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Segeberg Junge Ehrenamtler sollen Gleichaltrige in Lebenskrisen beraten
Lokales Segeberg Junge Ehrenamtler sollen Gleichaltrige in Lebenskrisen beraten
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21:10 18.11.2015
Nina von Ohlen (l.) und Alexandra Koster suchen in Henstedt-Ulzburg ehrenamtliche Krisenberater, die über E-Mail-Schriftverkehr lebensmüde Jugendliche von einem Selbstmord abhalten sollen. Quelle: Fuchs
Henstedt-Ulzburg

Jedes Jahr nehmen sich etwa 600 Jugendliche das Leben. Sie sind offenbar so verzweifelt, einsam und allein gelassen, dass sie keinen anderen Ausweg mehr wissen, als ihrem noch so jungen Leben ein jähes Ende zu setzen.

„Bei den unter 25-Jährigen ist der Suizid nach einem Unfalltod die zweithäufigste Todesursache“, sagt Nina von Ohlen. Die Sozialpädagogin des Hamburger Jugendhilfeträgers „In Via“ bietet seit zwei Jahren eine Online-Beratung von lebensmüden Jugendlichen durch Gleichaltrige an, die eigens dafür von ihr zu Krisenberatern ausgebildet worden sind. In Schleswig-Holstein wollen sie diese Erste Hilfe für Jugendliche in schweren Lebenskrisen jetzt erstmals im Jugendzentrum Tonne am Alstergymnasium in Henstedt-Ulzburg anbieten. Dafür startet am Sonnabend, 21. November, der erste Ausbildungskursus für künftige ehrenamtlichen Krisenberater aus der Region.

Die Suizidprävention, bei der die Hilfesuchenden per Mail mit gleichaltrigen Krisenberatern anonym kommunizieren, ist vor etwa zehn Jahren erstmals in Freiburg eingerichtet worden, berichtet Nina von Ohlen. Inzwischen gebe es bundesweit sieben weitere Standorte, die sich an dieser Internet-Plattform mit der Adresse www.u25-deutschland.de mit eigenen Krisenberatern beteiligen. „100 ehrenamtliche Berater im Alter von 16 bis 25 Jahren helfen regelmäßig, suizidgefährdeten Jugendlichen das Leben zu retten.“

Das ist wörtlich zu nehmen. So würden allein in Hamburg etwa 70 Jugendliche mit akuten Selbstmordgedanken von den bislang 30 ausgebildeten Krisenberatern betreut, zieht Nina von Ohlen eine erste Zwischenbilanz ihrer Arbeit. Die gefährdeten Jugendlichen meldeten sich über die Plattform mit ihrem Problem, und sie versuche dann, den passenden Berater für die jeweiligen Problemfälle zu finden.

„Ein Online-Chat ist dies nicht.“ Die Hilfesuchenden bekämen meist schon innerhalb von 48 Stunden eine Antwort, spätestens aber innerhalb von einer Woche. In akuter Not sehr viel schneller.

Doch ihre Schützlinge müssten zunächst ganz genau auf ihre Arbeit und mögliche Hilfestellungen vorbereitet werden. Dies geschehe zunächst in mehreren Wochenendkursen, die über 35 Schulungsstunden beinhalteten und etwa ein halbes Jahr liefen. Auch danach würden sie nicht mit den oft schwierigen Problemfällen allein gelassen. „Die ersten Mailkontakte laufen nur über mich“, betont Nina von Ohlen. „Am Anfang wird keine einzige Beratung an die gefährdeten Jugendlichen rausgeschickt, bevor ich sie nicht gelesen habe.“

In den meisten Fällen seien es Mädchen, die sich für diese Aufgabe meldeten. Auch zu fast 90 Prozent würden die Hilferufe auf dieser Plattform von weiblichen Absendern geschickt. „Jungen gehen damit vielleicht anders um“, vermutet JuZ-Leiterin Alexandra Koster. So würden zwar drei von vier Selbstmorden von Jungen und Männern begangen, aber bei den Selbstmordversuchen überträfen die Mädchen und Frauen die Männer um das Dreifache, zitiert sie einschlägige Statistiken.

Gesucht würden jetzt psychisch gefestigte junge Menschen, die sich diese Beratung zutrauen, zuhören und sich gut in andere Menschen hineinversetzen können. Nach der Ausbildung zu Suizid-Beratern müssten sie sich verpflichten, mindestens ein Jahr lang dafür zur Verfügung zu stehen. „Sie ersetzen aber keine professionellen Therapeuten.“ Der Arbeitsaufwand umfasse etwa eine Stunde pro Woche, sagt Nina von Ohlen. Regelmäßige Supervisionstreffen würden sicherstellen, dass niemand überfordert werde. Für manche Teilnehmer könnte dies der Einstieg in eine therapeutische Berufslaufbahn sein.

„Wir haben aber auch schon Berater gehabt, die damit bei ihrer Bewerbung glänzen konnten“, sagt von Ohlen.

LN

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