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Segeberg Amtsleiter Andreas Bigott soll endgültig abberufen werden
Lokales Segeberg Amtsleiter Andreas Bigott soll endgültig abberufen werden
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18:01 08.11.2019
Andreas Bigott, Leitender Verwaltungsbeamter Amt Itzstedt. Quelle: Irene Burow
Itzstedt

Am kommenden Montag, 11. November, wird die Abberufung des Amtsleiters von Itzstedt wohl rechtskräftig. Der Amtsausschuss kommt erneut zusammen, um die Entscheidung vom 7. Oktober zu bestätigen. Eine Zweidrittelmehrheit der 23 Mitglieder ist nötig. Dann ist Andreas Bigott den Posten endgültig los.

„Vor der Sitzung ist ein Personalgespräch geplant, jedoch unter ungleichen Bedingungen“, lässt Bigott offen, ob es tatsächlich zum Austausch kommen wird. Er habe sich zuvor um ein Gespräch mit dem Personalrat bemüht. „Das ist schriftlich abgelehnt worden.“

Zukunft bleibt weiter ungewiss

Die Situation ist so verfahren, dass wohl nur noch über Anwälte kommuniziert werden kann. Wie es danach weitergeht, ist noch immer ungeklärt. Der Leitende Verwaltungsbeamte ist seit Mitte September beurlaubt, hat wegen seines Beamtenstatus’ aber ein Recht darauf, weiter beschäftigt zu werden.

Bigott weiß nach eigener Aussage nicht, warum er den Leitungsposten verliert. Es kann nur vermutet werden, dass die Kommunikation in arge Schieflage geraten ist. Ein mehrseitiges Papier soll die Vorwürfe gegen ihn auflisten. Es wird aber vom Amt unter Verschluss gehalten. Wegen der „Vertraulichkeit von Personalangelegenheiten“ hieß es in einem offiziellen Statement. Amtsvorsteher und die Bürgermeister hatten sich zu dem Thema stets bedeckt gehalten.

Gegenwind aus den eigenen Reihen

Andreas Bigott war nach eigener Aussage 22 Jahre lang Regierungsbeamter in Schwerin. 2001 unterlag er nur knapp bei der Bürgermeisterwahl in Ratzeburg – es fehlten 182 Stimmen. Die CDU-Fraktion hatte damals den parteilosen Gegenkandidaten favorisiert. Gewählt wurde er schließlich in Oldenburg in Holstein. Dort war er von 2002 bis 2007 Bürgermeister. Die CDU wollte ihn allerdings für keine zweite Kandidatur nominieren. „Oldenburger verzichten gern“, titelten die LN Anfang 2007. Bigott sei nicht geeignet, die Probleme der Stadt zu lösen, hieß es damals in einem offiziellen Statement des Ortsverbandes der Christdemokraten. In Ratzeburg warf er seinen Hut 2007 zur Bürgermeisterwahl schließlich erneut in den Ring – erfolglos. Er arbeitete weiter in Ministerien, kam im Herbst 2017 nach Itzstedt.

Nach LN-Informationen soll in dem Schreiben von Mobbing und einem fragwürdigen Umgang die Rede sein. Mitarbeiter sollen mit Angst zur Arbeit gekommen sein.

Bigott zufolge seien solche Vorwürfe aber nie bei ihm angekommen: „Wenn das so wäre, wie behauptet, frage ich mich, warum der Personalrat seit zwei Jahren nicht einmal das ihm zustehende Monatsgespräch wahrgenommen hat.“ Auf Nachfrage von ihm oder seiner Sekretärin habe es lediglich geheißen, dass es keine Themen zu besprechen gebe. „Solche Termine sollen ja gerade wahrgenommen werden, um Gefühle und Empfindungen einzelner zu prüfen, die vielleicht in der Führungsebene nicht wahrgenommen werden“, sagt Bigott. „Wie soll ich etwas wissen, wenn’s nicht konkret an mich herangetragen wird“, fragt er.

„Das große Thema ist Kommunikation“, sagt ein Insider, der namentlich nicht genannt werden will. Es habe wohl an Feingefühl gemangelt. Das Arbeitszeugnis über das erste Jahr als Amtsleiter, das den LN vorliegt, lässt etwas anderes erkennen. Der vorherige Amtsvorsteher Volker Bumann bescheinigt Bigott eine hohe Sozialkompetenz. „Von Amtsträgern wird er gleichermaßen geschätzt. Er verhält sich jederzeit loyal“, heißt es.

Im Grunde werfen sich beide Seiten das gleiche vor: Mobbing, Angstmache, Vertrauensbruch. Dass man Kante zeigen, die Fakten auf den Tisch legen solle. In der Realität ist das aber offenbar nicht geschehen.

Inzwischen hat der stellvertretende Amtsleiter, Torge Sommerkorn, die kommissarische Leitung übernommen. Die Stimmung im Amt soll seither wesentlich gelöster sein. Mit dem Fall betraute Würdenträger sehen indes ein, dass diese Personalie „unglücklich gelaufen ist“. „Es gibt Gremien, die deutlich früher hätten tätig werden müssen.“

Dienstaufsichtsbeschwerde gegen Amtsvorsteher

Eine gerichtliche Eilentscheidung zum Verfahren steht noch aus. Wenn sie für Bigott negativ ausfällt, behalte er sich vor, zu klagen. Er hat seinerseits Dienstaufsichtsbeschwerde gegen den Amtsvorsteher Bernhard Dwenger beim Kreis Segeberg eingereicht. Die Verwaltung habe bisher nicht reagiert, sagt er.

Diese verweist zurück an den Ausschuss: Direkter Dienstvorgesetzter des Vorstehers sei der Amtsausschuss, heißt es vom Kreis. „Bei einer Dienstaufsichtsbeschwerde sind der Sachverhalt sorgfältig zu erfassen, etwaige Probleme zu benennen und mögliche rechtliche Konsequenzen zu ziehen“, teilt Sprecherin Sabrina Müller mit. „Für eine Mediation sehen wir daher grundsätzlich keinen Ansatz, zumal die Kommunalaufsicht zuallererst Rechtsaufsicht ist.“

Bigott will aus der CDU austreten

Andreas Bigott kündigt indes an, in dieser Woche aus der CDU auszutreten. „Ich bin vor 30 Jahren mit viel Enthusiasmus eingetreten, um nach der Grenzöffnung zur Wiedervereinigung meinen Beitrag zu leisten. Ich bin kein politischer Beamter. Aber so, wie in Itzstedt mit mir umgegangen wird, das kann ich mit meinem Rechtsverständnis nicht vereinbaren. Dann ist das nicht mehr meine Partei. Es sollte immer die Möglichkeit geben, dass alle Argumente gesammelt und hinterfragt werden. Ich bin menschlich schwer enttäuscht.“

Beginn der Amtsausschuss-Sitzung ist um 19.30 Uhr im Amtsgebäude von Itzstedt. Die Personalie, auch die Dienstaufsichtsbeschwerde, werden unter Ausschluss der Öffentlichkeit beraten.

Von Irene Burow

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