Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Segeberg „Rothaut“-Kritik an Winnetou: Am Kern der Sache vorbei
Lokales Segeberg „Rothaut“-Kritik an Winnetou: Am Kern der Sache vorbei
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:23 18.06.2019
Oliver Vogt Quelle: NEELSEN
Anzeige
Bad Segeberg

Selbstverständlich haben die Wissenschaftler Recht. Das Indianerbild, das die Karl-May-Spiele in Bad Segeberg und anderswo seit Jahrzehnten prägen, wird den Tausende Jahre alten Kulturen der nordamerikanischen Ureinwohner nicht einmal im Ansatz gerecht. Widerspruch zwecklos. Am Kern der Sache geht die Kritik dennoch vorbei.

Denn Karl Mays Indianer mögen zu großen Teilen einer lebhaften Fantasie entsprungen sein. Es ist aber die Fantasie eines Menschenfreundes, der Gutes wie Böses in allen Menschen sah, gleich welcher Herkunft, Religion oder Nationalität. Niemals sind Indianer in seinen Werken „primitive Wilde“, niemals dem „weißen Mann“ unterlegen; sie sind gewöhnliche Menschen mit menschlichen Sorgen – und kommen uns dadurch nahe, werden greifbar. Das bildet bei Weitem nicht die komplexe Realität der amerikanischen Ureinwohner ab, es steht aber auch nicht im Widerspruch zu ihr. Und darauf kommt es letztlich an.

Anzeige

Von Karl May und seinen vielen geistigen Erben ist es ein nicht zu unterschätzendes Verdienst, in Generationen das Interesse und die Wertschätzung für diese Völker geweckt und damit erst den Boden für eine tiefere Auseinandersetzung mit den Indianern und dem Frevel an ihnen bereitet zu haben. Wer hier nur die engen Maßstäbe der strengen Wissenschaftlichkeit oder der „Political Correctness“ anlegen will, der begibt sich genau auf das dünne Eis, auf dem zu stehen er anderen vorwirft: Er bildet nur einen kleinen Ausschnitt der Realität ab und verkennt das ganze Bild.

Zum Artikel: Forscherin: Karl-May-Spiele können so nicht weitermachen

Oliver Vogt

Anzeige