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Segeberg Kulturtafel: Mehr Tickets als Abnehmer
Lokales Segeberg Kulturtafel: Mehr Tickets als Abnehmer
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11:16 05.02.2019
Die Macher suchen weitere Kulturgäste: Ilona Münter, Monika Saggau, Michael Meier und Ursula Homann (v.l.) mit den neuen Flyern. Quelle: Irene Burow
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Bad Segeberg

Die Kulturtafel von Bad Segeberg wächst. Der wenige Wochen alte Verein kommt seit ein paar Tagen mit einer offiziellen Homepage daher. Hunderte Flyer sind gedruckt worden. Die Kartei wird seit Dezember akribisch mit Leben gefüllt. Bisher gibt es ein geringes Ungleichgewicht: Es gibt mehr Tickets als Kulturgäste. „Es sind zwei Trichter, die wir füllen wollen“, sagt Michael Meier von der Kulturtafel. Menschen, die Eintrittskarten zur Verfügung stellen und jene, die sie annehmen. „Sie sollten in etwa gleichzeitig wachsen.“

Die ersten sind im Boot

Deshalb ruft der Verein die Bevölkerung dazu auf, die Idee weiter zu verbreiten. „Ich möchte nicht, dass die Plätze freibleiben“, sagt die Initiatorin Ilona Münter. Gespräche mit Veranstaltern gibt es in viele Richtungen. Mit Kino und Theater zum Beispiel. Feste Zusagen gibt es schon für Kirchenveranstaltungen, von der Sebarger Speeldeel, der Reihe „Kultur 1,5 überm Markt“. Auch Lions Club-Mitglieder möchten kulturelle Teilhabe ermöglichen. „Man kann sich nur wundern. Die Bereitschaft ist ganz enorm“, sagt Schirmherrin Monika Saggau. Wann immer sie in ihrer Funktion als Bürgervorsteherin auf Veranstaltungen, Empfängen oder Versammlungen ist, bringt sie die Info unters Volk.

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Der neue Verein hat seine Arbeit aufgenommen

Angebot für alle Altersgruppen

Kulturtafeln ermöglichen Menschen mit kleinem Einkommen kostenlos an Veranstaltungen teilzunehmen, auf denen sonst Plätze frei bleiben würden. „Wir sehen ja wie andere Tafeln angenommen werden. Wir müssen nur alle Menschen erreichen“, sagt Ilona Münter. Auch sie weiß aus Erfahrung, dass bei vielen kein Geld da ist, um in den Genuss von Kultur zu kommen. „Manchmal sind es nur fünf bis acht Euro Eintritt. Aber das kann sich nicht jeder leisten.“ Gefragt sind alle Altersgruppen; Neubürger, Schüler, Studenten. Obgleich den Machern klar ist, dass sich wohl vorwiegend Senioren melden werden. „Wo zuerst gespart wird, das ist Kleidung und Kultur“, sagt Monika Saggau. Der Verein möchte das ändern.

Dankeschön per Telefon

Zwei Dutzend Teilnehmer gibt es bisher, zumeist Senioren, die mit einer Rente von 600 bis 700 Euro auskommen müssen. Die meisten von ihnen haben bei der Anmeldung alle Genres angekreuzt. Sie interessieren sich nicht nur für Oper oder Jazz allein. Sie wollen vor allem raus aus den vier Wänden. „Ein paar haben mich nach der Veranstaltung angerufen und sich bedankt. Sie freuen sich riesig über diese Möglichkeit“, erzählt die Vereinsvorsitzende Ilona Münter. „Da läuft einem doch das Herz über.“ Für sie ist das schon jetzt Beweis genug, dass die Bad Segeberger Kulturtafel, wie bereits in vielen anderen Städten, ein Erfolg werden wird.

Sie ist es bisher vorwiegend, die zwei mal pro Woche ehrenamtlich im Stadtinfohaus Wortort auf Interessierte wartet. Mit der offiziellen Homepage und einem eigenen Briefkasten für den Verein kommt spürbar Bewegung in das Anliegen. Die Flyer liegen in Bad Segeberg und der Umgebung aus.

Das Prinzip der Kulturtafeln

Das Prinzip der Kulturtafeln funktioniert so: Veranstalter informieren den Verein über Restkarten. Genauso Kulturgänger, die ihre Karten oder Abos nicht wahrnehmen können. Oder aber Firmen oder Privatleute spenden Tickets für die gute Sache. Gleichzeitig wird eine Kartei an Interessierten angelegt. Der Nachweis über das geringe Einkommen, also weniger als 980 Euro im Monat, ist nur einmal beim Verein vorzulegen. Der Teilnehmer wird angerufen, sobald Tickets zur Verfügung stehen. Er darf eine Begleitung mitnehmen. Der Name wird an der Kasse hinterlegt. Missbrauch ist nicht möglich. Die Karten werden vom Verein „verschenkt“, und sollten eingelöst werden. Der Verein hat mittlerweile 25 Mitglieder. Mehr Infos: www.segeberger-kulturtafel.de.

Hier geht es zum Antrag als Kulturgast.

Hier kann man Tickets spenden oder Mitglied im Verein werden.

Irene Burow