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Segeberg Illegalen Sprengstoff gezündet: Geldstrafe für junge Männer
Lokales Segeberg Illegalen Sprengstoff gezündet: Geldstrafe für junge Männer
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12:05 20.03.2015
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Norderstedt

Wie gefährlich das Zünden von illegaler Pyrotechnik ist, zeigte jüngst der tödliche Unfall zum Jahreswechsel 2014/15 in Alveslohe, wo sich ein 18-Jähriger mit einer Kugelbombe quasi in die Luft sprengte. Das Amtsgericht Norderstedt hat gestern zwei 23 Jahre alte Männer aus Norderstedt und Tangstedt zu Bewährungs- und Geldstrafen verurteilt, die in der Nacht zum 16. April 2013 den halben Ort Tangstedt mit ihrer illegalen Knallerei aufgeschreckt und dabei auch zwei abgestellte Fahrzeuge beschädigt hatten.

Ricco K. (Name geändert), der die sogenannten Polen-Böller im Wohnhaus seiner Eltern in Tangstedt deponiert hatte, wurde von Amtsrichterin Dagmar Goraj zu vier Monaten Freiheitsstrafe verurteilt, die auf zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt sind. Zudem muss er 1000 Euro in 20-Monatsraten an das Willkommensteam der Stadt Norderstedt überweisen. „Bewährung muss man spüren“, begründete die Richterin das Strafmaß. Sein Kumpel Jörg L. (Name geändert) aus Norderstedt kam mit einer Geldstrafe davon, die 4800 Euro beträgt, die er monatlich mit 200 Euro abtragen muss.

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An den Vorfall selbst konnten sich die Männer, angeklagt wegen des „Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion“, kaum noch erinnern. Sie hätten am Abend des 15. April gemeinsam bei K. zu Hause viel Wodka und anderen Schnaps zu sich genommen. Gegen 2 Uhr nachts sind sie dann stark angetrunken, der Blutalkoholwert betrug 2,2 Promille, mit einem Rucksack nach draußen gegangen und haben in mehreren Straßen die illegalen Polen-Böller der Kategorie IV gezündet, bis sie ein Anwohner zur Rede stellte und sie schnell wieder zurück zu K. liefen. Dort wartete aber bereits die Polizei, die von drei Anwohnern wegen des ohrenbetäubenden Lärms alarmiert worden war. „Ich bin mitten in der Nacht aus dem Bett hochgeschreckt, weil ich dachte, eine Bombe sei direkt vor meinem Haus hochgegangen“, erinnert sich eine Zeugin. Ein anderer Zeuge sagte aus: „Ich dachte, die schießen draußen.“

Für Jörg L. hatte Oberstaatsanwalt Bernd Winterfeldt sogar eine Haftstrafe ohne Bewährung gefordert, weil die Sozialprognose für ihn nicht so gut aussehe wie für K., der demnächst eine Ausbildung beginnen wird. Doch das Schöffengericht war anderer Auffassung. Zwar wurde L. in den letzten acht Jahren wegen zahlreicher Delikte zu mehrmonatigen Jugendarreststrafen verurteilt und müsse sogar demnächst eine viermonatige Haftstrafe antreten. Aber all das habe ihn offenbar bislang nicht abgeschreckt, „sodass wir zu der Auffassung gekommen sind, dass eine erstmalige, empfindliche Geldstrafe bei Ihnen mehr bewirken kann“, erläuterte die Richterin diese Abwägung.

„Illegale Pyrotechnik anzuzünden, ist kein Spaß“, redete Oberstaatsanwalt Winterfeldt den beiden Angeklagten ins Gewissen. „Das ist eine Straftat und eine armselige Freizeitbeschäftigung mit sehr hohem Gefahrenpotenzial.“ Immerhin Ricco K. zeigte sich vor der Urteilsverkündung einsichtig und gestand ein: „Das war dumm, was wir gemacht haben.“

Die Beschädigung der beiden Autos blieb indes ungesühnt, weil nicht bewiesen werden konnte, wer von den beiden die Windschutzscheibe gesprengt hatte.





Aus dem
Amts-
Gericht
„Ich dachte, die schießen da draußen.“
Ein Zeuge in der Gerichtsverhandlung

Burkhard Fuchs