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Segeberg Amtsleiter beurlaubt: „Ich habe nur meinen Job gemacht“
Lokales Segeberg Amtsleiter beurlaubt: „Ich habe nur meinen Job gemacht“
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10:07 09.10.2019
Andreas Bigott ist als Leitender Verwaltungsbeamter im Amt Itzstedt nicht mehr erwünscht. Quelle: Irene Burow
Itzstedt

Es hatte sich schon länger abgezeichnet, nun wird es offiziell: Bernhard Dwenger, Amtsvorsteher im Amt Itzstedt, hat seinen Amtsleiter Andreas Bigott freigestellt.

An diesem Montagabend hat der Amtssauschuss votiert, dass Bigott seinen Posten als Amtsleiter abgeben soll. In vier Wochen muss im gleichen Gremium erneut darüber abgestimmt werden, dann ist es rechtskräftig. Durch seinen Beamtenstatus werde er einen Posten bekommen, der seiner Besoldung entspreche, so Amtsvorsteher Dwenger. „Wir wissen noch nicht, wie er sich entscheidet.“

Über die Gründe wird nach wie vor geschwiegen. „Wir wollen keine schmutzige Wäsche waschen“, sagt Dwenger. Aus „reiner Fürsorgepflicht gegenüber den Angestellten. Wir wollen seinem Ansehen nicht schaden, und auch nicht dem der Angestellten.“

Aus Sicht von Bigott ist es dafür hinreichend spät. Er sieht seinen Ruf geschädigt, spricht von Intrige. „Was hier passiert, ist Mobbing par excellence.“ Das sei „konspirativ, vorbereitet und mit allen Mitteln über und unter der Tischkante durchgesetzt worden“.

Glauben an Politiker geht verloren

Am Montag ließ er sich überraschend im Ausschuss blicken und reichte allen Mitgliedern eine Stellungnahme: „Ich kann gegenüber meiner Frau und meinen Kindern diese Art der Verunglimpfung und Beschädigung meines Namens, der bis weit in die Landesregierung reicht, nicht zulassen“, schreibt er. Auch der Ruf des Amtes werde weiter beschädigt. „Viele werden den Glauben an ihre gewählten Politiker, die auch Vorbild sein sollten, verlieren.“

Bigott war Mitte September von der Entscheidung überrascht worden – wenige Stunden vor seinem Urlaub. An seinem letzten Arbeitstag habe er noch eine Akte ins Büro bringen wollen und feststellen müssen, dass die Schlösser seines Büros ausgetauscht worden seien.

Begründet worden sei ihm der Schritt mit einer angeblich schlechten Atmosphäre unter Mitarbeitern mit hohem Krankenstand. Mitarbeiter fühlten sich verängstigt, hieß es. „Alle vier Fachbereichsleiter haben unterschrieben, dass sie mit mir nicht zusammenarbeiten können“, sagt Bigott.

„Amt wird eingeschüchtert“

Er sieht das anders. Er habe beinahe freundschaftliche Verhältnisse gepflegt, auf offene Kommunikation gesetzt und Mitarbeiter gefördert, die ihm nun überraschend in den Rücken fallen würden. „Das Amt wird eingeschüchtert, alle fürchten um ihren Job“, sagt er.

Was Bigott hingegen eingesteht sind „moderne Methoden“. Er habe die Bürgermeister darauf hingewiesen, weniger von zu Hause zu arbeiten. Offenbar sollen zudem in den kleinen Gemeinden Sekretärinnen eingestellt werden. „Es geht nicht darum, dass man meine Professionalität bestreitet. Man möchte selbst bestimmen.“ Doch „Ehrenamt sollte Ehrenamt bleiben und die Hauptaufgaben beim Amt“.

Er habe Bürgermeisterrunden angeregt, das Ratsinformationssystem eingeführt, habe junge Mitarbeiter binden wollen und eine rechtlich saubere Arbeitsweise verlangt. „Das ist mein Job“, sagt Bigott. Teilweise würden im Kompetenzen überschritten, behauptet Bigott. Das habe Konsequenzen im Vergaberecht und im Haushaltsrecht – bis hin zum Straftatbestand. „Ich werde mich nie gegen Recht und Gesetz stellen, um Interessen zu befriedigen.“

Zu modern fürs Amt

Ist er zu modern für das Amt? „Ja“, meint er, vielleicht sei die Geschwindigkeit zu schnell gewesen. „Aber dann muss man mir das sagen. Ich habe meine Anliegen immer kommuniziert.“

Um seine Zukunft fürchtet er sich nicht. Zwar belaste ihn die Situation. Er sei aber nicht traurig, seine Funktion abzugeben. Als Beamter müsse er angemessen weiterbeschäftigt werden. „Das ziehe ich auch durch“, kündigt er an. „Ich werde alle rechtlichen Mittel ausschöpfen, die möglich sind.“ Ein Verwaltungsgericht prüft derzeit, ob die Beurlaubung rechtens ist. Zudem erwägt er, ein Disziplinarverfahren gegen sich selbst einzuleiten, um die „Vorwürfe“ zu entkräften.

Dass sich der Ausschuss noch umstimmen lässt, ist kaum denkbar. Zu groß wäre der Gesichtsverlust. Wie die weitere Zusammenarbeit aussehen soll, ist fraglich. „Was hat das Amt gewonnen?“ fragt Bigott. „Die Probleme kommen wieder. Und alle wissen das.“

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