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Segeberg Jüdische Gemeinde empört über Grabzerstörung
Lokales Segeberg Jüdische Gemeinde empört über Grabzerstörung
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21:00 12.08.2019
„Es ist mir unverständlich, dass man uns nicht gefragt hat.“ Vorsitzender Walter Blender ist angesichts der mangelhaften Kommunikation mit der Kirchengemeinde geschockt. Quelle: Kullack
Bad Segeberg

Auch die Jüdische Gemeinde in Bad Segeberg ist fassungslos: Die versehentliche Zerstörung des Grabsteins von Emil Selig auf dem zweiten Friedhof der Kirchengemeinde Segeberg durch die Friedhofsverwaltung sorgt weiterhin für Gesprächsstoff und Proteste. Wie berichtet, hatte der Rechtsanwalt 1934 in Bad Segeberg seinem Leben nach Drangsalierungen der Nazis durch Gas ein Ende gesetzt. Ein weiteres Grab ist – wie von den LN berichtet – gleich neben dem von Selig ist ebenfalls von der Friedhofsverwaltung aufgelöst worden. Hier liegt der getaufte Jude Louis Goldstein, der 1943, mit 73 Jahren, eines natürlichen Todes starb. Auf dem Grabstein war der Name Goldstein aber nicht vermerkt: Er durfte nicht unter seinem jüdischen Namen dort beerdigt werden. Seine Urne wurde anonym im Familiengrab der Tochter unter dem Namen Schmidt beigesetzt.

Den Nazis konnte man auch nicht durch Taufe entrinnen

Dem Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde Bad Segeberg, Walter Blender, ist es „völlig unverständlich“, dass die Friedhofsverwaltung sich nicht auch bei der Jüdischen Gemeinde erkundigt hatte, bevor sie den Grabstein bereits im vergangenen Jahr schreddern ließ. Schon bei dem Todesjahr 1934 hätte sie aufmerksam werden müssen. Da mache es auch keinen Unterschied, dass der Rechtsanwalt Selig getauft war. Blender: „Die Nazis haben hier nicht unterschieden, man konnte ihnen nicht entrinnen.“ Mittlerweile wisse doch jeder, dass es in vielen Städten jüdische Gemeinden gebe. Blender: „Ich verstehe nicht, dass man nicht an uns herangetreten ist.“

Zerstört: Grabstein von Selig. Quelle: Privat

Blender ist nun vor allem dem Experten Heino Ullrich vom Förderverein Judentum in Schleswig-Holstein dankbar, dass er diese Gräber auf dem Friedhof II mit in seine Führungen zum Thema Judentum miteinbezogen hat, so dass sie nicht in Vergessenheit gerieten. Zu ihm hätte Blender sofort den Kontakt vermitteln könne, wenn denn der Friedhofsverwalter ihn gefragt hätte. „Das man nicht Kontakt sucht, das ist ein Schock für uns.“

Jüdische Grabstätten sind Ewigkeitsgräber

Die jüdischen Gräber gelten als „Ewigkeitsgräber“, sie dürfen nicht überbaut werden, die Toten nicht exhumiert werden. Diese Gräber sollen auch nicht gepflegt werden, sie bleiben sich selbst überlassen. Blender ist es völlig unverständlich, das auch so alte Gräber aufgelöst werden können, weil es keine Nachkommen mehr gibt, die dagegen protestieren könnten. Blender sei es wichtig, dass das Grab mit den sterblichen Überresten jetzt unversehrt bleibe, also nicht exhumiert werde, um Platz für eine neue Grabstätte zu schaffen. „Das wäre dann der größte Skandal.“ Er sei froh, dass Heino Ullrich von dem Stein Fotos gemacht habe, so könne dieser rekonstruiert werden. Er plädiere dafür, nahe der Gräber mit einer Infotafel über das Schicksal der dort beerdigten Juden aufzuklären.

Von Wolfgang Glombik

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