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Segeberg Kosten „indiskutabel“: Ellerau sucht neuen Verwaltungspartner
Lokales Segeberg Kosten „indiskutabel“: Ellerau sucht neuen Verwaltungspartner
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21:34 09.04.2018
Von welcher Verwaltung wird sich die Gemeinde Ellerau künftig verwalten lassen: von Norderstedt, Henstedt-Ulzburg oder Quickborn? Quelle: Fotos: Fuchs
Ellerau

Dieser Vertrag, der mit dem Kündigungsschreiben einging, soll rückwirkend zum 1. Januar 2018 gelten, wie Stadtsprecher Bernd-Olaf Struppek erklärt. Darin ist aber eine Verdopplung der Kosten dieser Dienstleistung auf 1,3 Millionen Euro im Jahr enthalten, die Elleraus Bürgermeister Eckart Urban als „völlig indiskutabel“ bezeichnet. Er hat sich jetzt weitere Angebote von den Stadtverwaltungen der Nachbarkommunen Henstedt-Ulzburg und Quickborn im Kreis Pinneberg eingeholt. Über alle drei Angebote soll die Gemeindevertretung am 26. April entscheiden.

Die Tage der Verwaltungsgemeinschaft von Ellerau und Norderstedt sind gezählt. Die Stadt hat diese Partnerschaft, die seit dem 1. Januar 2007 besteht, fristgerecht zum 30. Juni nächsten Jahres gekündigt. Zugleich hat Norderstedt der Gemeinde aber einen Folgevertrag angeboten.

Doch dann könnte es für den Verbleib bei Norderstedt schon zu spät sein, warnt Stadtsprecher Struppek. Die Zeit dränge. „Es ist allerhöchste Eisenbahn.“ Die Stadt habe der Gemeinde Ellerau (6100 Einwohner) schon Ende November nach der Oberbürgermeisterwahl in Norderstedt und auch noch in weiteren Verhandlungsrunden im Februar und März dieses Jahres klar und deutlich signalisiert, dass sie noch vor der Kommunalwahl am 6. Mai Klarheit haben wolle, wo die Reise für Ellerau hingeht. „Denn wir brauchen mehr als ein Jahr Zeit für eine Rückabwicklung, falls Ellerau die Kündigung zum 30. Juni 2019 annimmt.“

Somit müsste die Entscheidung in Ellerau noch vor der Sitzung des Norderstedter Hauptausschusses am 18. April und auf jeden Fall vor der Stadtvertretersitzung am 24. April fallen, betont Stadtsprecher Struppek. Der 26. April wäre Norderstedt eindeutig zu spät.

Doch die Gemeinde Ellerau will sich nicht drängen lassen und hält an ihrem Termin für den 26. April fest. Womöglich hat sich Bürgermeister Urban innerlich schon von der Partnerschaft mit Norderstedt losgesagt. So sagt Urban: „Das Finanzielle hat großes Gewicht.“ Und da könnte das Angebot aus Quickborn, das sich im Bereich von 800 000 Euro pro Jahr bewegen soll, sich als ebenso „unschlagbar“

erweisen wie das vor zwölf Jahren von Norderstedt, wie Henstedt-Ulzburgs Bürgermeister Stefan Bauer es heute bezeichnet.

Damit spielt Bauer auf den plötzlichen Karrieresprung des damaligen hauptamtlichen Bürgermeisters von Ellerau, Torsten Thormählen, an. Der wurde gleichzeitig mit der Verwaltungsgemeinschaft, die dem damaligen Norderstedter Oberbürgermeister Hans-Joachim Grote eine Herzensangelegenheit war, hauptamtlicher Zweiter Stadtrat in Norderstedt, sodass sich Ellerau mehr als drei Jahre lang seine Bürgermeister-Bezüge sparen konnte. Sonst hätten sie ihn weiter bezahlen müssen. Im Jahr 2013 wurde Thormählen wegen nicht genehmigter Zusatzeinnahmen als Vorstand der Kommunalbetriebe Ellerau, der er weiter geblieben war, als Bürgermeister in Henstedt-Ulzburg abgewählt, der er dort seit Juli 2010 gewesen war.

Sein Amtsnachfolger Bauer sagt: „Es geht darum, einem Nachbar zu helfen und zu dieser Hilfestellung sind wir immer gerne bereit.“ Nähere Angaben zu den veranschlagten Kosten, die seine Gemeinde für eine Verwaltung Elleraus verlangt, möchte er öffentlich nicht machen. Nur so viel: „Wir müssten auf jeden Fall unser Personal aufstocken.“

Die Stadt Norderstedt beschäftigt nach Urbans und Struppeks Angaben etwa zehn Mitarbeiter im Bürgerbüro in Ellerau sowie einige im eigenen Rathaus für die Angelegenheiten der Gemeinde. Struppek begründet die erheblich höheren Kosten, die Norderstedt verlange, damit, „dass wir nun Spitz auf Knopf ausgerechnet haben, was uns die Verwaltungsgemeinschaft kostet“.

Struppek weiß aber auch, dass die Rückdatierung des Vertrages, der ja noch eineinhalb Jahre nach den bisherigen Bedingungen so weiterlaufen würde, „ein Knackpunkt für Ellerau ist“.

Somit könnte nun Henstedt-Ulzburg für Ellerau ins Spiel kommen. „Wir haben sehr gute Beziehungen zu Ellerau“, wirbt Bauer für die Partnerschaft. Die Bürger der Nachbargemeinde kämen zum Einkaufen in seine Großgemeinde, nutzten die gute Infrastruktur oder die bessere medizinische Versorgung. „Wir stehen mit Ellerau im Dialog.“ Das Angebot liege der Nachbargemeinde schriftlich vor. Die Einzelheiten einer Verwaltungsgemeinschaft müssten natürlich noch besprochen werden.

Für Quickborn spricht neben dem finanziellen Aspekt die räumliche Nähe beider Orte. Allerdings hat es in der jüngsten Vergangenheit viele Konfliktfelder gegeben wie die Vergrößerung des Einzelhandelsangebots in Ellerau, die Quickborn stets torpediert hat. Urban sagt sybillinisch: „In zwei Wochen sind wir schlauer.“

Vom Land verordnet

Ellerau wollte eigentlich selbstständig bleiben. Im März 2006 hatten sich rund 90 Prozent der Wähler in einem Bürgerentscheid dafür ausgesprochen. Aber die Gemeinde biss mit diesem Ansinnen beim Land auf Granit. Nach einer Strukturreform mussten sich alle amtsfreien Gemeinden und Ämter unterhalb einer Größe von 8000 Einwohnern zu größeren Einheiten zusammenschließen.

Im Herbst 2006 stimmte Ellerau mit großer Mehrheit dem Fusionsvertrag mit Norderstedt zu. Ein weiteres Beispiel für diese vom Land verordnete Fusion ist die Eingliederung der Trappenkamper Verwaltung in die des Amtes Bornhöved 2008.

 Burkhard Fuchs