Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Segeberg Wegen Feuerwehrauto: Itzstedter Verwaltungsleiter vor Suspendierung?
Lokales Segeberg Wegen Feuerwehrauto: Itzstedter Verwaltungsleiter vor Suspendierung?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:40 08.10.2019
Andreas Bigott, leitender Verwaltungsbeamter Amt Itzstedt. Quelle: Irene Burow
Itzstedt

Brisante im Amt Itzstedt: Verwaltungsleiter Andreas Bigott soll offenbar seinen Posten verlieren. Die Gerüchteküche verheißt nichts Gutes: „Er soll vier Tage Zeit gehabt haben, seinen Schreibtisch zu räumen“, heißt es aus Politikerkreisen.

Mitarbeiter über Freistellung informiertDie Bürgermeister der Gemeinden im Amt Itzstedt hüllen sich in Schweigen. „Wir haben Stillschweigen vereinbart. Solange wir nicht selbst mit Bigott gesprochen haben, sind die Persönlichkeitsrechte zu wahren“, ist lediglich zu vernehmen. Aber auch: „Die Mitarbeiter wurden darüber informiert, dass er freigestellt worden ist. Das ist kein Geheimnis mehr.“ Bigott befindet sich derzeit im Ausland und weiß offiziell von nichts. Über Dritte sei ihm zugetragen worden, dass er suspendiert worden sei. „Ich habe nichts Schriftliches. Niemand hat mit mir gesprochen“, sagt er. Weiter will er sich nicht äußern.

„Das ist ein laufendes Verfahren“

Der direkte Vorgesetzte von Andreas Bigott ist Amtsvorsteher Bernhard Dwenger. Über die Personalie werde verhandelt und geredet, bestätigt er. Es seien „Unregelmäßigkeiten zur Person“ festgestellt worden. Genauer will Dwenger nicht werden. „Das ist ein laufendes Verfahren. Daher halte ich mich zurück.“ Für konkrete Ergebnisse sei es noch zu früh. Bigott sei momentan regulär im Urlaub und komme Anfang Oktober wieder zur Arbeit.

Hinter vorgehaltener Hand wird deutlich: Das aktuelle Verfahren ist wohl Ergebnis einer Provinzposse, die schon länger schwelt. Nach LN-Informationen soll der Auslöser unter anderem die Anschaffung einer Feuerwehrdrehleiter für die Gemeinden Itzstedt und Nahe sein. Itzstedts Bürgermeister Helmut Thran (SPD) soll damit bei seiner Wehr zunächst auf wenig Gegenliebe gestoßen sein. Daraufhin hat man sich offenbar mit der benachbarten Gemeinde Nahe um Bürgermeister Holger Fischer (WDN) zusammengetan.

Beschluss wurde vom Kreis beanstandet

Dort soll das Vorhaben übereilt durchgewunken worden sein. Das Amt Itzstedt habe folglich auf rechtliche Fehler hingewiesen und die Kommunalaufsicht des Kreises informiert. „Die Kommunalaufsicht hat einen Beschluss der Gemeindevertretung Nahe zur Beschaffung einer Feuerwehrdrehleiter wegen haushaltsrechtlicher und vergaberechtlicher Fehler beanstandet“, bestätigt Kreissprecherin Sabrina Müller auf Anfrage. Itzstedts Wehrführer Stefan Reese möchte sich nicht zur Sache äußern. „Es gibt einen normalen rechtlichen Weg, und ich bin froh, dass dieser nun eingeschlagen wird“, sagt der Wehrführer von Nahe, Jan Sonnenschein. Aus seiner Sicht ist die Drehleiter zwingend notwendig. Die Gemeinden seien sich seit langer Zeit einig.

Mit dieser Sachlage könnte der Eindruck entstehen, dass sich die beiden Gemeinden vom Amt Itzstedt und seinem Leiter auf den Schlips getreten fühlen. Es machen weitere Gerüchte um die angebliche Suspendierung von Bigott die Runde: Demnach soll den Mitarbeitern des Amtes nahegelegt worden sein, nicht über die Personalie zu sprechen. Außerdem sollen bereits die Schlösser zum Büro des Verwaltungsleiters ausgetauscht worden sein. Schriftlich sei ihnen mitgeteilt worden, dass ihr Chef „aus politischen Gründen“ des Amtes enthoben worden sei, heißt es aus Mitarbeiterkreisen. Darüber hinaus soll im Zentralausschuss des Amtes in der vergangenen Woche im nicht-öffentlichen Teil explizit darauf hingewiesen worden sein, „der Presse“ keine Auskunft zu erteilen.

Bisher liegt kein Beschluss vor

Bisher gibt es aber keinen Beschluss zu dem Vorgang. Der Amtsausschuss, dem die Bürgermeister der sieben Gemeinden, der Amtsvorsteher sowie Vertreter aus den Fraktionen angehören, braucht eine Zweidrittelmehrheit, um in Personalangelegenheiten zu entscheiden – zweimal. Vier Wochen später muss der Beschluss bestätigt werden. Der Ausschuss tritt an diesem Donnerstag, 19. September, wieder zusammen.

23 Mitglieder im Ausschuss

Das Amt Itzstedt ist zuständig für sieben Gemeinden. Der Amtsausschuss Itzstedt hat 23 Mitglieder. Für die CDU: Bernhard Dwenger, Jürgen Lamp, Karl-Heinz Wegner, Peter Joost, Marek Krysiak, Arne Müssig, Maren Storjohann, Frank Warn, Jan Wolter. Für die SPD: Simon Herda, Norman Hübener, Helmut Thran, Marc-André Ehlers, Gerhard Homfeldt, zudem Holger Fischer (WDN), Bodo Nagel (WGO), Eckhard Beger (KWK), Bärbel Bischoff (Grüne), Hartmut Imhäuser (UBI), Jens Kleinschmidt (FDP), Meike Kretschmer (AO), Jörg-Hendrik Lorenz (BGT) und Rainer Timm (ABS).

Nicht ohne Weiteres kündbar

„An dem Abend werden keine Beschlüsse dazu gefasst“, sagt Bernhard Dwenger. Die Tagesordnung lässt das jedoch offen: Im nicht-öffentlichen Teil stehen unübersehbar „Personalangelegenheiten“ zur Diskussion. Darunter die Themen „Fortsetzung Arbeitsverhältnis“ sowie die „Beratung und ggf. Beschlussfassung zur Personalsituation in der Amtsverwaltung“. Beginn ist um 19.30 Uhr im Verwaltungsgebäude in Itzstedt. Andreas Bigott ist seit Frühjahr 2018 im Amt.

Nach LN-Informationen ist er dort Beamter auf Lebenszeit, also nicht ohne Weiteres kündbar. Das Amt Itzstedt glänzte bereits 2018 politisch nicht mit seiner Außendarstellung. Die Wahl eines neuen Amtsvorstehers zog sich über Monate in die Länge. Schließlich war das Amt handlungsunfähig – eine beispiellose Situation in Schleswig-Holstein. Der Landrat musste den scheidenden Volker Bumann kommissarisch einsetzen. Nach acht Monaten Nervenkrieg machte schließlich Kompromisskandidat Bernhard Dwenger das Rennen.

Weiterlesen:

2019 – Endlich: Dwenger neuer Amtsvorsteher

November: Amtsausschuss Itzstedt bläht Gremien auf

Oktober: Bumann wird kommissarisch eingesetzt

Posse um Wahl des Amtsvorstehers geht weiter

September: Auch zweite Wahl gescheitert – Amt Itzstedt bleibt ohne Führung

Juli 2018: Storjohann als Amtsvorsteherin abgelehnt

Wachwechsel im Amt: Bigott übernimmt die Leitung

Von Irene Burow

Vor 90 Jahren wurde im Hotel Germania die Bad Segeberger Ortsgruppe der Nationalsozialisten gegründet. So begann früh die Verfolgung der Juden, die brutale Gewalt eines Terror-Regimes gegen Andersdenkende.

17.09.2019

Andreas Lüdtke wurde bei der Synode als Inhaber der Projektstelle „Kirchenkreis 2030“ vorgestellt. Er soll helfen die Zukunft der Kirche trotz des Fachkräftemangels bei Pastoren zu gestalten.

17.09.2019

Lina Kypke und Hinrich Carstensen vermarkten Freiland-Rindfleisch online. Wichtig für sie: Tierwohl und Nachhaltigkeit. Dafür gab es nun 20.000 Euro und den Preis „Best of Digitales.SH“. Hier erzählen sie von ihrer Geschäftsidee – und warum sie ein Angebot aus dem Fernsehen ablehnten.

23.09.2019