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Segeberg Insolvenz: Desaster für Garbeker Senioren
Lokales Segeberg Insolvenz: Desaster für Garbeker Senioren
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16:00 03.11.2019
Nur wenige Unterlagen haben Wolfgang Hagen als 1. Vorsitzender der Genossenschaft, seine Stellvertreterin Sigrid Bohlender und Ehemann Karl (Mitte) behalten. Alles regelt nun der Insolvenzverwalter. Quelle: Petra Dreu
Garbek

Es war ein langer Weg, den Garbeker Senioren gehen mussten, um ihren Traum vom gemeinsamen „Wohnen im Alter“ in ihrem Dorf verwirklichen zu können. Obwohl das Projekt von allen Seiten hochgelobt wurde, stehen die Mitglieder der eigens dafür gegründeten Bau- und Wohnungsgenossenschaft Garbek nun vor einem Scherbenhaufen. Wegen gestiegener Baukosten und fehlender Mieter wurde das Darlehen gekündigt. Den Senioren blieb nichts anderes übrig, als einen Insolvenzantrag zu stellen. Ihre bereits geleisteten Einlagen werden sie nicht wiedersehen.

Lachen kann Wolfgang Hagen schon lange nicht mehr. Viel Zeit ist seit den ersten euphorischen Plänen für den Traum vom Wohnen im Alter vergangen. Seine Frau, mit der er eine Penthousewohnung in der Anlage beziehen wollte, musste er bereits zu Grabe tragen. Seine eigene Gesundheit hat sich erheblich verschlechtert. Statt ins Staffelgeschoss, für das wegen eines noch fehlenden Geländers ein Baustopp verhängt wurde, ist er in eine kleine Wohnung im Erdgeschoss gezogen. 60 000 Euro hat der Vorsitzende der Genossenschaft als Einlage investiert, die er nicht mehr wiedersehen wird. An Veranstaltungen im Dorf nimmt er so gut wie nicht mehr teil. Viele Garbeker sind sauer, machen ihn und die anderen Genossen für das Desaster verantwortlich.

Für Restarbeiten ist kein Geld mehr da

Die Genossenschafteinlagen sind futsch

Ähnlich ergeht es der stellvertretenden Vorsitzenden Sigrid Bohlender, die wegen dem ganzen Ärger ihre Wohnung nicht mehr gerne verlässt, auch wenn sie noch nicht ganz fertig ist. Von den 14 Wohnungen des ersten Bauabschnittes sind neun mit kleinen Abstrichen bewohnbar. Vier sind vermietet. Zusammen mit Ehemann Karl bewohnt sie knapp 65 Quadratmeter, für die sie ohne Strom 775 Euro warm auf ein Treuhandkonto überweist. 10 000 Euro hat das Ehepaar pro Person als Einlage gezahlt. Sie sind weg. Andere Genossenschaftsmitglieder sind bereits gestorben. Deren Erben stellen Forderungen, die nicht mehr bedient werden können.

Sigrid Bohlender und Wolfgang Hagen machen die lange Zeit von der Planung zum Baubeginn für die Misere verantwortlich. „An die Investitionsbank mussten siebenmal neue Zeichnungen geliefert werden. Das hat uns bald vier Jahre gekostet. Erfüllen konnten wir die Forderungen trotzdem nicht“, erzählt Wolfgang Hagen.

Der leidige Weg eines Leuchtturmprojektes

Mit dem Projekt „Ideen vom Küchentisch“ hatten die Gemeinde Garbek und die Aktivregion „Holsteins Herz“ 2010 ein neues Kapitel von Bürgerbeteiligung aufgeschlagen, dass schließlich sogar zu einem „Leuchtturmprojekt“ erhoben wurde. Um Einwohner nach ihren Ideen zur künftigen Dorfentwicklung zu befragen, kamen Interviewer direkt ins Haus. Ein Wunsch der Garbeker: Im Alter im Dorf wohnen bleiben zu können.

Bereits ein Jahr später konkretisierten sich die Pläne für den Bau einer Seniorenwohnanlage mit Pflegestation und Senioren-WG auf dem alten Kapellengrundstück, für den sieben Bürger die Bau- und Wohnungsgenossenschaft Garbek gegründet hatten. Die Pläne allerdings mussten immer weiter abgespeckt werden. 2015 erhielt die Genossenschaft die Zusage der Investitionsbank, deren Forderung, dass alle 23 Wohnungen bereits vermietet und die entsprechenden Genossenschaftsanteile eingebracht sind, nicht realisiert werden konnte.

Im Mai 2017, nach einer Finanzierungszusage der GLS-Bank, war endlich Baubeginn. Nachdem immer mehr potenzielle Mieter wieder abgesprungen und die Baukosten gestiegen waren, kündigte die Bank das Darlehen. Der Baugenossenschaft blieb im Oktober 2019 nichts anderes übrig, als Insolvenz anzumelden.

1,8 Millionen Euro Verbindlichkeiten

Als dann die Genossenschaftsbank für Leihen und Schenken (GLS) gefunden wurde, die ein Darlehen über 1,8 Millionen Euro gewährt habe, wären alle wieder voller Hoffnung gewesen. „Doch die Baukosten sind im Laufe der Jahre nach oben geklettert. Gleichzeitig blieben die Mieter aus. Die Höhe der Einlagen hatten wir bereits auf 5000 Euro reduziert, aber ein Quadratmeterpreis von 9,50 Euro auf dem Land ist vielen zu teuer. Wir konnten den Kredit nicht mehr bedienen“, so der Vorsitzende. Lange wird er das nicht mehr sein, denn für die Bau- und Wohnungsgenossenschaft Garbek gibt es keine Zukunft mehr.

Insolvenzverwalter ist zuversichtlich

Das bestätigte der Hamburger Insolvenzverwalter und Rechtsanwalt Oliver Dankert, der bereits auf der Suche nach einem Investor ist, der die Verbindlichkeiten übernimmt. Auch er ist von dem Projekt begeistert und zuversichtlich, einen Käufer zu finden. „Wir stehen noch ganz am Anfang, aber Anfragen hat es bereits gegeben“, verrät er. In Kürze werde das Objekt, das die Option auf einen zweiten Bauabschnitt hat und mit Natur und einem Golfplatz vor der Haustür für sich werben kann, in den einschlägigen Immobilienportalen angeboten.

Auch wenn derzeit noch alles ungewiss ist und der Aufzug noch nicht nutzbar ist, können die Wohnungen in Absprache mit dem Insolvenzverwalter trotzdem gemietet werden. Dankert: „Die laufenden Kosten sind gesichert. Aber weil das Geld fehlt, kann noch nicht weitergebaut werden, was das oberste Ziel ist.“

Von Petra Dreu

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