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Segeberg Kunst auf Küchenbrettern als Beitrag zum Frieden
Lokales Segeberg Kunst auf Küchenbrettern als Beitrag zum Frieden
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20:10 21.11.2017
Täglich druckt Coltzau Flugschriften, jeden Tag ein neues Motiv.
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Wahlstedt

Die Druckstöcke dienen als Vorlage für seine tägliche Einblatt-Veröffentlichung, die „Cuttingboard Tribune“, die ihren Weg in die Welt findet.

Künstler Christopher Coltzau liebt epochale Werke. Über 18 Monate hat der 46-Jährige an dem Bad Segeberger Totentanz geschnitzt. Seit drei Jahren bearbeitet er nun Küchenbretter. Derzeit hat er 160 Holzbretter aus 32 Nationen, die er in Druckstöcke verwandelt.

„Homer hat die Irrfahrten Odysseus beschrieben, Vergil die von Aeneas. Auch ich habe meine persönliche Odyssee“, sagt Coltzau und deutet auf das Regal mit den Küchenbrettern. Die werden seine Stationen der Irrfahrt sein. 250 Bretter beziehungsweise Druckstöcke schweben ihm vor. Dann ist sein Großwerk ausstellungsreif, dann kann ein Buch mit den Motiven gedruckt werden und dann ist Coltzaus eigene Odyssee beendet.

Vor drei Jahren war das gesamte Schnitzholz aufgebraucht. Eines Abends hielt seine Frau ein Küchenbrett in der Hand und fragte, ob das nicht auch ginge. Eine brillante Idee, denn Schneidebretter sind plan und gut als Druckstock zu gebrauchen. Die ersten Spenden aus der Nachbarschaft kamen, Bretter aus dem Ausland folgten. Coltzau schrieb Tischler und Hersteller von Küchenbretter an, viele schickten ihm Exemplare, auch fremde Menschen, die von seinem Projekt gehört haben. „Hinter jedem Brett steckt eine Geschichte, auch wenn ich die Spender nicht persönlich kenne.“ Besonders berührt hat Coltzau ein Brett aus Uganda. „Es ist eine totale Bereicherung für mein Projekt, ein Afrikaner spendet nach Europa“, sagt er und hält den Scheibenrohling aus Uganda in den Händen. Auch einige landestypischen Eigenarten der Bretter sind dem Künstler aufgefallen: Bretter in Herzform kommen aus England, deutsche Spender schicken gebrauchte, während US-Amerikaner neue und große versenden, häufig in Form ihres Heimatstaates. Ein Großteil der Bretter ist bereits zu Druckstöcken geworden.

Unterschiedliche Stationen hat Coltzau hinter sich: abstrakte Motive oder Menschennsammlungen. „Wenn ich das Schnitzeisen in der Hand halte, dann denke ich nicht mehr. Die Klinge führt mich, das Schnitzen ist dann ein rein organischer Vorgang“, erzählt er. Irgendwann sollen die Bretter beidseitig mit Motiven übersät sein.

„Ich bin absolut dankbar für jedes Brett“, sagt Coltzau. „Die ausländischen Bretter sind mit viel Geld verbunden, das Porto ist teuer, auch hochwertige Bretter sind dabei.“ Zudem hat jedes Brett einen unermesslichen ideellen Wert für den Künstler. Denn eine Botschaft verbirgt sich für ihn hinter den Brettern. „In unserer schnelllebigen Welt ist häufig die Küche der einzige Ort der Entschleunigung. Auf den Holzbrettern wird Obst und Gemüse geschnitten, Essen zubereitet, das anschließend gemeinsam gegessen wird – weltweit.“

Vor eineinhalb Jahren kam Coltzau die Idee, seine Drucke zu veröffentlichen. Die geschnitzten Bretter sind sein druckgrafischer Beitrag zu Völkerverständigung und Frieden. So begann er täglich seine Flugschrift, die „Cuttingboard Tribune“, in sieben- bis neunfacher Auflage zu drucken. Häufig sind es mehrere Druckstöcke neben- oder übereinander, so dass die Abdrücke eines russischen Bretts und eines amerikanischen Bretts die Botschaft „Shake hands“ kreieren. Gedruckt wird auf Papier-Einkaufstüten, die Coltzau ebenfalls gespendet bekommt. Die Einblatt-Veröffentlichungen schickt er in die Welt hinaus. Jeder Druck bekommt ein Infoblatt mit Idee der Cuttingboard Tribune und den Spendern von Brettern und Papier. Die Drucke wird dann zum Umschlag gefaltet und an den Seiten zugenäht. Das Porto bezahlt Coltzau über das Sammeln von Pfandflaschen, etwa drei Briefsendungen verlassen Wahlstedt wöchentlich. Die original internationalen Dokumente schickt Coltzau an die Spender von Brettern, Grafikgalerien und Redaktionen weltweit. Stolz ist er darauf, dass etwa eine Hand voll Galerien in Australien und den USA Flugschriften gekauft haben und ausstellen. Die übrigen Flugschriften bündelt und sammelt Coltzau, sie werden Bestandteil seiner „Odyssee“-Ausstellung sein. Auf etwa 4000 schätzt er die Briefsendungen. Die täglichen Flugschriften sind auf Instagram über Coltzaus Internetseite unter www.christophercoltzau.de zu sehen. Anfang nächsten Jahres erscheint ein Artikel über sein Küchenbrett-Projekt in einem englischen Druckgrafikmagazin. Vielleicht geht dann Coltzaus Wunsch in Erfüllung, die fehlenden 90 Schneidebretter aus dem Ausland gespendet zu bekommen.

 Von Silvie Domann