. „Wir müssen andere Formen des gemeinschaftlichen Tuns entwickeln.“ Karl-Heinz Rahn ist zuversichtlich, dass die Kirche von jungen Leuten immer wieder Schübe bekommt. Er verzweifelt nicht an der scheinbaren Überalterung der Gemeinden. Denn: „Wer nicht in die Kirche geht, der hat sich nicht endgültig von ihr verabschiedet“, meint er. Er stelle immer wieder fest, dass die Beziehung noch „steht“. Aber eben nicht in Form des Gottesdienstes als „sonntägliche Gemeindeversammlung“. „Das müssen wir zur Kenntnis nehmen.“ Er sehe nicht schwarz.

Hat er schon Bammel vor seinem Abschiedstag? Das nicht, sagt Rahn, „aber ein bisschen Sorge, dass mich alles, was noch zu tun ist, erdrückt und ich meine eigene Verabschiedung nicht vorbereiten kann und den Kopf dafür nicht freikriege.“

Ein junger Pastor soll auf den erfahrenen Gottesmann folgen
Karl-Heinz Rahns Stelle wird längere Zeit vakant bleiben. Vorübergehend wird sie von Pastorin Diana Wegener mit halber Stelle überbrückt.
Bekanntermaßen ist es nicht leicht, Pastoren zu finden, die gern aufs Dorf gehen. „Eine zeitweise Vakanz ist aber gar nicht schlecht für eine Gemeinde, weil es Abstand zum Vorgänger schafft“, heißt es aus der Kirchenverwaltung. Zudem wolle die Gemeinde gern „junges, frisches Blut“ haben. Nachfolger von Rahn dürfte ab Februar 2015 ein „Pastor zur Anstellung“ werden — dann wird der nächste Jahrgang von Jungpastoren seine Ausbildung beendet haben.
Was muss sein Nachfolger mitbringen? Karl-Heinz Rahn zählt auf: „Aufgeschlossenheit den Menschen gegenüber, er muss auf sie zugehen und nicht erwarten, dass sie kommen.“ Und er müsse wahrnehmen, „dass die sieben Dörfer alle anders ticken. Dann ist das Miteinander gut machbar — wie ein Samen, aus dem ganz viel wachsen kann.“ Man müsse seiner Gemeinde zeigen, „ich habe Interesse an Eurem Leben“.
Seinem Nachfolger werde er nicht ins Handwerk „pfuschen“, versichert er. Rahn: „Ich gelobe in allerhöchsten Tönen, mich aus allem ‘rauszuhalten.“
„Ich sage den Menschen in dieser Gemeinde danke.“
Pastor Karl-Heinz Rahn

Christian Spreer

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