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Segeberg „Jeder Millimeter zählt“: Junge Naturfilmer im Wildpark
Lokales Segeberg „Jeder Millimeter zählt“: Junge Naturfilmer im Wildpark
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13:54 11.07.2019
Ohne Stativ geht nichts: Mats und Joana in der Wildblumenwiese. Quelle: Irene Burow
Großenaspe

So machen es professionelle Naturfilmer: 100 bis 150 Drehtage sind sie im Dschungel, in der Wüste, im Gebirge. Sie brauchen unzählige Filmschnipsel, die sie später aneinanderreihen.

„Das Drehen hat sich verändert“, weiß Udo Zimmermann. „Früher war in der Dämmerung Drehschluss. Heute geht es abends erst los: Das Material der Datenträger muss überspielt werden, damit der Speicher für den nächsten Tag leer ist“, sagt er. „Es ist viel aufreibender geworden in der Natur zu drehen – dafür ist das Reisen heute leichter.“

Jugendliche lernen im Filmcamp, wie es geht

Vier Kurzfilme in fünf Tagen

Udo Zimmermann hat es unzählige Male gemacht. Der ehemalige Redaktionsleiter des Bayrischen Rundfunks gibt sein Fachwissen derzeit in Eekholt weiter. 14 Jugendliche hören diese Woche geduldig zu. Denn sie drehen ihren eigenen Naturfilm im Wildpark. Im vergangenen Jahr hatte er den Job im Jugendfilmcamp übernommen. „Da dachte ich schon: In fünf Tagen? Das wird aber sportlich“, sagt er lachend. Denn in dieser Zeit entstehen fünf bis zehn minütige Kurzfilme.

Udo Zimmermann, ehemaliger Leiter der Redaktion "Natur und Tier" beim Bayrischen Rundfunk. Quelle: Irene Burow

Warum Wiesen für die Artenvielfalt wichtig sind

Das Camp ist anspruchsvoll. Hier wird Arbeit erwartet. „Es kommt auf jeden Millimeter an“, sagt Jens Jaacks (14) aus Gettorf. Sein Team liegt in den Wiesen auf der Lauer nach Insekten. „Nur eine Sekunde – jeder Millimeter entscheidet, ob das Tier scharf ist“, sagt er. „Die kleinen Tierchen vor die Kamera zu kriegen, ist schwer.“ Das Trio möchte zeigen, warum Wiesen so wichtig sind. Wer lebt hier? Was würde es bedeuten, wenn es diesen Lebensraum nicht geben würde?

Unterwegs mit Bestimmungsbüchern

Sie filmen Wildblumen wie Mohn und Hufeisenklee, den Kräutergarten und den Imker bei der Arbeit. Sie bringen Blüten und Gräser auf den Bildschirm, Hummeln und Schwebfliegen. Was sie nicht kennen, bestimmen sie mit Fachliteratur des Wildparks. Jens ist zum vierten Mal im Camp und weiß: Die besten Aufnahmen kommen nicht von allein. So ist er einmal um fünf Uhr aufgestanden, um Blüten während des Sonnenaufgangs zu filmen – im Zeitraffer.

Vorbereitung auf großes Filmfest

Mehr als 300 Jugendliche haben in dem Camp in den vergangenen Jahren 60 eigene Natur- und Tierfilme hergestellt. Sie können beim Internationalen Filmfestival Green Screen für den „Heinz-Sielmann-Jugendfilmpreis“ und für den „Green Report Junior-Filmpreis“ eingereicht werden. Nominierte Filme werden am 15. September auf dem Festival in Eckernförde gezeigt. Einige Nachwuchsfilmer waren bereits Preisträger.

Das Green Screen findet diesmal vom 11. bis 15. September statt. Jährlich zieht es inzwischen über 40 000 Besucher an. Hier treffen sich 200 Naturfilmer und Produzenten aus aller Welt. Für das Green-Screen-Filmcamp in Eekholt bewerben sich die Jugendlichen im Vorfeld, Eltern zahlen einen Teilbetrag.

Filmcamp: Tiere verstehen lernen

Unterstützt werden die 13- bis 18-Jährigen von den beiden Mediengestaltern Lena Meier und Daniel Wehrend, der Försterin Marenka Paustian und dem Biologen Frank Buhs. „Drehbücher für Tierfilme sind so eine Sache“, weiß Daniel Wehrend. „Die Jugendlichen müssen sich in Geduld üben. Das ist ganz anders als bei Spielfilmen.“

Man müsse die Tiere verstehen lernen. Was machen sie zu welcher Zeit? „Da kann man schon mal eine Stunde vor dem Gehege zubringen“, sagt Wehrend. Damit auch die Großaufnahme einer Pfote vom Dachs gelingt. „Läuft beim Rotwild ein Tier los, laufen alle. Oder sie verweilen in Schockstarre, wenn man zu nah rankommt“, sagt Lena Meier. Die jungen Naturfilmer hätten schon eine Menge entdeckt.

Mit ihren Aufnahmen ist das Wiesen-Trio nach drei Tagen schon einen entscheidenden Schritt vorangekommen. Denn am Anfang muss das Thema, die Geschichte her. Nicht alle Themen bieten sich an: So seien Aufnahmen einer Schneeeule im Wildpark beispielsweise sehr schwer. „Sie sitzt nur auf dem Ast und tut den ganzen Tag – nichts“, sagt Udo Zimmermann. Auch den Eisvogel zu thematisieren sei wenig realistisch. Selbst die Parkmitarbeiter sehen ihn äußerst selten.

Dynamik der Gruppe ist wichtig für den Film

„Wenn sie nach der Recherche wissen, was sie zeigen wollen, müssen sie sich überlegen: Wie kann ich das bebildern?“, sagt Udo Zimmermann. Im Laufe des Drehs werde die Geschichte feinentwickelt. „Nicht das Ergebnis ist das wichtigste, sondern der Weg dorthin“, sagt er. Die Jugendlichen lernen mit Fremden zusammenzuarbeiten, zu Beobachten, zu Schneiden und ein Bewusstsein für den Naturfilm zu entwickeln. Und dann ist da noch der „Kampf um die Kamera“, die Gruppendynamik, die Aufgabenverteilung.

In diesem Jahr stehen bei den Jugendlichen neben den Wiesen die Marderarten im Fokus, die Füchse und das Rotwild. „Es ist völlig erstaunlich, wie der Blick sich ändert“, sagt der Sprecher des Internationalen Naturfilmfestes Green Screen, Michael van Bürk, über das nunmehr elfte Filmcamp. Denn die Themen wiederholen sich natürlich – und doch wird kein Film gleich. Im September kommen sie auf die große Leinwand.

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