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Segeberg Über 100 Mobilheime am Großen Segeberger See geplant
Lokales Segeberg Über 100 Mobilheime am Großen Segeberger See geplant
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15:26 19.08.2019
„Wir haben uns halbiert“: Michael Kleinfeld wohnt mit seiner Frau jetzt in einem 40-Quadratmeter-Mobilheim auf dem Campingplatz. Er hat seinen Traum verwirklicht. Quelle: Glombik
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Klein Rönnau

Der Blick von seiner Terrasse ist ein Traum. Unten glitzert der Große Segeberger See in der Sonne. In der Ferne sieht man die Marienkirche. Die Stadt ist in der Nähe zum Einkaufen, zur Not gibt es Brötchen im Campingplatz-Laden. Zeit zum Entspannen, Zeit zum „Wohnen“ auf kleinstem Raum.

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Auch mit der Nachbarschaft in den schon aufgebauten Mobilheimen klappt es wunderbar, es gibt sogar eine Whatsapp-Gruppe, schwärmt Michael Kleinfeld. Seit Mai lebt er mit seiner Ehefrau auf dem Campingplatz. Sie haben ihre Wohnung in Reinfeld, 80 Quadratmeter, verkauft und ihren Wohnsitz in Klein Rönnau genommen. Im neuen 40-Quadratmeter Mobilheim. „Wir haben uns halbiert und damit alles richtig gemacht“, sagt Kleinfeld freudig. Mit seiner Familie ist er schon seit vielen Jahren Dauer-Camper auf dem Platz. Auch seine Kinder sind hier groß geworden.

Klüthseecamp: Hier ist Platz für über 100 Mobilheime, einige stehen dort schon. Quelle: Glombik

„Wir beschränken uns auf das Minimum.“

Sie haben sich das Mobilheim nach ihren Wünschen bauen lassen, etwa 60 000 Euro hat das gekostet. Kleinfeld ist und bleibt Camper. Schöner als hier kann es nicht sein. Ein bisschen ist es wie aussteigen. „Wir beschränken uns auf das Minimum.“ Immerhin hat das Bad eine geräumige Dusche. Für die Enkelkinder gibt es sogar ein Gästezimmer. Das rollbare Haus sei top isoliert, sogar eine Gasheizung sei dabei. Kleinfeld: „Der Mensch braucht nicht mehr.“ Man wohnt und macht Camping zugleich. Denn es gelten weiterhin die Regeln eines Campingplatzes. Nachts und in der Mittagszeit wird hier nicht mit dem Auto herumgekurvt.

Ein paar Mobilheime weiter verlegt ein Neubürger vor seinem Häuschen auf Rädern mit Holzveranda und Top-Seeblick Gehwegplatten. Er zieht in wenigen Tagen ein. Das nagelneue Mobilheim wurde mit einem Schwerlaster gebracht und über den Platz mit einem Radlader zum Stehplatz gezogen und aufgebockt. Die Wohnung in Bad Segeberg ist verkauft. Und ist es auszuhalten auf den 40 Quadratmetern? „Meine Frau sagt, sie könne auch in einem Schuhkarton wohnen“, sagt der Mann schmunzelnd und zeigt sein gemütliches Wohnzimmer. Sie haben ja auch noch das Wohnmobil zum Verreisen.

Kreis warnt vor dem Wohnen auf dem Campingplatz

Doch so ganz unbeschwert ist die Situation mit den Mobilheimen für die Campingplatzbesitzerin Eveline Erdmann nicht. Kürzlich flatterte ihr ein einschüchterndes Schreiben des Kreisbauamtes ins Büro. Mobile Heime und Tiny Houses, die mobilen Minihäuser, dürften auf Campingplätzen nicht zum dauerhaften Wohnen genutzt werden, sondern immer nur zu kurzzeitigen Erholungszwecken, teilt die Behörde mit. Sollte der Kreis „Dauerwohnnutzungen“ auf Campingplätzen bekannt werden, sei er rechtlich dazu verpflichtet, die weitere Nutzung zu verbieten.

Camping nur zur Erholung

Die Untere Bauaufsichtsbehörde des Kreises Segeberg weist darauf hin, dass dauerhaftes Wohnen in „Tiny Houses“ sowie in Mobilheimen und Wohnwagen bestimmten rechtlichen Bedingungen unterliege und keinesfalls überall erlaubt sei. So dürften Mobilheime und Tiny Houses auf Campingplätzen nicht zum dauerhaften Wohnen genutzt werden, sondern immer nur zu kurzzeitigen Erholungszwecken. Camper dürften auf dem Campingplatz nicht ihren Lebensmittelpunkt haben, stellt Volker Rimka, Leiter der Bauaufsichtsbehörde, gegenüber den LN klar. Zwar sei es möglich, dort gemeldet zu sein, wenn man ansonsten als Weltenbummler oft unterwegs sei.

Mobilheime, die außerhalb von Campingplätzen aufgestellt werden, würden baurechtlich als Einfamilienhäuser gelten. Daher sei hier für die Errichtung eine Baugenehmigung erforderlich. Für Mobilheime und Tiny Houses außerhalb von Campingplätzen würden übrigens die gleichen baurechtlichen Verpflichtungen wie für Einfamilienhäuser gelten. Der Kreis Segeberg bietet hier auch unter Telefon 045 51/95 15 34 Beratung an. Rimka erklärte auf Anfrage, dass auf Campingplätzen keine Bauanträge für Mobilheime benötigt würden. Die seien quasi im „Gesamtpaket Campingplatz“ enthalten.

Doch wo fängt das Wohnen an, wo hört die Erholung auf? Es ist ein Wagnis. Eine rechtliche Grauzone. Hunderttausende Euro hat Eveline Erdmann in die Erschließung des Platzes für Mobilheime investiert. Dieser Teil des Campingplatzes war vorher in einem desolaten Zustand. Die Leitungen mussten dringend erneuert werden. Auch Camper fordern heute Komfort. „Erst kamen die kleinen Knutschkugeln, dann wurden die Wohnwagen immer größer“, erzählt die Chefin. Schon seit Jahren gebe es auf ihrem Platz auch Mobilheime. Und jetzt brummt die Nachfrage.

Die Räder unter den Häuschen sind wichtig: Wohnen und Campen in mobilen Heimen. Quelle: Glombik

2000 Euro für 200-Quadratmeter-Platz

Es sei auch ein Trend der Zeit. „Wenn die Kinder aus dem Haus sind, gibt es einen Hang zum Minimalismus“, erzählt Evelin Erdmann. Als ihr verstorbener Vater, Bruno Erdmann, den Campingplatz gründete, waren die Zelter noch mit einem Wasserhahn zufrieden. Jetzt fragen ihre Dauercamper nach einem Mobilheimplatz, weil es sich doch mit einer Sanitäreinheit komfortabler wohnen lässt als im Wohnwagen. Ein 200-Quadratmeter-Platz koste hier etwa 2000 Euro Pacht im Jahr, teilt Evelin Erdmann mit. „Gewohnt werden darf hier aber nicht, das ist und bleibt ein Campingplatz“, beteuert sie. Sie achte darauf, dass alle Heime mobil seien, also Räder haben. Gehwegplatten dürften verlegt werden, aber es dürfe kein Beton verwendet werden. Ansonsten müssten sich alle an die Regeln auf einem Campingplatz halten.

Herrlicher Blick aus einem Mobilheim auf den Großen Segeberger See. Quelle: Glombik

Noch ist der Platz hier leer. Indes ist Michael Kleinfeld überzeugt davon, dass die große Mobilheim-Siedlung eine grüne Oase werden wird, wenn dort erst alle 100 Plätze belegt seien. Kleinfeld: „Wir freuen uns auf die neuen Nachbarn. Denn bei Campern ist Gastfreundschaft Ehrensache, auch dass man sich gegenseitig hilft. Kleinfeld freut sich schon auf den großen Kaffeeklatsch mit der Nachbarschaft. Es gibt frischen Pflaumenkuchen. Genau das sei der große Unterschied zu einer normalen Wohnsiedlung. Auf dem Campingplatz halten alle zusammen.

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Rüdiger und Evelin Erdmann bieten auf ihrem Campingpaltz auch Plätze für Mobilheime an. Quelle: Glombik

Von Wolfgang Glombik