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Segeberg Kaum einer kommt zur Einwohnerversammlung
Lokales Segeberg Kaum einer kommt zur Einwohnerversammlung
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20:10 10.05.2017
Bad Segeberg

Die Mühe, zusätzliche 50 Klappstühle aufzustellen, hätte sich der Hausmeister im Bad Segeberger Rathaus am Dienstag sparen können. Auch das achtköpfige Aufgebot an Führungskräften der Stadtverwaltung, vorweg Bürgermeister Dieter Schönfeld, hätte diese abendliche Stunde sicherlich sinnvoller nutzen können. Es kam kaum einer. Die Einwohnerversammlung in Bad Segeberg – immerhin eine Kreisstadt mit 17 000 Einwohnern – war eine Farce. 14 Besucher, davon nur die Hälfte „Normalbürger“, die anderen Stadtpolitiker, verloren sich auf den gepolsterten Sitzen im Bürgersaal.

In den Dörfern kommen meist mehr Besucher, wenn der Bürgermeister zur Einwohnerversammlung ruft. Doch wenn Bad Segebergs Bürgervorsteherin Ingrid Altner einlädt, bewegen sich oft nur eine Handvoll Bürger zur Einwohnerversammlung, die die Stadt einmal jährlich abhalten muss. Lag es an den langweiligen Themen dieser „Pflichtübung“? Es ging um die gesetzlichen Regelungen bei Bebauungsplänen, es ging um das Hallenbad, die hohen Unterhaltungskosten, die desolate Finanzsituation der Stadt und die kürzlich reduzierten Öffnungszeiten im Bad. Und nicht zuletzt auch um praktische Lebenshilfe. Dass man im Hallenbad sein Seepferdchen-Abzeichen machen kann und auch „Bauch, Beine, Po- Kurse“ im 30 Grad warmen Wasser angeboten werden.

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Aber wie so oft liegt es am Bürger selbst, wenn er günstige Gelegenheiten verstreichen lässt, um sein Herzensanliegen deutlich zu machen. Es hätte locker geklappt, in dem Mini-Plenum eine Zwei- Drittel-Mehrheit auf die Beine zu stellen, um die Tagesordnung zu kippen und ein anderes Thema nach vorn zu heben.

Möchte ich, dass in meiner Wohnstraße keine Lastwagen mehr durchfahren? Fordere ich für mein Wohnquartier Tempo 30 oder die Einrichtung von Anwohnerparkplätzen? Will ich, dass die Altstadt mit einer strengeren Ortssatzung und einem besseren Bebauungsplan vor weiterer Zerstörung bewahrt wird? Alles Themen, für die man hätte Anträge formulieren können. Stimmt das Plenum dem zu, müssten sich die politischen Gremien der Stadt damit beschäftigen. Stattdessen gab es in der Versammlung einige Vorträge. Stadtkämmerin Christiane Ostwald berichtete, dass bei der Stadt bis zum Jahre 2021 Fehlbeträge von 22,3 Millionen Euro auflaufen werden. „Da ist kein Ende in Sicht.“ Es sei fraglich, ob sich die Stadt überhaupt noch freiwillige Aufgaben wie das Hallenbad leisten könne. In den kommenden drei Jahren stünden hier Sanierungskosten von fast einer Million Euro an. Immerhin werde die Stadt schon durch die Reduzierung der Öffnungszeiten jährlich rund 100000 Euro sparen, führte die Kämmerin aus.

Hallenbad-Chefin Bianca Lobsien erläuterte die kräftig gekürzten Öffnungszeiten. Montags sei zum Beispiel das Bad nur noch für Schulen und Kurse geöffnet. „Es hat sich herausgestellt, dass gerade der Montag schwach besucht ist, mit manchmal nur 20 Badegästen.“ Das Angebot an Schwimmkursen bleibe aber erhalten. Übrigens: Der Vorteil beim Sport im Wasser sei, dass man im Wasser keinen Muskelkater bekomme. Hier könne die Muskulatur nicht geschädigt werden, weil nur langsamere Bewegungen möglich sind. „Immerhin, das mit dem Muskelkater habe ich heute gelernt“, meinte dazu beim Rausgehen eine Besucherin etwas spöttisch. „Schlimm, dass nicht mehr Bürger ihre Einwohnerversammlung hier nutzen.“

Wolfgang Glombik