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Segeberg Klimanotstand auch für Bad Segeberg?
Lokales Segeberg Klimanotstand auch für Bad Segeberg?
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16:55 13.05.2019
Fridays for Future: Schüler demonstrieren in Bad Segeberg auf dem Marktplatz. Quelle: Irene Burow
Bad Segeberg

Großbritannien hat ihn ausgerufen, Irland folgte vor wenigen Tagen. In Deutschland erklärte erst Konstanz, jetzt auch Heidelberg: Bei allen zukünftigen Entscheidungen in der Politik hat Klimaschutz oberste Priorität.

Und der Norden zieht nach. Die Lübecker Bürgerschaft diskutiert den Linken-Antrag am 23. Mai, die Kieler Ratsversammlung hat den interfraktionellen Antrag am 16. Mai auf der Tagesordnung. In Kreisen der Fridays for Future-Bewegung gilt letzterer als so gut wie beschlossen.

Bad Segeberg diskutiert Klimanotstand am 21. Mai

Auch Bad Segeberg ist sich für eine Debatte nicht zu schade. Die Schüler, die regelmäßig auf dem Marktplatz streiken, haben entsprechende Maßnahmen formuliert und dem Bürgermeister übergeben. Dieter Schönfeld (SPD) hat den Antrag auf die Tagesordnung der Stadtvertretung am 21. Mai gehoben.

„Den Klimanotstand auszurufen ist vor allem ein symbolischer Akt“, sagt Dominique Swoboda, deren Tochter Nina jeden Freitag für das Klima auf die Straße geht. Die 16-Jährige war in Deutschland am 7. Dezember die erste, die sich Greta Thunberg angeschlossen hatte.

„Der Klimanotstand soll jedoch an Bedingungen gekoppelt sein: Jede politische Entscheidung muss unter Klimaaspekten abgewogen werden.“ Sie habe Kevin Kühnert am vergangenen Donnerstag darauf angesprochen. „Er hat versprochen, dass er sich bei unserem Bürgermeister dafür einsetzt“, sagt Dominique Swoboda. Der Bundesvorsitzende der Jungsozialisten war mit SPD-Spitzenkandidatin Katarina Barley auf Wahlkampftour in Bad Segeberg.

„Wäre Eulenspiegel-Streich“

Bürgermeister Dieter Schönfeld lobt die Initiative der Schüler. Er habe die Resolution mit Respekt zur Kenntnis genommen. „Das ist solide formuliert, wirklich große Klasse“, sagt er. Auch die Art, wie demonstriert werde, sei überzeugend. In anderen Fällen habe man in der Verwaltung aufgrund von Müllbergen nach Demos nur den Kopf schütteln können.

Dennoch könne er der Stadtvertretung nicht empfehlen, für einen Klimanotstand zu stimmen. „Wir sind ein anerkannter Luftkurort“, sagt Dieter Schönfeld. „Unsere Luftwerte liegen in der Norm. Die Menschen kommen zu uns, weil es für die Gesundheit bekömmlich ist.“ Gerade auch die Landschaft, die Seen und die Veranstaltungen tragen dazu bei.

Für die Stadt wäre eine solche Entscheidung kontraproduktiv und nicht überzeugend. „Würde die Stadtvertretung dafür stimmen, wäre das ein echter Eulenspiegel-Streich. Für den Tourismus wäre das eher schädlich“, sagt Schönfeld.

„Weckruf für die Welt und Deutschland

Dieter Schönfeld: Die EWS bezieht 100 Prozent des Stroms aus Wasserkraft. Quelle: Irene Burow

Für mehr Klimaschutz ist er trotzdem. „Es ist gut, dass dieser Weckruf die Welt und Teile Deutschlands erreicht. Weltweit wird zu wenig getan. Der amerikanische Präsident betreibt mit seiner lebensfremden Einstellung sogar Politik dagegen. Dabei sind die Langzeitauswirkungen besorgniserregend. Wir sind da im Bundesgebiet leider auch nicht vorbildlich.“ Doch da sei die Bundesregierung gefragt.

Die Stadt Bad Segeberg tut trotzdem, was sie kann: Zum Beispiel mit Elektrofahrrädern für Mitarbeiter. Der regionale Energieversorger EWS, an dem die Stadt beteiligt ist, beziehe seinen Strom ausschließlich aus Wasserkraft.

Weitere Klima-Aktivitäten werden der Stadtvertretung am 18. Juni vorgelegt. Nicht zuletzt sei auch das Dauerthema A-20-Weiterbau relevant. „Ich hoffe für die Stadt, dass so schnell wie möglich eine Lösung für die Durchgangsstraße gefunden wird“, so Schönfeld. Dabei sei es ihm fast egal, ob die Autobahn nun weiter nördlich oder drei Kilometer weiter südlich verläuft. „Das ist für’s Klima wichtig und auch für die Menschen hier.“

Demo am 24. Mai in Bad Segeberg

Ob Klimanotstand oder nicht: Die Jugendlichen machen weiter. Am 24. Mai, kurz vor der Europawahl, ruft die Bewegung Fridays for Future zum globalen Klimastreik auf. In Bad Segeberg sind wieder Schüler dabei.

Sie planen diesmal mehr als nur Banner am Marktplatz: Ein Demonstrationszug soll durch die Innenstadt führen, vorbei an der Dahlmannschule, der Schule am Seminarweg und dem Städtischen Gymnasium. „Wir wollen, dass sich so viele wie möglich beteiligen“, sagt Nina Swoboda, die sich insgeheim wünscht, dass ihre Schule am Seminarweg geschlossen mitmacht. „Das wäre ein echtes Zeichen.“

Start der Demo ist um 8.30 Uhr auf dem Markt. Der Weg soll durch die Innenstadt, über die Linden- und Ziegelstraße zurück zum Markt führen. Das Ende wird gegen 11.30 Uhr sein.

Umfrage: Ist das Streik oder Schuleschwänzen?

Irene Burow

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