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Segeberg Kräftiger Gegenwind für Windkraft
Lokales Segeberg Kräftiger Gegenwind für Windkraft
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23:10 10.05.2017
Die Landwirte in der Gemeindevertretung, zu denen Hans Henning Struve (3.v.r.) und Christian Volck (r.) gehören, mussten sich dieses Mal einiges anhören.
Die Landwirte in der Gemeindevertretung, zu denen Hans Henning Struve (3.v.r.) und Christian Volck (r.) gehören, mussten sich dieses Mal einiges anhören. Quelle: Fotos: Dreu (3)
Groß Rönnau

Dort hagelte es Vorwürfe und Rücktrittsforderungen gegen die Eigentümer von Windeignungsflächen im Gemeinderat. Sie hatten an der Gemeinde vorbei Absprachen mit der Windprojektfirma Nadeva Wind GmbH getroffen. Diese möchte auf einer 112 Hektar großen Fläche entlang der L 68 bis zu elf Windkraftanlagen mit einer Gesamthöhe von 180 Meter bauen (die LN berichteten).

170 Zuhörer in der Sitzung der Gemeindevertretung – Rücktrittsforderungen gegen die Landeigentümer in der Vertretung.

Bereits am 31. Mai vergangenen Jahres hatte sich die Gemeinde in einer Stellungnahme gegen Windkraft auf ihrem Gebiet ausgesprochen. Als dann am 6. Dezember der neue Entwurf des Regionalplans vorgestellte wurde und die ehemals ausgewiesenen Flächen nicht mehr als Windvorranggebiete eingezeichnet waren, war das Thema für die Gemeinde eigentlich erledigt. Allerdings sind besagte Flächen auch keine Tabuzonen, sie könnten unter bestimmten Voraussetzungen doch bebaut werden.

„Vor vier Wochen habe ich einen Anruf bekommen und bin aus allen Wolken gefallen, dass es bereits Treffen zwischen den Landeigentümern und dem Windkraft-Unternehmen gegeben hat. Bei mir stand das Telefon nicht mehr still“, sagte Bürgermeisterin Gesche Gilenski (CDU) während der Sitzung. Erst kurz vorher hatte sie erfahren, dass sogar ihr Bruder zu den Landeigentümern gehört und sie folglich wegen Befangenheit ebenfalls nicht an Abstimmungen zu dem Thema teilnehmen darf. Das gleiche Schicksal traf Gemeindevertreter Andreas Behnk (KWG), dessen Verwandten Flächen in dem Gebiet gehören.

Mit Stephan Hamann (KWG) und Hans Henning Struve (CDU) gehören ausgerechnet zwei stellvertretende Bürgermeister zu den Landeigentümern. Dritter im Bunde ist Christian Volck (CDU). Er und Stephan Hamann schwiegen, als Sprecher hatten sie Hans Henning Struve nach vorne vorgeschickt. Seine Argumente: Bei den Flächen handele es sich um privates Eigentum und ureigene Interessen, der Milchpreis sei schlecht, die Landwirte hätten einige Turbulenzen erlebt. „Wenn sich uns eine Chance bietet, ein solches Standbein zu bekommen, müssen wir das nutzen“, betonte Struve. Die Antwort kam prompt:

„Aber auf Kosten der Natur und der Bürger“, sagte Andrea Wätjen aus Pettluis. Ihr pflichtete Blunks ehemaliger Bürgermeister Detlef Pape bei, der sich vor allem über die Vorgehensweise ärgert: „Es ist beschämend, dass das durch die Hintertür geschieht.“

Biotope, Bodenbrüter, Großvögel wie Kraniche, Weißstörche oder Rotmilan, mit EU-Mitteln geförderte Schutzgebiete und Infraschall: Die Liste der Einwohner-Argumente gegen Windkraftanlagen ist lang.

Kopfschütteln erntete dabei der Versuch Struves, sich selbst als Opfer darzustellen: „Wir wohnen mit unseren Betrieben alle am Rand und sind von Infraschall genauso betroffen wie alle anderen auch.“

Verständnis für die Landeigentümer zeigte Marco Thiede aus Groß Rönnau: „Ich kann euch verstehen und würde es auch tun. Es geht ums Geld“, sagte er, gab aber zu bedenken, dass Gemeinden mit Windkraft unter sinkenden Immobilienpreisen litten.Besonders deutlich wurde Herbert Ott aus Groß Rönnau: „Ich finde es nicht ehrlich, schon alles klarzumachen und uns vor vollendete Tatsachen zu stellen. Ihr seid unsere Gemeindevertreter. Legt eure Ämter nieder, mit solchen Gemeindevertretern möchte ich nichts zu tun haben.“ Solche Forderungen waren auch nach der Sitzung noch zu hören, denn vor der Tür wurde intensiv weiter diskutiert. In der Abstimmung über die neue Stellungnahme zum Regionalplan sprach sich der klägliche Rest von vier Gemeindevertretern einhellig gegen neue Windkraftflächen aus.

Im Internet kann jeder zu dem Regionalplan-Entwurf unter www.bolapla-sh.de Stellung nehmen. Ebenfalls zur Windkraft tagt die Gemeindevertretung Blunk am 18. Mai, 19.30 Uhr, im Alten Bahnhof.

 Petra Dreu