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Segeberg Jugendamt fehlen Kapazitäten für junge, elternlose Flüchtlinge
Lokales Segeberg Jugendamt fehlen Kapazitäten für junge, elternlose Flüchtlinge
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20:10 20.10.2015
Ihnen bleibt erst einmal nur, Zeit zu überbrücken: Für junge Migranten ohne Eltern ist das Jugendamt zuständig, das die Flüchtlinge unter anderem in betreuten Jugendhilfeeinrichtungen unterbringt. Doch für Hunderte gibt es bisher keinen Platz im Kreis Segeberg. Quelle: Fotos: Jens Büttner (dpa)/kullack/hfr
Bad Segeberg

Es ist ziemlich genau ein Jahr her, da saß Kreisjugendamtschef Manfred Stankat im Jugendhilfeausschuss des Kreises und machte auf ein Problem aufmerksam: Mit der Erstaufnahme für Flüchtlinge in Boostedt würden auch Minderjährige ohne Begleitung eines Erziehungsberechtigten in Segeberg ankommen, die hier das erste Mal registriert würden und für die damit das hiesige Jugendamt zuständig sei. Von 100 war damals die Rede, die in Obhut genommen werden müssten. Heute, ein Jahr später, sind auch 100 vom Jugendamt versorgt worden, berichtete Stankat dieses Mal vor dem Ausschuss. Weitere 170 bis über 200 warten aber auch noch in Boostedt auf eine Unterkunft. Im Gespräch sind nun auch Gastfamilien.

Die genaue Zahl der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge in der Erstaufnahme Boostedt ist nicht bekannt. „Weil sie zum Teil noch nicht registriert sind“, sagt Stankat. Eigentlich sollen in Erstaufnahmen gar keine alleinreisende minderjährige Flüchtlinge leben. Aber es geht gerade nicht anders. „Wir arbeiten daran, Kapazitäten zu schaffen“, sagt Stankat im LN-Gespräch. „Wir machen gerade nichts anderes.“ Bisher konnten 100 jugendliche Migranten versorgt werden. Sie wurden entweder mit ihren Familien zusammengeführt, die sie auf der Flucht verloren hatten, oder in Jugendhilfeeinrichtungen untergebracht, so Stankat. Dazu gehören Heime, aber auch betreute Wohngemeinschaften und erste Gastfamilien.

Zur Versorgung weiterer Jugendlicher aus Syrien, Eritrea, Afghanistan und Irak plant das Jugendamt die Ausweitung der Unterbringung in Gastfamilien. „Wir rechnen jährlich mit 300 unbegleiteten Flüchtlingen“, so Stankat. In Neumünster, wo in der Erstaufnahme zwischen 400 und 500 Minderjährige ohne Eltern leben sollen, suche man bereits mit Aufrufen nach Gastfamilien, sagt Stankat. „So etwas planen wir auch.“ Die Vorbereitungen dazu laufen.

Zwischen drei Monaten und drei Jahren müssen die Jugendlichen betreut werden. 90 Prozent von ihnen sind männlich, zwischen 14 und 17 Jahre alt. Manche wurden vorgeschickt in der Hoffnung auf Familienzusammenführung in Europa, andere wurden auf der Flucht von den Eltern getrennt. Doch es gebe auch den Fall des 13-Jährigen, der in Afghanistan von der Schule nach Hause gekommen sei und die Leichen seiner Eltern im zerbombten Haus gefunden habe. „Er hat sich mit Freunden aufgemacht und sitzt eineinhalb Jahre später in Boostedt“, berichtet Stankat. „Das ist kein dramatischer Einzelfall.

Wir hören hier jeden Tag von Tod, Ermordung, Gewalterlebnissen und Rekrutierungsversuchen von Isis und Assad-Armee.“

Harter Tobak auch für den Jugendhilfeausschuss. Die Situation der minderjährigen Flüchtlinge lässt keinen der Ausschussmitglieder kalt. „Wir sind der Meinung, dass die jungen Flüchtlinge in einem familiären Umfeld untergebracht werden sollten“, sagt Ausschussvorsitzender Gerd-Rainer Busch (SPD). Das Thema Gastfamilien werde man weiterverfolgen, auch wenn es wohl nicht einfach werde, so viele geeignete Familien zu finden. „Wir waren sprachlos über die Menge, die da auf uns zukommt.“

Mit einer Entspannung der Situation ist jedoch nicht zu rechnen. Auch nicht mit der vom Bundestag beschlossenen Umverteilung der unbegleiteten Minderjährigen, die am 1. November in Kraft tritt.

Hier können Sie helfen
Wer sich für Flüchtlinge engagieren möchte, kann sich an Leeza Lorenz wenden. Sie ist Ansprechpartnerin für Ehrenamtliche beim Kreis Segeberg, hat Kontakt zu gut 300 Flüchtlingshelfern.
Zu erreichen ist Lorenz unter ☎ 04551/951762 oder per E-Mail: Leeza.Lorenz@kreis-se.de
Weitere Kontakte:

Wahlstedt: E-Mail: fluechtlinge@wahlstedt.de
Trappenkamp: Harald Krille, ☎ 04323/91 4116
Verein „Alleineinboot“: E-Mail info@alleineinboot.com; Internet: www.alleineinboot.com

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