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Segeberg Kegeln mit der Lebenshilfe Bad Segeberg: Ein Club für alle Menschen
Lokales Segeberg Kegeln mit der Lebenshilfe Bad Segeberg: Ein Club für alle Menschen
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10:54 09.12.2019
Renate Höppner hilft Eberhard Marten beim Kegeln mit der Rampe. Patrick Schwarz legt schon mal alleine los. Quelle: Sven Wehde
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Klein Gladebrügge

Siggi Schwarzer hat nicht so viel Kraft. Doch das macht gar nichts. Renate Höppner schnappt sich einen Stuhl, stellt ihn vor die Kegelbahn, hakt Siggi unter und führt ihn hinüber. Dann holt sie eine aus zwei Brettern gebaute hölzerne Rampe. Das eine Ende kommt auf die Kegelbahn, das andere legt sie Siggi auf den Schoss. Vorsichtig reicht sie ihm die Kugel auf die Rampe, und Siggi muss nur noch loslassen. Sanft rollt sie die Bahn hinab. Vier Kegel fallen, ein guter Start.

Rainer Kock brauchte etwas Übung, aber jetzt klappt es mit dem Kegeln richtig gut. Quelle: Sven Wehde

Jeder darf mitmachen

Renate Höppner holt die nächste Kugel. „Bei uns“, betont sie, „dürfen alle mitmachen.“ Diese Botschaft liegt ihr sehr am Herzen, es ist der Grundsatz, der das Wesen dieser Kegeltruppe beschreibt. „Wir haben auch Rollstuhlfahrer und eine blinde Teilnehmerin“, erzählt sie. Für Menschen mit so einer Beeinträchtigung scheint es fast unmöglich zu kegeln. Doch dieser Schein trügt.

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Renate Höppner, die die drei Kegelclubs der Lebenshilfe ehrenamtlich betreut, wollte von ihrem Grundsatz keinen Zentimeter abweichen. „Irgendetwas müssen wir machen“, dachte sie sich. So wurde die hölzerne Kegelrampe erfunden und von einer Wohngemeinschaft für behinderte Menschen in Högersdorf gebaut. Jetzt können wirklich alle mitmachen, egal wie schwer die Behinderung ist.

Und nicht nur das. „Unsere blinde Teilnehmerin hält sogar den Rekord mit über 150 Punkten, da hat sie mit fast jedem Wurf acht von neun Kegeln abgeräumt“, erzählt Höppner glücklich.

Axel Greiner hat beim letzten Mal den Pokal gewonnen. Quelle: Sven Wehde

Übung macht den Kegel-Meister

Rainer Kock hat sich am Anfang schwer getan. Immer rollte die Kugel von der Bahn, es gab einen Pudel nach dem anderen. „Aber wir haben zusammen geübt“, sagt Höppner. Und plötzlich ging es, ein echtes Erfolgserlebnis. „Ja, es hat geklappt, heute geht es besser und macht richtig Spaß“, erzählt Rainer Kock lachend.

Die rund zehnköpfige Keglertruppe mach zwei Durchgänge á 20 Würfe. Rainer lässt seine letzte Kugel rollen. „Und habe ich gewonnen?“, fragt er. „Soweit ist es noch nicht, die anderen sind ja auch noch dran“, erklärt Höppner.

So können Sie spenden

Liebe Leserinnen und Leser,

„Alle Menschen sollen dabei sein. Bei der Arbeit, beim Wohnen, in der Freizeit und in allen Lebenslagen.“ So lautet das Leitmotiv der Lebenshilfe Bad Segeberg, die mit ihrer Arbeit dazu beiträgt, dass Menschen mit Behinderungen teilhaben können - in allen Lebenslagen.

Manche Projekte, für die es keine öffentlichen Mittel gibt, kann die Lebenshilfe nur über Spenden finanzieren - Disco, einen Ausflug in die Natur und eben die beliebten Kegelabende, bei denen alle mitmachen können, egal wie schwer ihre Behinderung ist.

Dinge, die für Menschen ohne Beeinträchtigungen selbstverständlich sind, bleiben für viele behinderte Menschen ohne die Lebenshilfe oft unerreichbar.

Deshalb kommen die Spenden aus der LN-Aktion „Hilfe im Advent“ in diesem Jahr der Lebenshilfe zugute. Ich bitte Sie, liebe Leserinnen und Leser: Unterstützen Sie „Hilfe im Advent“, spenden Sie für die Lebenshilfe.

Holger Schwartz, LokalchefLN-Redaktion Bad Segeberg

Das SpendenkontoVerwendungszweck:„Hilfe im Advent

Kontoinhaber: Lebenshilfe Bad Segeberg

IBAN: DE 30230510300511046476

Geldinstitut:Sparkasse Südholstein

Spendenstand:935 Euro

Ein Wanderpokal für den Sieger

Gewonnen hat beim letzten Mal Axel Greiner. Der junge Mann hat den kleinen Wanderpokal dabei und zeigt ihn stolz. Nach jedem Kegelabend darf der Gewinner ihn mit nach Hause nehmen, zum nächsten Treffen bringt er die Trophäe dann wieder mit. Das Gewinnen steht aber nicht im Mittelpunkt, sondern das Zusammenkommen mit den anderen.

Am Tisch an der Kegelbahn wird gegessen, getrunken und geschnackt. Trotzdem freut sich natürlich jeder, wenn er mal der Sieger ist. Axel Greiners Geheimnis: „Am besten ist es wenn ich die Kugel so werfe, dass sie leicht hin und her läuft.“

Dieter Kock setzt beim Kegeln lieber auf Kraft, damit hat er auch schon mal gewonnen. Quelle: Sven Wehde

Stoffhund für den Pudelkönig

Dieter Kock, der Bruder von Rainer, setzt lieber auf ordentlich Schwung. „Ich mach das mit Kraft, einmal habe ich so auch schon gewonnen. Aber heute fehlt das Wurfglück. Immer wieder ertönt das Klingelzeichen im Keglerraum, das einen Fehlwurf anzeigt. „Warum muss ich denn heute so viele Pudel schmeißen“, fragt Dieter Kock und nimmt es mit Humor. Vielleicht liegt er ja beim nächsten Mal schon wieder vorn.

Und sonst gibt es heute anstatt des Pokals den kleinen Stoffhund mit nach Hause, den gewinnt nämlich immer der Pudelkönig. Außerdem gibt es heute beim Adventskegeln noch eine Chance, ein extra Spiel mit dem passenden Namen „Weihnachtsbaum“ steht auf dem Programm. Dabei werden die Kegel wie ein Tannenbaum aufgestellt.

In vier Wochen treffen sich dann alle wieder im Keglertreff in Klein Gladebrügge, dank des Engagements von Renate Höppner, der Lebenshilfe und der Spender, die die Freizeitförderung der Lebenshilfe überhaupt erst möglich machen.

Weitere Informationen zu „Hilfe im Advent“

Klicken Sie hier, um auf einer Themenseite alle Berichte zur LN-Aktion „Hilfe im Advent“ zu lesen

Leben mit Behinderungen: So meistert eine Lübecker Familie die Barrieren des Alltags (große LN-Reportage)

Der Landesbeauftragte für Menschen mit Behinderung im Interview: Warum Schleswig-Holstein Nachholbedarf hat

Diese Initiativen unterstützen wir 2019 mit Ihrer Spende – in den Artikeln steht, wie Sie helfen können:

Lübeck: Die Marli GmbH hilft schwerbehinderten Menschen. Mehr Informationen zum Projekt.

Ostholstein: „Die Ostholsteiner“ helfen Menschen mit Behinderung zu mehr Selbständigkeit und Bewegungsfreiheit. Mehr Informationen zum Projekt.

Segeberg und Stormarn: Die „Lebenshilfe“ hilft Menschen mit Behinderungen, dass sie an alltäglichen Aktivitäten wie Disco oder Kegeln teilnehmen können. Mehr Informationen zum Projekt.

Herzogtum Lauenburg: In der integrativen Kindertagesstätte Heidepünktchen werden Kinder mit und ohne Handicap gemeinsam aufs Leben vorbereitet. Mehr Informationen zum Projekt.

Falls Sie eine Spendenbescheinigung wünschen, geben Sie Ihren Namen und Ihre Adresse bei der Überweisung an. Bei Spenden bis 200 Euro reicht der Überweisungsbeleg als Bescheinigung.

Von Sven Wehde