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Segeberg Hier türmen sich die ausrangierten Dieselautos
Lokales Segeberg Hier türmen sich die ausrangierten Dieselautos
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14:07 08.02.2019
Diesel soweit das Auge reicht. Kiesow-Prokurist Ole Helbach auf dem abgesicherten Teil des Schrottplatzes des Norderstedter Autoverwerters, wo nur ausrangierte Dieselfahrzeugen stehen. Quelle: Burkhard Fuchs
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Norderstedt

Die aktuelle Dieselkrise hat auch ihre Nutznießer. Bei den Autoherstellern sind dies wohl zurzeit die Anbieter von umweltfreundlichen Antriebstechnologien wie Hybrid- oder Elektromotoren. Am anderen Ende der Verwertungskette sind es die Autoverwerter. Die ausgelobten Umweltprämien beschleunigen diese Entwicklung auch noch.

„Wir haben noch nie so viele Dieselfahrzeuge auf Halde gehabt wie im abgelaufenen Jahr 2018“, sagt Ole Helbach, Prokurist bei Kiesow in Norderstedt, dem nach eigenen Angaben bundesweit größten Recyclingbetrieb für Autos mit seinen 40 000 ausgebauten Autoteilen auf Lager. In normalen Jahren seien es rund 3500 Fahrzeuge, die der 30-Mitarbeiter-Betrieb auf seinem sieben Hektar großen Gelände am Umspannwerk in seine Einzelteile zerlegt, verwertet und weiterverkauft. Voriges Jahr dagegen seien es 5000 Fahrzeuge gewesen. Und der Sprung um 1500 Altautos sei fast ausschließlich auf Dieselfahrzeuge zurückzuführen, erklärt Helbach.

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Mehr zum Thema: Hier lesen Sie mehr über die Endstation für Dieselautos.

Die allermeisten davon wären in diesem fahrtüchtigen Zustand normalerweise niemals auf dem Schrottplatz gelandet. Allein in Hamburg ist der Anteil von Dieselfahrzeugen bei Neuzulassungen von knapp 60 Prozent in 2015 auf 35 Prozent in 2018 gesunken.

Zum großen Teil qualitativ hochwertige Autos

In einem eigens von der Öffentlichkeit abgesperrten und eingezäunten Bereich türmen sich bei Kiesow diese Dieselopfer aus Blech und Metall. Gut 500 zum Teil noch neuwertige Fahrzeuge stehen dort. VW Passat, Touran, Golf-V-Modelle oder T5-Busse, die kein Halter auch nur in die Nähe eines Autoverwerters gebracht hätte. Auch Mercedes A- und C-Klassen stehen hier rum und warten auf ihre endgültige Vernichtung, die sonst immer einen guten bis sehr guten Wiederverkaufswert auf dem Gebrauchtwagenmarkt erzielt hätten, erklärt der Verwertungsexperte Helbach. „Es sind zum großen Teil qualitativ hochwertige Autos, die in den meisten Fällen noch vier bis sechs Jahre Jahre problemlos gefahren wären.“

Auf einem abgesicherten Teil des Schrottplatzes stehen ausschließlich Dieselfahrzeugen, die für immer aus dem Verkehr gezogen worden sind. Quelle: Fuchs

Doch nun haben sich ihre Besitzer weit früher von ihnen getrennt und sie aufs Abstellgleis geschickt, weil sie lieber die von den Händlern ausgelobten Umweltprämien nutzen wollten, indem sie auf Neufahrzeuge mit Benzin-, Hybrid- oder Elektromotoren umsteigen, bevor sie durch ein Diesel-Fahrverbot in ihrer Mobilität eingeschränkt werden. „Es muss ein Neuwagen sein, den sie dafür kaufen“, erklärt Helbach. Dann würden je nach Fahrzeugmodell bis zu 15 000 Euro Prämien gezahlt, weiß der Kiesow-Mitarbeiter. Aus ganz Schleswig-Holstein, Hamburg und sogar Niedersachsen kämen die Dieselfahrzeuge auf die Halde nach Norderstedt.

Komplette Stilllegung und Verschrottung

Kiesow-Prokurist Ole Helbach auf dem abgesicherten Teil des Schrottplatzes des Norderstedter Autoverwerters. Quelle: Fuchs

Dann ist das Schicksal der Dieselautos besiegelt. Alle müssten für immer aus dem Verkehr gezogen werden, erklärt Prokurist Helbach. Als zertifizierter Verwertungsbetrieb garantiere Kiesow den Händlern die komplette Stilllegung und Verschrottung der Umweltsünder. Sie dürften nicht einmal mehr als Ersatzteillager ausgeschlachtet werden. Er kriege oft Anfragen aus dem Ausland, die die deutschen Diesel-Fahrzeuge liebend gern weiterfahren würden. Dann müsse er immer abwinken. „Selbst wenn ihr das Auto auf den Mond mitnehmen würdet, dürfte ich es euch nicht komplett überlassen“, sagt Helbach dann. Alle sechs Wochen kämen 500 Pkw bei Kiesow in den Schredder – rund 500 Tonnen altes Blech.

Das Diesel-Umtausch-System funktioniere Hand in Hand. Die Händler riefen an und schickten per Mail schon mal vorab die Papiere des Altfahrzeugs zu. Kiesow stelle dafür dann den Verwertungsnachweis aus, den es dann bei der Abholung des Fahrzeuges dem Händler schon übergeben kann. Das dauert je nach Terminlage meist nur zwei bis drei Tage, erklärt Helbach. Der Kunde könne dann sofort die Umweltprämie des Händlers nutzen, der sich wiederum sicher sein könne, und dies auch schriftlich nachgewiesen bekäme, dass der Wagen fachgerecht entsorgt wird.

Vor zehn Jahren bis zu 16 000 schrottreife Autos

So viel los wie zurzeit sei auf dem Autoverwertungs-Kreislauf nur vor rund zehn Jahren gewesen, als der Bund mit der Abwrackprämie von 2500 Euro je Fahrzeug die Wirtschaft in der Finanzkrise wieder ankurbelte. Da erreichten den Norderstedter Autoverwerter sogar in der Spitze 16 000 Altfahrzeuge, berichtet Helbach. „Wir mussten extra Lager in Niedersachsen anmieten.“ Aber damals seien es überwiegend schrottreife Fahrzeuge gewesen, die auch technisch aus dem Verkehr gezogen gehörten. Ganz anders als jetzt in der Dieselkrise.

Autoverwerter Kiesow in Norderstedt profitiert vom Diesel-Skandal. Dieselautos soweit das Auge reicht. Quelle: Fuchs

Aber diese künstliche Konjunkturspritze mache dem Unternehmen nichts aus. Im Gegenteil. „Wir brauchen zurzeit keine Werbung zu machen. Die Kunden kommen aktiv auf uns zu und wollen ihre Dieselfahrzeuge einfach nur loswerden.“

Burkhard Fuchs

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