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Segeberg Große Demo gegen Neonazis in Bad Segeberg
Lokales Segeberg Große Demo gegen Neonazis in Bad Segeberg
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19:43 28.10.2019
Regina und Manfred Korinth aus Bad Oldesloe gehören der Kirchengemeinde Sülfeld an und waren so bunt, wie das Motto: „Das letzte Mal Handball gucken, das ist 17 Jahre her. Dass der Pastor den Rechten die Stirn bietet, das ist wirklich sehr mutig. Die Kirchengemeinde Sülfeld lebt Toleranz", sagen sie. Quelle: Heike Hiltrop
Bad Segeberg/Sülfeld

Immer mehr Menschen wehren sich gegen die wieder erstarkende rechte Szene im Kreis Segeberg. In der Kreisstadt ist jetzt die erste große Demonstration geplant. Unter dem Motto „Wir sind mehr – Bad Segeberg bleibt bunt!“ ruft die Initiative „Segeberg bleibt bunt“ zu einer „lauten, kreativen und kraftvollen“ Kundgebung am Sonnabend, 9. November, auf. Der Marsch beginnt um 13 Uhr auf dem Platz vor der VR-Bank in der Fußgängerzone, Kurhausstraße 1. „Lasst uns allen zeigen, dass wir aus der Geschichte gelernt haben! Lasst uns jetzt die Chance ergreifen und klarstellen, dass Bad Segeberg eine bunte und demokratische Stadt bleibt, in der alle willkommen sind! Nazis und rechtes Gedankengut haben hier keinen Platz!“, heißt es in dem Aufruf.

Weitere Aktionen in Sülfeld

Auch in der Gemeinde Sülfeld sind weitere Aktionen geplant. So lädt die Kirchengemeinde am Donnerstag, 31. Oktober, um 12 Uhr nach dem Gottesdienst zu einem Spaziergang durch Sülfeld ein, der Start ist an der Kirche. Am Freitag, 8. November, wird es zudem um 17.30 Uhr einen Ökumenischen Martinsumzug geben, Treffpunkt ist das Pastorat. Die Veranstaltungen stehen unter dem Motto „Den anderen sehen, zusammen stehen, miteinander gehen“. Der Hintergrund: Vor eineinhalb Wochen sollen zwei Sülfelder von einem Rechtsextremisten attackiert worden sein, als sie versucht hatten, rechtsradikale Aufkleber zu entfernen.

Pastor bietet Rechten das Gespräch an

Mittlerweile wurde auch das Pastorat mit den Stickern beklebt. Der Pastor der Gemeinde, Steffen Paar, wandte sich daraufhin auf Facebook an die rechtsextreme Gruppe. „,Endlich handeln’ steht auf den Aufklebern. Was Handeln für Euch bedeutet, haben wir erlebt. Ihr beschimpft Leute aufs Übelste, habt keine Skrupel vor Frauen und Kindern, benutzt Fäuste und Drohungen statt Argumente und schleicht Euch nachts durch unser Dorf, um heimlich Euren Schmutz zu verbreiten“, schreibt der Pastor und weiter: „Ich meine, man könnte ja auch von Angesicht zu Angesicht reden, aber gut. Das ist scheinbar nicht Euer Ding.“ Daraufhin tauchte plötzlich ein Kommentar bei Facebook auf, in dem der Kopf der rechten Gruppe, Bernd T. aus Bad Segeberg, dem Pastor ein Gespräch anbietet. Bernd T. gilt als äußerst gefährlich und gewaltbereit. Der Pastor würde trotzdem auf das Angebot eingehen. „Ich habe ihnen daraufhin eine E-Mail geschickt und bleibe bei meiner Gesprächsanfrage. Bisher aber habe ich keine Antwort erhalten.“

Beeindruckende Solidaritätsaktion

In Sülfeld hatte es bereits am vergangenen Sonnabend eine beeindruckende Solidaritätsaktion der Handballerinnen gegen die rechten Umtriebe im Ort gegeben. Hunderte Menschen setzten in der Sporthalle ein Zeichen. Darunter auch etliche, die sonst mit Handball nicht sonderlich viel am Hut haben. Sie unterstrichen beim Spiel der SVS-Damen aus der Schleswig-Holstein-Liga gegen die HSG Tills Löwen 08 (Ausgang 29:27) das bunte, vielfältige Miteinander. „Wir wollen Frieden und Zusammenhalt im Dorf und sind gegen Gewalt in jeder Hinsicht“, bekräftigte Nicole Scheel. „Ich verabscheue und verfolge die Entwicklung“, sagte auch Meik Kirschnick.

Sportverein hatte nicht mit dem Andrang gerechnet

Innenminister Hans-Joachim Grote (CDU), der ebenfalls angereist und bis zum Spielende geblieben war, lobte das unmissverständliche Signal, das von der Veranstaltung ausging. Und Segebergs Propst Dr. Daniel Havemann bekräftigte noch einmal, wie angetan er vom Mut und Engagement in der Gemeinde sei. „Das ist genau das, was wir in unserer Gesellschaft brauchen.“ Mit so einem großen Andrang hatte der Sportverein (SVS) nicht gerechnet. „Wir haben gedacht, es kommen statt der sonst 120 Leute vielleicht 150 oder 200. Dass das Interesse so groß ist und so eine Dynamik entwickelt, das hat uns fast ein bisschen überrollt“, sagte SVS-Vorsitzender Claus Lüdemann. Nach dem Spiel war er erleichtert. „Ich bin froh, dass die Lage so entspannt war und es ruhig geblieben ist.“

Von Von Heike Hiltrop und Sven Wehde

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