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Segeberg Krebskranker Junge: Jasper kämpft gegen „das blöde Ding in seinem Kopf“
Lokales Segeberg Krebskranker Junge: Jasper kämpft gegen „das blöde Ding in seinem Kopf“
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16:00 23.05.2020
„Ich liebe dich“: Jasper (6) kuschelt mit seiner Mutter Astrid. Quelle: Sven Wehde
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Bad Segeberg/Lübeck

Der kleine Junge mit der großen, grünen Brille stürmt durch die Wohnungstür. „Mama, ich liebe dich!“, sagt Jasper. Später wird erstmal gekuschelt, und ein dickes Küsschen gibt es für Mama auch. „Du bist heute aber gut drauf“, sagt Mutter Astrid Biggen (33) und lächelt. In diesem Moment ist sie fröhlich, kurz bevor ihr Sohn herein kam, lag noch ein leichter Tränenschleier auf ihren Augen. Denn dass Jasper so gut drauf ist, ist nicht immer so. Der Sechsjährige hat einen bösartigen Hirntumor im zentralen Nervensystem. Seine Heilungschancen sind nicht gut. Der Tumor kann nicht operiert werden.

Jasper rollte mit den Augen

Als Jasper drei Jahre alt ist, passiert es das erste Mal. Der Junge läuft plötzlich gegen Mülltonnen oder Laternen, die auf dem Gehweg stehen. Er kann den Abstand nicht richtig abschätzen. Seine Augen beginnen zu rollen. Die alleinerziehende Astrid Biggen weiß nicht, was mit ihrem Sohn los ist, aber sie ahnt Schreckliches. Es gibt in der Familiengeschichte bereits Menschen mit einem Hirntumor. „Wir sind da vorbelastet“, sagt die 33-Jährige. Sie geht mit ihrem Sohn zum Augenarzt, immer wieder. „Ich war bestimmt neun Mal da, aber sie haben meine Sorgen nicht ernst genommen“, sagt Biggen. Schließlich besteht sie auf eine Überweisung in die Uniklinik für ein MRT. „Als der Arzt nach der Untersuchung um die Ecke kam, wusste ich sofort, dass ich Recht hatte“, erinnert sich Biggen.

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Mutter und Kind werden angestarrt

Es gibt viele schlechte Tage im Leben von Jasper Biggen. Tage, an denen er sich von der Chemotherapie übergeben muss, an denen er Schmerzen hat oder es mit dem Laufen nicht klappen will – oder wenn er wieder mal in die Klinik muss. Für jede Behandlung, Bluttransfusion oder Bestrahlung gibt es dort eine „Mut-Perle“. Jaspers Perlenkette ist schon über zwei Meter lang, es sind Hunderte Perlen. Manchmal wehrt sich Jasper gegen schmerzhafte Untersuchungen. „Ich muss ihn dann zwingen und festhalten“, sagt seine Mutter, „weil ich ja weiß, dass es sein muss. Aber es tut so weh, ihm das immer wieder anzutun.“ Oft muss sie danach weinen. Auch Jasper ist oft traurig. Er weiß nicht, was er hat, er weiß nur, dass „da so ein blödes Ding“ in seinem Kopf ist.

Besonders schlimm ist es, wenn Mutter und Sohn angefeindet werden. Als Jasper mal wieder in seinem Reha-Buggy geschoben werden musste und er ein Mondgesicht vom Cortison hatte, wurden Mutter und Sohn angestarrt und mussten sich Kommentare anhören wie „Was hat das Kind noch in der Karre zu suchen!“ oder „Das dicke Kind sollte besser laufen.“

Jasper bei einem Ausflug in den Wald. Der Sechsjährige liebt die Natur. Quelle: Privat

Glückliche Tage im Schrebergarten

Es gibt aber auch viele schöne Tage im Leben von Jasper Biggen. Der Sechsjährige liebt die Natur, Blumen und Tiere. „Deshalb haben wir jetzt seit Kurzem einen Schrebergarten“, sagt seine Mutter. Dort spielen sie verstecken, Ritter oder Piraten. Das liebt Jasper. Der Kinderhospizverein „Die Muschel“ aus Bad Segeberg, der die Familie unterstützt, möchte dort für Jasper zwei Türme errichten, in denen er auch sitzen kann. Eine richtige Ritterburg soll das werden.

„Die Muschel“ unterstützt die kleine Familie, wo es geht. „Kurz bevor das mit Corona begann, hat die Frühförderung den Kontakt für uns hergestellt“, sagt Biggen, sie selbst hatte sich erst nicht getraut. Es sei eben ein großer Schritt sich an einen Hospizverein zu wenden. „Der Verstand sagte Ja, aber das Herz erst Nein“, erzählt Biggen. Jetzt ist sie froh. „Der Verein ruft mich öfter an, und die Mitarbeiter hören zu und kennen sich aus“, sagt die Mutter. Wenn die Corona-Krise sich abschwächt, soll Biggen von der Muschel auch einen ehrenamtlichen Helfer bekommen, der sie im Alltag mit Jasper unterstützt.

Unterdessen will eine Hilfsorganisation der Schornsteinfeger, die Glückstour, ein paar Leute organisieren, die auf der alten Parzelle klar Schiff machen. Mutter und Sohn machen aber auch tolle Ausflüge, in den Schmetterlingspark oder den Hansa-Park. „Die schönsten Tage sind immer die, bei denen wir die Krankheit einfach mal vergessen“, sagt die Mutter.

So können Sie helfen

Wohnung gesucht: Die Familie sucht dringend eine neue Wohnung in der Hansestadt Lübeck. Bisher lebt die alleinerziehende Mutter mit ihrem Sohn im Dachgeschoss eines Altbaus ohne Fahrstuhl. Doch das Treppensteigen ist für Jasper einfach zu anstrengend. Kontakt gibt es über die Mailadresse Astrid_Biggen@hotmail.com

Spenden für das Medikament: Die Glückstour des Schornsteinfegerhandwerks unterstützt krebskranke Kinder (www.glueckstour.de) und engagiert sich sehr für Jasper. „Für das erste Quartal und auch das nächste konnten wir schon Spenden für Jaspers Medikament einsammeln“, sagt Organisator Ralf Heibrok, „es werden aber noch dringend Spenden für die Finanzierung des Medikaments gebraucht, um die weitere Therapie sicherzustellen“. Heibrok hofft auf viele Unterstützer: „Es geht hier um ein Menschenleben.“ Das Spendenkonto: Kreissparkasse Wiedenbrück, IBAN: DE57 4785 3520 0025 0167 34, BIC:WELADED1WDB, Verwendungszweck: Jasper Jason aus Lübeck

Für tolle Ausflüge und Unternehmungen gibt es über Paypal die private Spendenaktion „Jasper will noch was erleben“ unter www.paypal.com/pools/c/8n6kZxrcwE

Mutter sammelt Spenden für teures Medikament

Von diesen schönen Tagen möchte Astrid Biggen ihrem Sohn noch so viele wie es nur geht ermöglichen. Ihre Hoffnung heißt ONC201. Ein Medikament, das Jasper helfen könnte. Es wird ihn nicht heilen. „Aber es könnte die Symptome lindern, meinem Sohn mehr Lebensqualität verschaffen – und vielleicht auch etwas mehr Zeit. Er ist ein Kämpfer, wir könnten Monate, vielleicht sogar Jahre gewinnen“, hofft die Mutter.

Sie kämpft auf eigene Faust um das extrem teure Medikament und seine Finanzierung, denn es ist in Deutschland und auch bei Jaspers Behandlung nicht Bestandteil der medizinischen Therapie und wird nicht von der Krankenkasse übernommen, da es noch nicht zugelassen ist. Es befindet sich noch in der klinischen Entwicklungsphase. Rund 5200 Euro kostet es pro Quartal. Prof. Dr. Melchior Lauten, Leiter der Kinderonkologie, am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Lübeck, erklärt: „Es handelt sich um ein Medikament, das in der Vergangenheit bei einzelnen Patienten in verzweifelten Situationen gegeben worden ist und bei diesen Patienten manchmal eine Wirkung zu haben schien. Aber ob das wirklich stimmt, ist noch unklar.“ Biggen möchte es jedoch in jedem Fall versuchen. „Was haben wir denn für eine Wahl?“

Von Sven Wehde

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