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Segeberg Zu Ostern ist Bad Segebergs Jugendherberge von Indianern besetzt
Lokales Segeberg Zu Ostern ist Bad Segebergs Jugendherberge von Indianern besetzt
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08:00 20.04.2019
„Tipis der Siioux" heißen die Plastiken der Künstlerin Tina Schwichtenberg vor der Segeberger Karl-May-Jugendherberge.  Quelle: Lothar Kullack
Bad Segeberg

„Umba-Uah-Umba-Uha“: Dumpf klingt im großen Tipi der Gesang zu Original-Indianertrommeln. Nachher ist Bogenschießen dran, und am Abend gibt es eine Fackelwanderung zum Großen Segeberger See. Über Ostern ist die Karl-May-Jugendherberge am Kastanienweg fest in der Hand von Indianern. Für das Programm sorgen die Herbergseltern Mi-Young und René Petzold sowie die „Ehrenindianer“ Kalle und Gerd.

Spontan mitmachen kann jetzt aber niemand mehr: Die Indianerwoche über Ostern ist stets Wochen zuvor ausgebucht. Zu den vier Übernachtungen mit Vollpension und den beiden Indianertagen kommen noch Führungen durch die Kalkberghöhle und das Fledermauszentrum. Für Kinder kostet der ganze Spaß – nichts. Dafür zahlen die Eltern pro Person 199 Euro.

Auch im Inneren der 1954 eröffneten Jugendherberge erinnert viel an das Image Bad Segebergs als Karl-May-Stadt. Das Ehepaar Petzold hat die Herberge 2013 übernommen. Zuvor hatten der heute 45-Jährige und seine 41-jährige Frau bereits drei Jugendherbergen in Hessen auf Vordermann gebracht, bevor es die Familie in den Norden zog. Zurzeit des LN-Besuchs war René Petzold Alleinkämpfer – seine Frau war zur Hochzeit ihres Bruders nach Korea geflogen.

Übernachtungszahlen stagnieren

Gleich im ersten Jahr gelang es den Petzolds etwa mit Indianeraktionen, Plätzchenbacken zu Weihnachten und anderen frischen Ideen die Zahl der Übernachtungen von jährlich 17 000 auf über 21 000 zu steigern. „Doch dann gab es 2018 einen Knick auf 20 000, und in diesem Jahr wird es wohl ebenso aussehen“, sagt Petzold. Der Grund: „Die Ansprüche der Besucher haben sich erhöht. Und wenn wir wachsen wollen, müssten wir ausbauen.“

Herberge nicht auf dem Stand der Dinge

So seien nur sechs von 47 Zimmern Doppelzimmer mit eigenem WC und Dusche – Dinge, die ein Jugendherbergsgast heutzutage erwartet. Die Zeiten des ewig gleichen Hagebuttentees und der miefigen Sammeldusche seien endgültig passé. Hinzu komme, sagt Petzold, dass die Jugendherberge zwar mit sechs Tagungsräumen werbe (auch beim LN-Besuch waren mitten in den Ferien einige Schulklassen zur Nach-Arbeit da), in Wirklichkeit aber müsse man die Räume zugleich als Speiseraum nutzen, weil es an einem großen Speisesaal fehle. „Den hat man sich damals gespart“, sagt der Herbergsvater. „Im Innenhof wäre Platz dafür, aber die Frage ist, ob das Jugendherbergswerk sich eine solche Investition leisten kann und will.“ Schließlich gehören 42 Jugendherbergen in Deutschland zum Werk – da hat jede einzelne ihre Ansprüche.

Enges Verhältnis zu Stadt

Zur Stadt, erzählt Petzold, habe man schließlich nicht zuletzt wegen der engen Verknüpfung zu Karl-May ein enges und entspanntes Verhältnis. „Aber Geld ist da auch nicht zu holen“, bedauert er.

Saisonkräfte müssen sein

Um die zwölf bis 15 Beschäftigte kümmern sich in der Saison um den Jugendherbergsbetrieb in Bad Segeberg. „Da wir - außer einer kurzen Pause zwischen Weihnachten und dem 5. Januar – ganzjährig geöffnet haben, sind wir auf Saisonkräfte angewiesen“, sagt Herbergsvater René Petzold.

Was Saisonkräfte angeht hat der Gesetzgeber der Segeberger Jugendherberge und ähnlich gelagerten Betrieben allerdings einen üblen Streich gespielt. „Leider ist es nicht mehr möglich, dass Beschäftigte im Sommer länger arbeiten und im Winter mehr freimachen. Das war eine Win-Win-Situation, die uns die Politik entzogen hat“, bedauert Petzold. Die neue Arbeitszeitregelung sei eher kontraproduktiv und zwinge Saisonbetriebe jetzt zu Entlassungen in der schwachen Zeit, die eigentlich nicht nötig wären wenn man die Arbeitszeit freier bestimmen oder wählen könnte.

Trotzdem: Auch eine Auslastung um die 20 000 Übernachtungen pro Jahr kann sich bei der Größe des Hauses am Kastanienweg sehen lassen. Und schließlich kann die Bad Segeberger Jugendherberge mit Pfunden wuchern wie man sie andernorts nicht in dieser Vielfalt findet: Direkte Nähe zum Großen Segeberger See samt Badeanstalt, Karl-May-Spiele - ebenfalls zu Fuß zu erreichen, Kalkberg mit seinem großen Höhlensystem, Fledermauszentrum Noctalis, Räume besonders geeignet für Familien und Musikgruppen sowie für Tagungen und Seminare. „Da füllen wir auch ohne große Investitionen unserer 170 Betten gut“, sagt Petzold. „Aber ein Speisesaal und mehr Doppelzimmer wären natürlich ideal.“

Lothar Hermann Kullack

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