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Segeberg Kampf um Windmühlen und Schulpolitik
Lokales Segeberg Kampf um Windmühlen und Schulpolitik
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23:10 28.04.2017
Gepannte Zuhörer in der „Goldmarie“: Wenn sie sich nicht gerade selbst zu Wort meldeten, lauschten sie den Landtags-Kandidaten. Quelle: Fotos: Glombik
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Bad Segeberg

 Dabei beherzigten Dr. Axel Bernstein (CDU), Cordula Schultz (SPD), Peter Stoltenberg (Grüne), Dennys Bornhöft (FDP), Toni Köppen (Piraten) und die Zuschauer den Aufruf zur Fairness. Der Begriff „Schlampe“ aus dem TV-Duell der Spitzenkandidaten fiel nicht. Und es wurde alles andere als „schlampig“ argumentiert. Sogar beim Thema A 20 ging es sachlich zu.

Auch Zuschauer mischten mit beim LN-Talk der Direktkandidaten zur Landtagswahl.

Für Axel Bernstein ist die A 20 „unter der jetzigen Landesregierung ein ungeliebtes Kind – das müssen wir ändern“. Das Geld stehe seit Jahren bereit, und wenn es im Bauabschnitt Bad Segeberg hakt, hätte man längst die anderen Planungsabschnitte der A 20 anpacken können. Der Grüne Peter Stoltenberg hält den A 20-Bau hingegen nach wie vor „für unsinnig“. Es mache keinen Sinn, ohne Anbindung „irgendwelche A 20-Bauruinen in der Landschaft zu haben“. Dennys Bornhöft (FDP) nervt es, dass die Naturschutzverbände bundesweit Verkehrsinfrastrukturprojekte durch Klagen verhinderten. „Wir wollen das Verbandsklagerecht der Umweltverbände einschränken.“ – „Eine Fledermaus kann nicht selber klagen“, erwidert trocken Pirat Köppen. Da schießt Bernstein (CDU) dazwischen: „Die Tiere haben es bis heute geschafft, die werden auch die A 20 bei Bad Segeberg überleben.“ Cordula Schultz (SPD) warnt hingegen davor, „zack, zack ins nächste Planfeststellungsverfahren zu gehen“, da drohten neue Klagen. „Wir haben hier das höchste Aufkommen an Fledermäusen Nordeuropas.“ Trotzdem sei die SPD für das Autobahnprojekt.

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Windkraft spaltet

Droht Windkraftenergie durch die Hintertür? Für Toni Köppen ist das Beteiligungsverfahren „Augenwischerei“. Er fordert hier Mitbestimmung der Bürger. Bernstein: „Wir wollen Bürgerbeteiligung. Die Menschen haben Angst, dass vor ihrer Haustür riesige Windparks entstehen.“ Die Anlagen seien heute wesentlich höher, deshalb müssten die Abstände zu Siedlungen vergrößert werden. Die Abstände in den Bereichen Denkmalschutz, Landschaft und Naturschutz könnten hingegen reduziert werden. SPD-Kontrahentin Schultz fordert, die gesamte Stromkalkulation bei Wind- und Kernenergie gegenüberzustellen.

Schierens Bürgermeister Hans-Werner Schumacher mischt sich hier ein: Bei ihm gehen Bürger auf die Barrikaden. Zu 46 Hektar in Schieren hätten die Bürger vor Jahren zugestimmt. Die wurden damals von der Landesplanung gestrichen. „Jetzt beim neuen Plan ist unsere Gemeinde mittendrin in einem Riesen-Windpark mit 127 Hektar.“ Und das Dorf wurde nicht gefragt. Stoltenberg (Grüne) dazu: „Wir wären sehr zufrieden, wenn die Gemeinden hier selber entscheiden könnten.“ Doch am Ende jedes Beteiligungsverfahrens müsse eine demokratische Entscheidung stehen.

Für Bornhöft (FDP) müssen mehr Bürgerwindparks angeboten werden. Wenn der Bürger davon finanziell profitiere, sei er eher bereit, die Anlagen zu akzeptieren. Verstanden werde auch nicht, dass der Norden an die 300 Millionen Euro für Strom bezahle, „der niemals in der Steckdose ankommt“. Köppen: „Die Landesregierung nimmt die Bürger mit? Von wegen!“ 230 Windkraftanlagen seien in 50 Gemeinden gebaut worden – ohne jede Bürgerbeteiligung.

Schul-Streit

G8 oder G9 an Gymnasien? Die Piraten wollen den Schulen die Wahlmöglichkeit lassen, ob sie acht oder neun Schuljahre bis zum Abitur gehen wollen. Bernstein hat zwar auf dem Parteitag nicht für die Wiedereinführung von G9 gestimmt. „Hier in Bad Segeberg ist G8 in beiden Gymnasien gut umgesetzt. Aber andernorts gibt es große Probleme.“ Frühere Argumente, Studienanfänger seien zu alt, seien überholt, weil etwa die Wehrpflicht weggefallen ist. Cordula Schultz ist für „Wahlfreiheit und für gemeinsames Lernen der Kinder – so lange wie möglich“. Sie will nicht zurück zur Halbtagsschule. „Es war ein langjähriger Umstellungsprozess für G8. Jetzt sollen wir bei dem System erst einmal bleiben, nicht alles umwerfen.“ Stoltenberg (Grüne) fordert, „nicht an den Strukturen herumzufummeln“. Es mache keine Sinn, alle drei Jahre das Konzept zu ändern.

FDP und CDU fordern, die klaren Schulartempfehlungen der Lehrkräfte wieder einzuführen. Cordula Schultz stellt dagegen, dass Eltern „im Normalfall nicht beratungsresistent sind“ und selber entscheiden können, ob das Gymnasium richtig für ihr Kind ist. Es sei viel zu früh, derartige Entscheidungen für Zehnjährige zu fällen. Und Bornhöft (FDP) fordert eine bessere Ausstattung der Schulen mit Laptops. „Das einzige Digitale an der Schule sollte nicht die Pause sein, wenn die Kinder draußen auf ihren Handys herumspielen.“

 Wolfgang Glombik