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Segeberg Übernimmt der Kreis Bad Segebergs Stadtbus?
Lokales Segeberg Übernimmt der Kreis Bad Segebergs Stadtbus?
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17:35 22.11.2018
Der Kreis will die Kommunen von den Kosten für den Busverkehr entlasten. Auch der Bad Segeberger Stadtbus soll in die Regie des Kreises übergehen. Doch darüber wird noch gestritten. Quelle: GLOMBIK
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Bad Segeberg

 Das wäre für die finanziell gebeutelte Stadt Bad Segeberg eine große Entlastung, wenn ihr immer erfolgreicher werdende Stadtbus künftig vom Kreis getragen wird. Vielleicht wäre es auch die Rettung dieser Buslinien. Die Zeichen stehen nicht schlecht dafür. Claudius Mozer von der Südwestholsteinischen ÖPNV-Verwaltungsgemeinschaft (SVG), der Busexperte und Planer für den Kreis Segeberg, hat hierzu einige Vorschläge auf den Tisch gelegt. Danach soll der Kreis Segeberg schon ab Januar 2019 die Kosten des straßengebundenen öffentlichen Nahverkehrs im Kreis komplett übernehmen und damit seine Kommunen von dem Eigenanteil an den Schülerbusverkehren zu entlasten.

Erklärtes Ziel des Kreises ist nicht nur, den ÖPNV immer effektiver zu organisieren, sondern auch einen kreisweiten Busverkehr – aus einem Guss – aufzubauen. Nicht nur die Dörfer würden davon profitieren, sondern auch die Städte. Denn die Stadtbuslinien von Bad Segeberg, Bad Bramstedt und Kaltenkirchen sollen gleichfalls in die Trägerschaft des Kreises wechseln. Dieses Paket würde den Kreis nach jetzigem Stand 2,08 Millionen Euro jährlich kosten. Doch in der Sitzung des Kreis-Umweltausschusses wurde am Mittwoch klar, dass weitere angedachte Verbesserungen im ÖPNV das Paket noch teurer werden lassen.

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Kurt Barkowsky (CDU) sieht die Übernahme der Stadtbuslinien durch den Kreis sehr kritisch. Quelle: LN-ARCHIV

Indes haben Bad Segeberg und auch andere Kommunen mit Ausnahmen der misstrauischen Bornhöved, Gönnebek, Tarbek und Tensfeld schon Zustimmung signalisiert. Doch noch ist nicht alles in trockenen Tüchern: CDU-Fraktionsvorsitzender Kurt Barkowsky stellte klar, dass seine Fraktion absolut dafür sei, die Kommunen, die jetzt den Schulbusverkehr mittrügen, von den Kosten zu entlasten. Mit Ausnahme der Städte Bad Segeberg, Bad Bramstedt und Kaltenkirchen. Diese hätten ja die zusätzlichen Ausgaben für ihre Stadtbuslinien ausdrücklich selbst getragen. Für die Übernahme von deren Stadtbuslinien werde man nicht stimmen. Barkowsky: „Meine Fraktion ist dagegen, dass zusätzliche Leistungen dieser drei Städte mit übernommen werden.“ Wie heißt es so schön: Wer die Musik bestellt, muss sie auch bezahlen.

Hintergrund: Bad Segeberg trägt tatsächlich seit 2001 die Kosten für seine damals aus der Taufe gehobenen Stadtbuslinie. Immer wieder drohte das Aus für die zwei Linien, weil die Stadt das finanziell kaum tragen konnte und kann. 2020 läuft der Vertrag mit dem Busunternehmen Rode aus, und vorher müsste diese Leistung neu ausgeschrieben werden. Noch ist unklar, ob die Stadt, die vom Land keine Schuldenhilfe mehr erhält, das überhaupt noch stemmen will.  

Die Kreisstadt ächzt unter den rund 540 000 Euro, die sie jährlich für ihren Stadtbus berappen muss, wenn man die Fahrkartenerlöse abzieht. Der Stadtbus gehört mit zum HVV, davon profitieren die Fahrgäste. Darüber hinaus könnte der Kreis, würde er den Stadtbus bald in eigener Regie haben, die Linienführungen verbessern. Die CDU-Kreistagsfraktion wurmt zudem, dass die Stadt Bad Segeberg das geplante große Kreishaus an der Rosenstraße ohne jede Busanbindung lässt. Stattdessen will die Stadtvertretung dem Kreis aufbürden, dort mehr Mitarbeiter-Parkplätze zu bauen. Die Quittung könnte jetzt folgen: Würde sich die CDU-Fraktion durchsetzen mit ihrer Forderung, der Stadt den Stadtbus nicht abzunehmen, müsste der Kreis für die ÖPNV-Entlastung nur noch 1,3 Millionen Euro bereitstellen.

Der grüne Umweltausschussvorsitzende Arne Hansen kämpft für die Übernahme der Stadtbuslinien durch den Kreis. Quelle: LN-ARCHIV

Der grüne Ausschussvorsitzende Arne Hansen hält es „für keine gute Idee, das jetzt alles aufzudröseln“. Hansen kämpfte in der Sitzung für die große Lösung: „Wenn wir ÖPNV aus einem Guss gestalten und optimieren wollen, ist es notwendig, für alle Busverkehre zuständig zu sein.“ Es dürfe nicht sein, dass hier „jede Stadt ihr Süppchen kocht“. SPD-Fraktionsvorsitzende Edda Lessing will auch „keinen Flickenteppich beim ÖPNV“. Für die SPD sei es selbstverständlich, dass die Stadtbuslinien dazugehörten. Immerhin gab es im Umweltausschuss ein klares Ergebnis für das große Kreis-Paket inklusive Stadtbuslinien mit sieben Ja-Stimmen und vier Enthaltungen. „Nächster Halt“ für das ambitionierte Vorhaben ist der Kreis-Hauptausschuss...

Wolfgang Glombik

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