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Segeberg Junge Seeadler allein in ihrem Horst
Lokales Segeberg Junge Seeadler allein in ihrem Horst
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22:42 03.07.2018
Mit Fleischbrocken päppelt der Pronstorfer Falkner Bernd Nowak den jungen Seeadler wieder auf.
Bad Segeberg

Gefunden wurde das Weibchen oder besser die Überreste des Vogels, nicht weit von dem Seeadler-Horst entfernt. Während bei den toten Rotmilanen Anzeichen einer Vergiftung festgestellt worden sind, wird die Todesursache bei dem Seeadlerweibchen ein Rätsel bleiben. „Die Reste des Seeadlers reichen für eine toxikologische Untersuchung nicht aus. Aufgrund der hohen Temperaturen ist der Verwesungsgrad bereits zu weit fortgeschritten gewesen“, sagte Volker Latendorf von der Projektgruppe „Seeadlerschutz“.

Zweieinhalb Monate ist der junge Seeadler alt, der seinen ersten, erfolglosen Flugversuch bereits hinter sich hat. Seine Mutter wurde tot in der Nähe des Horstes gefunden. Quelle: Fotos: Petra Dreu

Er hatte sich zunächst Sorgen um die Jungvögel gemacht, von denen zwei im Horst verblieben sind und auf Nahrung warteten. Sie sind rund 2,5 Monate alt und kurz davor, erste Flugversuche unternehmen zu können. Bei einem solchen Versuch ist wahrscheinlich der dritte Jungvogel abgestürzt, der entkräftet unter dem Horst gefunden wurde. Derzeit wird der junge Seeadler vom Pronstorfer Falkner Bernd Nowak aufgepäppelt.

„Dem Jungvogel geht es wieder gut. Er war zwar sehr schwach, macht inzwischen aber wieder einen kerngesunden Eindruck“, erzählt der Falkner, der den jungen Seeadler am liebsten wieder zurück ins Nest setzen würde. Er vermutet, dass das Jungtier entkräftet war, weil es nicht mehr gefüttert wurde. „Männchen sind im Grunde die schlechteren Fütterer. Es ist gut möglich, dass es die Jungen im Horst noch gefüttert hat, das am Boden aber nicht mehr“, so Nowak. „Doch zunächst war nicht klar, ob das Männchen überhaupt noch lebt oder vielleicht wie das Weibchen bereits verendet ist“, sagt der Falkner aus Pronstorf. Um dies feststellen zu können, wurde der Seeadlerhorst beobachtet. Den Einflug des Männchens konnten Mitarbeiter der Projektgruppe „Seeadlerschutz“ zwar nicht beobachten, aber den Ruf eines Seeadlers haben sie in der Umgebung des Horstes vernommen. „Auf den Ruf haben die jungen Seeadler reagiert. Deshalb haben wir beschlossen, sie dort zu belassen, wo sie sind“, sagt Nowak.

Aufgrund dessen wurde der ursprüngliche Plan fallengelassen, die beiden Jungvögel aus ihrem Nest zu holen und in den Wildpark Eekholt zu bringen. „Es ist immer sinnvoller, Wildtiere in der Natur zu belassen, anstatt sie von Menschen aufzuziehen und hinterher wieder auszuwildern. Diesen Vögeln fehlen jegliche Erfahrungen. Wahrscheinlich würden sie zu allererst in eine Windkraftanlage fliegen“, befürchtet Nowak.

Für ihn und die Naturschützer ist besonders bitter, dass ausgerechnet dieses Weibchen tot aufgefunden wurde. Zusammen mit ihrem Partner hatte es über viele Jahre für großen Nachwuchs im gleichen Horst gesorgt. Nowak: „Zusammen mit einem anderen Paar hat es die Seeadler-Population in Schleswig-Holstein wieder ansteigen lassen.“

Von Petra Dreu