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Segeberg Kellerkind-Prozess vor dem Bad Segeberger Amtsgericht
Lokales Segeberg Kellerkind-Prozess vor dem Bad Segeberger Amtsgericht
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21:20 10.10.2014
In diesem Raum war der Dreijährige eingeschlossen. Nachweisbar ist nur ein Tag im Keller-Verlies.
Bad Segeberg

Der Kellerkind-Fall wird nun doch nicht vor dem Landgericht, sondern „nur“ vor dem Bad Segeberger Amtsgericht verhandelt. Das teilte gestern die Sprecherin am Oberlandesgericht, Dr. Christine von Milczewski, auf LN-Anfrage mit. Die Staatsanwaltschaft hatte ursprünglich vor, die Eltern des Kindes beim Landgericht Kiel anzuklagen.

Das Landgericht sieht den „Bad Segeberger Kinderschutzfall“ von der „geringeren Straferwartung her“ aber eher beim Amtsgericht. Und eine Verhandlung vor dem Landgericht lasse sich auch nicht rechtfertigen, wenn das öffentliche Interesse sehr groß sei. Dagegen hatte die Staatsanwaltschaft Beschwerde eingelegt. Vergeblich. Jetzt ist das Amtsgericht mit dem Jugendschutzverfahren beschäftigt. Die Akten seien noch gar nicht vor Ort, ein Termin für die Verhandlung stehe noch nicht fest, sagte Christine von Milczewski.

Es geht um den Vorwurf der elterlichen Freiheitsberaubung bei dem dreijährigen Jungen und um Körperverletzung durch den Vater. Diesem wird vorgeworfen, eines der älteren Geschwister geschlagen zu haben. „Wir haben sehr viele Zeugen vernommen“, erklärte Oberstaatsanwalt Axel Bieler. Aber eine andauernde Kindesmisshandlung und Verletzung der Fürsorgepflicht sei nicht nachzuweisen.

Der „Bad Segeberger Kinderschutzfall“ hatte bundesweit für Aufmerksamkeit gesorgt. Die Recherchen der LN hatten dazu geführt, dass der Fall im Herbst 2012 auch zu einem Politikum wurde. Das Kleinkind war nach den Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft in einem Kellerraum im Bussardweg von seinen Eltern eingesperrt worden, erst durch das couragierte Eingreifen von einem zufällig anwesenden Handwerker und der Vermieterin konnte das Kind von der Polizei befreit werden.

Die erschütterten Augenzeugen gingen davon aus, dass das in der Entwicklung zurückgebliebene Kind offenbar über Tage oder gar Wochen in dem mit Kot völlig verdreckten Raum eingesperrt gewesen war.

Das alles war offensichtlich passiert, obwohl Kreisjugendamt und seine Helfer die von der Behörde betreuten Familie häufiger besucht hatten. Die LN fanden außerdem heraus, dass der Kreis vom Gericht längst den wichtigsten Teil des Sorgerechts für den Jungen übertragen bekommen hatte. Es wurde nach der Mitverantwortung gefragt. Die damalige Landrätin Jutta Hartwieg wurde nach Kiel zitiert, um im Landtag Rede und Antwort zu stehen. Die Arbeit des Jugendamtes kam auf den Prüfstand. Ein Gutachter wurde eingeschaltet, die Behörde musste personell erheblich verstärkt werden.

Trotz des Schocks über den Fall dürften die strafrechtlichen Konsequenzen für die Eltern eher gering ausfallen. Das Kind sei nachweisbar nur für einen Tag im Keller eingesperrt gewesen, so Staatsanwalt Bieler. Mehr sei nicht zu beweisen. Deshalb könne man auch nicht Rückschlüsse auf eine Vernachlässigung ziehen. Die dafür notwendigen, konkreten Taten seien nicht durch Zeugen belegt.

„Der Senat sagt vollkommen zu Recht, dass das einmalige Einsperren nicht für den Vorwurf der Vernachlässigung ausreiche.“ Zumal das Alter der Kotspuren im Keller nicht feststellbar gewesen sei. Es mangelt an Aussagen, die älteren Geschwisterkinder sagen nicht aus. Eine der älteren Töchter hat nach LN-Informationen ihre Aussage zurückgezogen.

Niemand weiß, was sich im Endeffekt alles hinter den Mauern des Eigenheims abgespielt hat. Es seien auch keine Schuldzuweisungen erlaubt, weil das damals dreijährige Kind bis heute Entwicklungsverzögerungen aufweise. Dafür kann es viele Gründe geben, die nicht strafrelevant sind. Die Vernehmung der Kinder werde in der Verhandlung unter Ausschluss der Öffentlichkeit erfolgen, so Bieler. Ob das Verfahren sonst öffentlich sei, könne er nicht vorhersagen.

Als das Kind befreit wurde
Nach Aussage der Vermieterin gegenüber den LN war am 13. Juni 2012 ein Monteur im Keller, um die Heizung zu kontrollieren. Als er eine Kinderstimme hörte, ging die Vermieterin trotz Mieter-Proteste in den Keller. „Es herrschte ein bestialischer Gestank.“



Mit der Polizei wurde eine verriegelte Tür geöffnet. „Da steht ein kleiner Junge, drei Jahre alt, splitternackt und strahlt uns an. Nie werde ich dieses Gesicht vergessen. Im Zimmer stand noch ein dreckiges Jugendbett ohne Lattenrost. Der ganze Raum war mit Kot eingeschmiert.“ Der Junge selbst wirkte sauber und unverletzt.
Das Kind müsse dort über Monate eingesperrt worden sein, vermutete die Frau.

Wolfgang Glombik

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