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Segeberg Land findet keine Mittel gegen diese Holper-Radwege
Lokales Segeberg Land findet keine Mittel gegen diese Holper-Radwege
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07:00 19.09.2019
Holper-Radweg an der B 432: Hier wird der Radweg offenbar seit Jahren vom Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr vernachlässigt. Quelle: Wolfgang Glombik
Bad Segeberg/Klein Rönnau

Propagiert wird es landauf, landab: Lasst das Auto stehen, fahrt mehr Fahrrad! Doch was eine Verbesserung des Angebotes an Fahrradwegen angeht, geschieht sehr wenig. In Bad Segeberg sind die ohnehin engen Radwege bis auf wenige Ausnahmen in einem fürchterlichen Zustand. Das wird alljährlich bestätigt durch Vergleichsuntersuchungen mit anderen Städten. Aber auch im Umland der Kreisstadt ist bislang wenig passiert.

Wer sich mit dem Fahrrad von Bad Segeberg nach Klein Rönnau über den mit Schlaglöchern übersäten Radweg der Eutiner Straße/Chausseebaum quält, wechselt besser gleich auf die Straße. Und im Dunkeln durch Klein Rönnau an der Bundesstraße zu fahren, ist für Radfahrer eher gemeingefährlich. Die Straße ist beleuchtet, der Radweg mit Gegenverkehr nicht.

Radpendler verzweifeln hier. Der Landesbetrieb sieht hier einen „Nutzungskonflikt“ zwischen Radfahrern und Umweltschützern, die den Erhalt der Bäume fordern. Quelle: Glombik

Und am Radweg der B 432 Richtung Wensin ist offensichtlich seit Jahrzehnten nichts passiert. Rad-Pendler Peter Bewernick teilte den LN mit, dass dort „Unfallgefahren durch Wurzelaufbrüche und unfertige Sanierungsstellen im Asphalt“ lauerten. Der Weg sei in „einem teils schlecht befahrbaren Zustand“. „Neue und alte Radpendler, die es mit dem Klimanotstand ernst nehmen, wären dankbar für eine zeitnahe Reparatur“, schreibt er den Behörden ins Stammbuch.

Landesbetrieb lässt Warnschilder aufstellen

Kreis-Klimaschutzmanager Heiko Birnbaum ist Anlaufstelle für Beschwerden. Da habe er schon viel über die B 432 gehört. „Das grenzt schon an Körperverletzung, so schlecht sind da die Radwege, haben mir Radfahrer mitgeteilt.“ Doch der Kreis Segeberg sei nicht für Bundesstraßen verantwortlich. Der zuständige Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr (LBV) teilte mit, dass vor Ort bereits Warnschilder wegen der Radwegschäden aufgestellt worden seien.

Die „unfertigen Sanierungsstellen“ seien Wurzelaufbrüche, die bereits vor ein paar Jahren aufgenommen wurden und mit „Hansegrand“ oder vergleichbarem Material verfüllt wurden. „Doch das Wurzelwerk arbeitet weiter und lässt die Wege aufbrechen“ – was in der Natur der Sache liege. Es handele sich hier um den klassischen Nutzungskonflikt zwischen Radfahrern auf der einen Seite, die berechtigterweise tadellose Wege wünschten, und dem Umweltschutz auf der anderen Seite, der den Erhalt und Ausbau von Straßenbäumen fordere.

Land kennt kein Mittel gegen Wurzelaufbrüche

Der LBV versuche, „mit neuen Alternativen wie Hansegrand und anderen Pilotmaterialien immer wieder nach einer guten und vor allem nachhaltigen Kompromisslösung für alle zu suchen“. Doch es existiere aktuell bedauerlicherweise noch kein perfektes Material, das alle Seiten gleich und langfristig zufriedenstelle.

Die Kreisstraße zwischen Bad Segeberg und Schieren wird demnächst saniert. Doch Radfahren bleibt hier gefährlich. Quelle: Glombik

Hackenporsche-Meisterschaft und alles ums Rad

„Anders durch Segeberg– neue Mobilität – einfach anfangen“: Unter diesem Motto findet am Sonnabend, 21. September, von 10 bis 16 Uhr der Aktionstag „Rad und Verkehr“ auf dem Parkplatz vor der Marienkirche in Bad Segeberg statt. Anlässlich der EU-Mobilitätswoche ist auch der Kreis Segeberg mit Radverkehrsbeirat, Klimaschutzleitstelle und Mitfahrnetz SE dabei. Organisiert wird die Veranstaltung von der Segeberger Klima-Initiative „5 nach 12“ sowie der „AG Rad und Verkehr“. Neben Infoständen gibt es auch viele Dinge zum Ausprobieren, beispielsweise E-Bikes, E-Autos und Lastenräder. Darüber hinaus steht eine „Hackenporsche-Meisterschaft“ auf dem Programm.

 Am Aktionstaghaben Besucher zudem die Chance, ihr Fahrrad codieren zulassen. Hierfür müssen die Rechnung des Rades als Eigentumsnachweis und der Personalausweis mitgebracht werden. Kosten: 15 Euro pro Fahrrad für Nichtmitglieder des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) oder des ökologischen Verkehrsclubs Deutschland (VCD). Dortige Mitglieder zahlen fünf Euro. Die ersten 15 Codierungen sponsert der Kreis Segeberg.

 

Der Kreis selbst sei bei seinen Radwege-Neubauten „gut im Plan“, sagt Birnbaum. Geplant sei ein Radweg an der Straße zwischen Tensfeld und Damsdorf. Dafür gebe es einen Förderbescheid. „Das wird ein ganz toller Lückenschluss.“ In Arbeit sei noch ein einer zwischen Bebensee und Leezen und zwischen Leezen und Todesfelde. In Negernbötel gebe es eine Radwegsanierung durch den Kreis.

Schieren fordert seit Jahren Radweg für Kreisstraße

Bürgermeister Hans-Werner Schumacher fordert einen Radweg nach Bad Segeberg. Quelle: LN-Archiv

Nur in Schieren schaut man wieder in die Röhre. Seit Jahren fordert die Gemeinde an der kurvenreichen Kreisstraße endlich eine Radwegeverbindung bis zur Kreisstadt. „Das ist unbedingt sinnvoll“, meint auch der Klimamanager Birnbaum. Doch passiert ist nichts. Bürgermeister Hans-Werner Schumacher berichtet den LN, dass die Gemeinde vehement ihre Wünsche geäußert habe. Genauso wie die ebenfalls betroffene Nachbargemeinde Stipsdorf. „Doch man vergisst uns wieder. Wir sind seit Jahren im Radwegeplan des Kreises.“ Schieren würde sich sogar an einer Finanzierung des Kreis-Radweges auf Gemeindegebiet beteiligen. Schumacher: „Das ist abgelehnt worden, die kleinen Gemeinden fallen hinten runter.“

Dabei wäre jetzt die Gelegenheit günstig: Die löchrige Kreisstraße zwischen Schieren und Bad Segeberg soll in wenigen Wochen umfassend saniert werden. Schieren hatte vorgeschlagen, auf der Fahrbahn der sanierten Kreisstraße wenigstens als Test einen Schutzstreifen für Radfahrer zu markieren und die Geschwindigkeit auf 70 Stundenkilometer zu begrenzen. Doch auch das sei, so bedauert Bürgermeister Schumacher, vom Kreis abgelehnt worden. Die Straße bleibe so für Rad-Pendler unattraktiv, ja gefährlich.

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Von Wolfgang Glombik

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