Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Segeberg In 16 Tagen um die Ostsee: Ostholsteiner wollen Witwe aus Bimöhlen helfen
Lokales Segeberg In 16 Tagen um die Ostsee: Ostholsteiner wollen Witwe aus Bimöhlen helfen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:00 21.04.2019
Das Travel-Keks-Team bereitet sich auf die "Baltic-Sea-Circle" - eine Spendenrallye rund um die Ostsee durch zehn Länder und über 7500 Kilometr vor. Quelle: Heike Hiltrop
Eutin/Bimöhlen

 Die Strecke: 7500 Kilometer durch zehn Länder rund um die Ostsee. Navi und Autobahnen sind tabu. Mehr als 16 Tage Zeit sind nicht drin. Das Material: Autos, die mindestens 20 Jahre alt und für nicht mehr als 2500 Euro angeschafft worden sind. Soweit die Eckdaten der Baltic Sea Circle (BSC). Am 15. Juni fällt auf dem Hamburger Fischmarkt der Startschuss für die 9. Charity- Rallye. 280 Teilnehmer, die gleichzeitig Hilfsprojekte finanziell unterstützen, sind gemeldet. Unter ihnen acht unerschrockene „Autoverrückte“ um den Eutiner Mediziner Frank Linse.

Planungen schüren seit Monaten ihre Vorfreude

„Eigentlich sind wir ja Oldtimerfans“, sagt der 56-jährige Teamchef. Doch nach Touren vom Automobil-Veteranen-Club (DAVC) Lübeck stand fest, dass sie als Team bestens funktionieren: „Doc Linse“, seine Frau Iris, Bärbel Schumann und Dirk Hennings, die in Hamburg gemeinsam eine Eisdiele betreiben, der Berliner Gastronom Uwe Drees mit Sohn Norman, Ausbildungsberater Torben Flohr sowie Internetexperte Axel Schaak als Stockelsdorfer Teammitglieder. Nun wollen sie sich gemeinsam in das Abenteuer BSC stürzen. Die Vorbereitungen schüren schon seit Monaten ihre Vorfreude.

Infos zum Spendenprojekt

Nach einem schweren Verkehrsunfall verlor die 33-Jährige Danielle Strodthoff Anfang des Jahres ihren Mann Dustin, mit der sie vier Söhne (zwei, sechs, elf und 14 Jahre alt) hat und von dem die Schwangere im Mai zwei Mädchen erwartet. Der 30-jährige Tiefbauer war der Alleinverdiener in der Familie. Aus dem ganzen Norden bekam die junge Frau Unterstützung, der sich das Travelkeks-Team nun anschließt. Spenden sind möglich an die Apotheker- und Ärztebank, Konto-Inhaber ist Dr. Frank Linse, IBAN: DE98 3006 0601 0106 708773.

Da alle neben der Leidenschaft für in die Jahre gekommenen Autos eine ganz bestimmte Sorte Hafergebäck bevorzugen, gehen sie als vier Duos des Teams „Travel-Keks“ an den Start. Auch das persönliches Spenden-Projekte steht: „Wir haben in den Lübecker Nachrichten über die junge Frau aus Bimöhlen gelesen, die bald zum sechsten Mal Mutter wird und ihren Mann bei einem Autounfall verloren hat“, erinnert Frank Linse an die Tragödie, die sich zum Jahreswechsel im Kreis Segeberg ereignet hat. „Sie und ihre Kinder sollen unsere Unterstützung bekommen.“

Alte Autos, weniger Technik, leichtere Hilfe

Ein Logo ist kreiert und schmückt die vier Fahrzeuge, die, so hoffen alle, die Strecke von Hamburg über Skandinavien zum Polarkreis, das Baltikum, Russland und Polen wieder in die Hansestadt meistern. „Dass die Autos mindestens 20 Jahre alt sein müssen, hat den Grund, dass man bei einer Panne in der Pampa besser Hilfe bekommt“, sagt Mitorganisator Daniel Kaerger. Sprich: Die Oldies haben nicht zu viel komplizierte Technik unter Haube. Zusammen mit seinem Bruder Sebastian, Chef Superlative-Adventure-Club, ist Kaerger der Rallye-Veranstalter. Aber es mache einfach auch mehr Spaß, auf Komfort zu verzichten.

Gegenentwurf zur Pauschalreise

Die Internetsuche nach geeigneten Vehikeln klappte gut. Der 30 Jahre alte Mitsubishi Pajero, der schon 272 000 Kilometer auf der „Uhr“ hat, bereite zwar noch ein paar Probleme, aber der Fiat Multiplan (Baujahr 1999 und 110 000 Kilometer auf dem Zähler) und die beiden Opel Frontera aus 1996 (197 000 Kilometer und 130 000 Kilometer) laufen. „Unser Gegenentwurf zur Pauschalreise“, scherzt Linse. „Das wird einfach kribbelig, wenn du feststellst, die nächste Tankstelle ist deine, aber nicht weißt, ob du es bis dahin schaffst.“

500 Kilometer am Tag

Übernachtungen werden selbst organisiert, die Travel-Kekse sind wie fast alle Teilnehmer mit Zelten ausgerüstet. „Hier kann man locker sein. Abends stellst du die Klappstühle zusammen und grillst zusammen ’ne Wurst.“ So malt sich Iris Linse die Abenteuertour aus. Und für den Stopp in Murmansk hätten sie eine mögliche Privat-Unterkunft über das Internet gefunden.

Schnitzeljagd und viel Landschaft

„Klar, man muss schon 500 Kilometer pro Tag fahren, aber es ist eine Traumstrecke“, wirft einer aus der Runde ein. „Es gibt viel Landschaft und ein paar Aufgaben. Es ist eine Schnitzeljagd für Erwachsene“, ergänzt jemand anderes, und alle lachen, als Frank Linse daran erinnert, dass die Vorjahresteilnehmer als eine Herausforderung eine geöffnete Dose Surströmming über Stunden mitnehmen mussten. Der fermentierte Hering gilt in Schweden als Delikatesse, riecht jedoch extrem faulig. Ein anderes Mal mussten Kartoffeln gegen Wodka getauscht werden. „Wir wollen, dass die Teilnehmer mit den Einheimischen in Kontakt kommen“, betont Daniel Kaerger.

Vorbereitung beim Travelkeks-Team/ Bilder der BSC 2018

Wie es den Travel-Keksen ergeht, kann via Internet verfolgt werden, denn alle Teilnehmer der Baltic Sea Circle sind mit Tour-Trackern ausgestattet. Außerdem werden die Lübecker Nachrichten Kontakt zu „Doc Linse“ halten, um zu berichten.

Heike Hiltrop

Den Namen Karl-May-Jugendherberge trägt das Haus in Bad Segeberg nicht zu Unrecht: Das Betreiber-Ehepaar Petzold feilt am Image der Stadt.

20.04.2019

Das alles für ein bisschen Bargeld: Bei ihrem Einbruch in das Jugendzentrum Mühle haben die Täter immense Zerstörungen in den Räumen angerichtet.

19.04.2019

Der schwarze Rauch über dem Stadion ließ zunächst wieder das Schlimmste befürchten. Es handelte sich aber zum Glück nur um ein kleines Feuer, das schnell gelöscht werden konnte. Die Polizei ermittelt jetzt zur Ursache.

18.04.2019