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Segeberg Der Bauherr und die Gutachten-Flut
Lokales Segeberg Der Bauherr und die Gutachten-Flut
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18:15 19.12.2018
Sechs Wochen fehlen wegen eines Fledermausgutachtens: Beim Richtfest von Falko Mumme (Mitte) mit seiner Lebensgefährtin Andrea Gehrmann und Architekt Bernd Löhmann war die Stimmung trotzdem top. Quelle: GLOMBIK
Bad Segeberg

„Nun ist das Dach gericht’, zusammengefügt nach Brauch und Pflicht...“, ruft Zimmerei-Seniorchef Hans-Heinrich Hamdorf oben vom Gerüst. Das Schnapsglas zerspringt vorschriftsmäßig am Boden – Richtfest. Endlich, es geht voran, scheint Investor Falko Mumme zu denken. 2018 war kein leichtes Jahr. Den gescheiterten Bürgerentscheid der Anlieger gegen sein Bauvorhaben mit 50 Einfamilienhäusern in Klein Rönnau, Bauverzögerungen gab es auch hier auf dem 4000 Quadratmeter-Grundstück Habichtshorst/Kühneweg.

Sechs Wochen Bauzeit verloren

„Wir hatten alle Genehmigungen für das Wohngebäude mit 22 Wohnungen vorliegen, plötzlich biegt die Untere Naturschutzbehörde um die Ecke und verlangt noch ein Fledermausgutachten.“ Festgestellt worden seien eher wenige Flugbewegungen der streng geschützten Tiere. Doch durch das zusätzliche Gutachten seien sechs Wochen Bauzeit verloren gegangen. „Die Fenster wären sonst eingebaut, der 57 Meter lange Wohnblock mit drei Stockwerken wäre komplett dicht“, trauert Mumme. An den Handwerkern habe es nicht gelegen. Das sei eine „supereingespielte Truppe“, lobt er in höchsten Tönen. „Ich hätte nie geglaubt, dass wir das – insgesamt sind es fast 2000 Quadratmeter Wohnfläche – in sieben Monaten so hinbekommen. „Da waren immer 18 Leute auf dem Bau.“ Knapp fünf Millionen koste das gesamte Vorhaben. Die Wohnungen möchte er später vermieten.

Gutachten werden plötzlich von Behörden nachverlangt

Wenn da nicht die Fledermaus als Hemmschuh wär’. Dabei wurmt Mumme, der seit 1994 baut und baut, weniger der notwendige Schutz der bedrohten Tiere als vielmehr die Verzögerungen durch Gutachten, die plötzlich von Behörden nachverlangt würden. Vieles hätte man schon ein Jahr zuvor erledigen können. Nach dem gescheiterten Bürgerentscheid bei seinem 50-Eigenheime-Projekt in Klein Rönnau müsse jetzt alles zur Bauleitplanung neu ausgelegt werden. Dazu komme „ein Licht-Gutachten“, das Mumme jetzt nachreichen müsse. Hintergrund: An dem geplanten Einfamilienhausgebiet in Klein Rönnau führt von und zum Kalkberg eine wichtige Fledermaus-Flugstraße zwischen dem Doppelknick, dem Redder, und dem Wohngebiet vorbei. Dabei sind auch empfindliche Fledermaus-Myotis-Arten, für die – schlimmer als bei Dracula – Licht absolutes Gift ist. Deshalb soll ihre Flugroute nun von einer vier Meter hohen Mauer lichttechnisch abgeschirmt werden. Mumme ist nicht gerade begeistert: „Da kommt jetzt eine DDR-Mauer hin, vier Meter hoch, 230 Meter lang.“ Er schätze, dass auch durch einen zusätzlichen Grünstreifen ihm sieben geplante Baugrundstücke verloren gingen.

200 000 Euro zusätzlich für Fledermäuse

Die Zusatzkosten zum Schutz der Fledermäuse würden allein 200 000 Euro betragen. Mumme: „Die Zeit läuft mir weg.“ Er möchte in Klein Rönnau, rückkehrwilligen jungen Leuten aus dem Ort, die längst in Hamburg oder woanders wohnen, Grundstücke anbieten. Er hoffe, dass der erste Spatenstich hier noch 2019 möglich sein werde. Die Baukosten stiegen immens, die Bodenpreise auch. Kopfschüttelnd registriert Mumme, dass in Bad Oldesloe, auch in wenig attraktiven Lagen, „für nen’ Quadratmeter Bauland schon 380 Euro verlangt“ würden. Und die Preise für Kalksandsteine seien um 48 Prozent gestiegen.

16 bis 20 Wohnungen am Schießstand

Zeit ist hier Geld: In Bad Segeberg, nahe dem Rohbau über dem jetzt die Richtkrone schaukelt, möchte Mumme noch weitere Wohnhäuser bauen. Doch hier sind es einmal nicht die Fledermäuse, sondern die Schützen, die eine weitere Ausdehnung des Wohnbaugebietes verhinderten. Für den Schießstand sei schon das zweite Lärmschutzgutachten eingeholt worden. Auf der Fläche Habichtshorst, Seekoppel und Hamdorfer Weg möchten mehrere Grundbesitzer bauen. Kaum Bau-Beschränkungen gäbe es, wenn man den Schießstand der Schützengilde lärmdämmend einhausen würde. Architekt Bernd Löhmann berichtet, dass die Stadt sich schon um einen Kostenvoranschlag dafür kümmere. Zurzeit plant Mumme dort 16 bis 20 Wohnungen, möglicherweise Stadtvillen. Doch erst einmal soll der große Wohnblock am Habichtshorst begossen werden. Kömgläser kreisen. „Dem Bauherrn wünsch ich nun heut’, stets möcht’ ihn das Glück begleiten“, ruft der Meister von Gerüst. Investor Mumme kann es für 2019 brauchen – das Glück.

Wolfgang Glombik

Als Höhepunkt kommen die Mittelalter-Bands „Schandmaul“ und „Versengold“ an den Kalkberg. Zudem haben „Mr. Hurley & die Pulveraffen“ und der irische Sänger Ryan Sheridan zugesagt.

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