Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Segeberg Kreis Segeberg wird zum Corona-Hotspot in Schleswig-Holstein
Lokales Segeberg

Kreis Segeberg wird zum Corona-Hotspot in Schleswig-Holstein

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:30 16.03.2021
Der Infektionsschutz in der Kreisverwaltung in Bad Segeberg kommt wieder an seine Grenzen.
Der Infektionsschutz in der Kreisverwaltung in Bad Segeberg kommt wieder an seine Grenzen. Quelle: Agentur 54°
Anzeige
Bad Segeberg

Während die Menschen in weiten Teilen Schleswig-Holsteins auf weitere Lockerungen hoffen, droht in Segeberg ein neuer Lockdown. Der Kreis hat dramatisch steigende Infektionszahlen und ist der neue Corona-Hotspot in Schleswig-Holstein. Am Dienstag lag die Inzidenz, also die Zahl der Corona-Infektionen pro 100 000 Einwohner in den letzten sieben Tagen, in Segeberg schon wieder bei 87,3. Vor rund einer Woche lag sie noch bei 66,4. Im Landesdurchschnitt liegt die aktuelle Corona-Inzidenz hingegen „nur“ bei 51,1. Auch die anderen Hamburger Randkreise wie Stormarn (74,5) und das Herzogtum Lauenburg (80,8) weisen eine überdurchschnittlich hohe Corona-Inzidenz auf.

Ausbrüche an Schulen und Kitas

Bei der Ursachenforschung verweist das Sozialministerium auf die Kreisgesundheitsämter. Beim Gesundheitsamt in Segeberg sieht man zum einen Schulen und Kitas als Problem. „Wir haben derzeit an 20 Schulen und Kitas im Kreis Kenntnis von Coronafällen. Infiziert sind sowohl Kinder als auch Kitamitarbeiter und Schulbeschäftigte“, sagt Kreissprecherin Sabrina Müller. Da Kinder häufig symptomlos seien, würden jetzt beim Testen der Kontaktpersonen zudem weitere Infektionen aufgedeckt, die ohne Testung möglicherweise nicht aufgefallen wären. „Das führt auch zu steigenden Fallzahlen“, so Müller. Zu der Situation an den Schulen und Kitas komme eine „diffuse Zunahme an Infektionen im gesamten Kreisgebiet“. Müller: „Menschen stecken sich vermehrt wieder bei der Arbeit sowie im privaten Umfeld an. Infizierte haben wieder mehr Kontaktpersonen als noch vor ein paar Wochen. Hinzu kommt, dass sich die deutlich ansteckendere britische Mutation B 1.1.7 immer weiter ausbreitet.“

Links zu interessanten Corona-Statistiken

Diese beiden Artikel sind kostenlos für alle lesbar, die nachfolgenden regionalen Analysen sind LN-Plus-Lesern vorbehalten. Testen Sie jetzt kostenlos LN+!

Mehr aus Ihrer Region:

Kitas und Schulen zu früh geöffnet?

Die frühe Öffnung der Schulen und Kitas bereits ab dem 22. Februar scheint also zumindest im Süden des Landes negative Folgen zu haben. Vor einer Woche musste das Land deshalb für den Kreis Segeberg schon eine erste Rolle rückwärts anordnen. Grundschüler und fünfte und sechste Klassen kehrten zurück in den Wechselunterricht, Kitas zurück in den eingeschränkten Regelbetrieb. „Vielleicht ist da zu früh geöffnet worden, nicht nur in den Schulen. Wir haben den Stimmen, die eine Rückkehr zu einem halbwegs normalen Leben gefordert haben, zu schnell nachgegeben“, glaubt Rüdiger Nelson, Leiter der Burgfeldschule, einer Gemeinschaftsschule mit Oberstufe in Bad Segeberg.

Einzelhandel und Gastronomen enttäuscht

Segeberger Einzelhändler befürchten nun, dass sie nächste Woche wieder schließen müssen. „Die meisten Kollegen sind vorbereitet auf Click and Meet“, sagt Marlis Stagat, Vorsitzende des Bad Segeberger Unternehmerverbandes „Wir für Segeberg“ (WfS). Sie würde eine erneute Schließung jedoch als nicht gerechtfertigt empfinden. „Wenn man sich die Zahlen analytisch anschaut, wird man sehen, dass die steigenden Corona-Zahlen nichts mit dem Einzelhandel zu tun haben. Die Abstands- und Hygieneregeln im Handel funktionieren.“ Und auch die Gastronomen sind verärgert. „Wir werden bei diesen Zahlen keine Öffnung zu Ostern bekommen. Wir sind die Gebeutelten in jeglicher Hinsicht. Wir waren die ersten, die am 2. November zugemacht haben. Wir haben jetzt seit fünf Monaten eine behördliche Zwangsschließung“, sagt Lutz Frank, Vizepräsident des Dehoga-Landesverbandes und Restaurantbesitzer in Bad Segeberg. Man habe alle Abstands- und Hygieneregeln eingehalten, Trennelemente aufgebaut und mit Maske bedient, „aber geöffnet wurden die Friseure, die Kopf an Kopf arbeiten und in den großen Supermärkten, da ist Wildwest, da spielen alle verrückt, aber uns machen sie dicht“.

Entscheidung am Mittwoch

Wie es im Kreis Segeberg und den anderen Regionen und Städten ab nächster Woche weitergeht, entscheidet sich am Mittwoch. Denn dann prüft die Landesregierung jeweils aufgrund der aktuellen Lage, ob und welche Änderungen der Verordnung notwendig sind. Steigt die Inzidenz in Segeberg sogar über 100, werde das weitere Vorgehen eng mit dem Land abgestimmt, das gelte sowohl für mögliche Verschärfungen, als auch für den Zeitpunkt, ab dem diese greifen sollen, so die Kreissprecherin. Die Maßnahmen seien abhängig von der Ausbruchslage. Wie die Maßnahmen genau aussehen könnten, sagt niemand. Aber klar ist: Auch eine Rückkehr in den totalen Lockdown ist nicht ausgeschlossen.

Von Sven Wehde