Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Segeberg Kreistag beschließt Maßnahmen gegen den Ärztemangel
Lokales Segeberg Kreistag beschließt Maßnahmen gegen den Ärztemangel
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:06 28.06.2019
Dem Kreis Segeberg droht in den kommenden Jahren ein Mangel an Hausärzten. Ein Drittel der Ärzte stehen bereits im Rentenalter oder kurz davor. Quelle: picture alliance / dpa Themendienst
Bad Segeberg

Ein Drittel der im Kreis Segeberg niedergelassenen Hausärzte ist bereits im Rentenalter oder wird es in den kommenden Jahren erreichen. Mit rechnerischen „110 Prozent“ ist die Versorgungslage im Kreis nach Einschätzung der Kassenärztlichen Vereinigung Schleswig-Holstein (KVSH) derzeit zwar noch gut, das dürfte in den kommenden Jahren ändern, wenn zugleich immer wieder medizinischer Nachwuchs zur Verfügung steht. Und noch weniger Jungärzte, die eine eigene Praxis übernehmen wollen. Der Kreistag hat in seiner Sitzung am Donnerstag nun einstimmig ein Maßnahmenpaket beschlossen, wie diesem Wandel zu begegnen ist.

„Eigentlich sind wir in dieser Frage gar nicht zuständig“, stellte Landrat Jan Peter Schröder während der Sitzung klar. Die Gewährleistung der Versorgungssicherheit sei in erste Linie eine Sache der KVSH sowie Sttädte und Gemeinden. „Allerdings sind wir auch mehr als nur Beobachter.“ Denn niedergelassene Ärzte seien standortrelevant, entschieden ebenso wie die Erreichbarkeit von Schulen und Kindergärten über die Lebensqualität in einer Region. „Wir müssen deshalb jetzt anfangen, die Zeit zu nutzen, bevor es wirklich kritisch wird“, sagte Schröder.

Die eine Lösung gebe es zwar nicht, räumte der Landrat ein. Es müsse vielmehr ein Paket von Maßnahmen sein, mit denen Ämter, Städte und Gemeinde unterstützt werden könnten.

Vorgesehen ist ein Paket von Maßnahmen

Konkret gründet sich das von der Kreisverwaltung in Zusammenarbeit mit Experten ausgearbeitete Konzept auf drei Säulen: Zum einen soll die Stelle eines unabhängigen Koordinatoren geschaffen werden. Dessen oder deren Aufgabe wird es sein, im Gespräch mit Kommunen und Akteuren vor Ort, individuelle Lösungen zu erarbeiten. Wenn eine Stadt zum Beispiel plant, ein eigenes Ärztezentrum einzurichten oder sich finanziell an einem solchen zu beteiligen, würde der Koordinator gemeinsam mit medizinischen und betriebswirtschaftlichen Experten die fachliche Begleitung bis hin zu den Beschlüssen in den Kommunalgremien übernehmen. Die Kosten für den Koordinator will der Kreis übernehmen. Ob der Kreis auch für die benötigten externen Berater aufkommt, ist jedoch nicht entschieden.

36,1 Prozent der Ärzte sind über 60

Im Kreis Segeberg gibt es derzeit 167,25 hausärztliche Stellen, das entspricht in etwa der gesetzlichen Versorgungsquote von 110 Prozent. Das Durchschnittsalter der niedergelassenen Ärzte im Kreis liegt nach Zahlen der KVSH aus dem Jahr 2017 bei 55,3 Jahren, 36,1 Prozent sind 60 Jahre oder älter. Das Durchschnittsalter der Ärzte in Schleswig-Holstein ist mit 54,6 Jahren nur wenig niedriger.

Zum zweiten will der Kreis den Ausbau von Ärzte- und Medizinischen Versorgungszentren forcieren, um den Wunsch vieler Jungärzte nach einem Angestelltenverhältnis Rechnung zu tragen. Das „Büsumer Modell“ eines Ärztezentrums in Eigenregie der Kommune sieht der Kreis wegen der hohen wirtschaftlichen Risiken sowie der strengen rechtlichen Anforderungen aber nicht als optimal an. Eher sollten Ärzte und Krankenhäuser – mit hohen staatlichen Fördermöglichkeiten – beim Aufbau von Gesundheitszentren unterstützt werden. Diese könnten auch um weitere Gesundheitsdienstleistungen wie Apotheken, Physiotherapeuten, ambulante Pflegedienste oder ähnliches ergänzt werden.

Bei der dritten Säule geht es um die Verbesserung der Weiterbildung von Jungärzten zu Fachärzten für Allgemeinmedizin, die nicht nur durch Klinken, sondern verstärkt durch niedergelassene Ärzte erfolgen soll. Derzeit würde die sogenannte Verbundweiterbildung gerade von den Kliniken nicht ausreichend gefördert. Wegen des allgemein Ärztemangels würden Weiterbildungsassistenten lieber von den Kliniken selbst eingesetzt, anstatt sie zur Ausbildung auch an Arztpraxen zu vermitteln. Dem Kreis schweben deshalb finanzielle Anreize für Klinken zur Teilnahme an der Verbundausbildung vor. Denn niedergelassene Ärzte, die ausbilden, so das Kalkül, finden leichter einen Nachfolger.

Die Gemeindeschwester könnte zurückkommen

Als flankierende Maßnahmen schlägt der Kreis außerdem vor das Konzept der Gemeindeschwester wieder aufleben zu lassen, wie es beispielsweise in Hessen mit dem Projekt „Gemeindeschwester 2.0“ praktiziert wird. Sie (oder er) könnten als Angestellte einer Amtsverwaltung in den ländlichen Bereichen des Kreises als „Kümmerer-Person“ Hausbesuche bei erkrankten oder pflegebedürftigen Menschen herstellen, und dann Ärzte, Pflegedienste oder andere Hilfsangebote vermitteln soll.

Bei den Abgeordneten des Kreistages kamen alle dieser Vorschläge sehr gut an. „Die Verwaltung hat hervorragende Arbeit geleistet“, sagte Angela Hahn-Fricke (CDU). Mit ihrem Konzept stelle sie auch den Vorschlag der CDU, die ein eigenes Medizinstipendium des Kreises angeregt hatte, in den Schatten. Lob kam auch von Rainer Schuchardt (Freie Wähler), der sich insbesondere für die Idee der Gemeindeschwester erwärmte. „Menschen werden sich nur dann dafür entscheiden, sich im ländlichen Raum anzusiedeln, wenn sie Angebote für ihre Grundbedürfnisse finden. Dazu gehört auch ein gut ausgebautes Gesundheitssystem“, so Schuchardt.

Oliver Vogt

Nachdem der Bad Segeberger Südstadtbeirat von der Stadtvertretung Nachbesserung beim Lärm-Streit um das Multifunktionsfeld verlangt, soll es nun extra wegen der Zaunfrage eine Sondersitzung geben.

28.06.2019

Die 15-jährige Sina Klingner aus Norderstedt gewinnt einen Wettbewerb zur Gestaltung von Kondomverpackungen. Hinter dem „Kondomwettbewerb Schleswig-Holstein“ stehen die Landesvereinigung für Gesundheitsförderung in Kooperation mit mehreren Gesundheitsämtern, Aids-Hilfen und -Beratungsstellen.

28.06.2019

Sommerferien! Doch den Verantwortlichen der Franz-Claudius-Schule in Bad Segeberg graust es schon vor dem nächsten Schuljahr. Lehrkräfte gehen in Ruhestand, der Grundschule fehlt es an Lehrpersonal. Klassen müssen zusammengelegt werden.

27.06.2019