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Segeberg Land soll Schutzkonzept für Fledermäuse erarbeiten
Lokales Segeberg Land soll Schutzkonzept für Fledermäuse erarbeiten
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05:47 13.06.2019
Kommt jetzt ein Flächenkonzept für’s Schutzgebiet? Der Kalkberg aus der Luft. Quelle: Wolfgang Glombik
Bad Segeberg

Die Stadt Bad Segeberg sei überfordert, auch die Kreisverwaltung sehe sich dem nicht ausreichend gewachsen: Das Schutzgebiet Kalkberghöhlen ist europaweit so hochrangig angesiedelt – ein entsprechendes Konzept für das Zuhause zehntausender Fledermäuse sollte vom Land erarbeitet werden. Dieser Vorschlag hat im Umweltausschuss des Kreises einhellige Anerkennung gefunden.

Geschichte des Schutzgebietes Kalkberg

Im März 1913 wurde das Höhlensystem mit einer Länge von rund 2200 Metern entdeckt. In den zwanziger Jahren begann die Erforschung des Fledermausvorkommens. 1942 wurde der Kalkberg erstmals als Naturdenkmal ausgewiesen. 1995 ist die Höhle in vollständiger Ausdehnung unter Naturschutz gestellt worden. Seit Dezember 2004 sind drei Hektar nach EU-Recht offiziell als Flora-Fauna-Habitat (FFH) anerkannt.

Für das FFH-Gebiet „Kalkberghöhle“ und die Umgebung sollen klare Richtlinien her. Der Fokus soll besonders auf dem Umkreis liegen – auf den Flugschneisen der Tiere. „Es ist ein Appell an das Land, ein Konzept nicht nur auf die Höhle zu begrenzen. Es geht auch um die Erreichbarkeit“, sagte Arne Hansen (Grüne), Ausschussvorsitzender und Antragsteller. „Wir können nicht davon ausgehen, dass nur wenige Kilometer relevant sind.“

Flugrouten identifizieren und erhalten

Flugrouten und Korridore sollen identifiziert und erhalten werden. Besonders wichtig sei es, die beiden letzten Nord-Süd-Achsen an den westlichen und östlichen Stadträndern von Bad Segeberg – von Klein Gladebrügge bis zu den Havwiesen – sicherzustellen. Entsprechende Maßnahmen sollen es den Tieren ermöglichen, die Höhle auch gut zu erreichen.

Hansen: Unsicherheiten abbauen

Die Einmaligkeit und Besonderheit der Höhle betreffe schließlich nicht nur „ein paar Fledermäuse“, so Hansen. Über 30 000 Tiere sind dort über das Monitoring registriert. Es ist bundesweit das größte Vorkommen, europaweit das größte Winterquartier. „Gäbe es so ein Schutzkonzept, gäbe es auch nicht so viele Unsicherheiten“, so Hansen. „Für den Weiterbau der A20 wäre das wichtig gewesen.“

Sieben Arten leben in der Kalkberghöhle. Quelle: dpa

„Das ist wichtig und richtig so. Das wollen wir auch“, meinte Kurt Barkowsky (CDU). Er plädierte jedoch dafür, den von den Grünen vorgegebenen Radius von 15 Kilometern aus dem Antrag zu streichen. „Ein Radius wird das Ergebnis des Konzeptes sein. Wir wissen doch gar nicht, ob diese Zahl tatsächlich relevant ist“, meinte auch Arne-Michael Berg (CDU). „Natürlich brauchen wir das. Es ist richtig, dass die Zahl der Kilometer erst entwickelt wird“, betonte Dieter Riemenschneider (SPD).

Eine Station für neutrale Stellungsnahmen

Weiterhin wird eine unabhängige und integrierte Naturschutzstation des Landes am Kalkberg gefordert. Sowohl die Stadt Bad Segeberg hatte das bereits angeregt, aber auch der Naturschutzbund und die Naturschutzbehörde des Kreises. Die könnte, unter der Steuerung des Landesamtes für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) „bei Stellungnahmen eine neutralere Rolle in der Fachlichkeit einnehmen“, heißt es im Beschluss, „und wäre auch die geeignete Einrichtung für die Fledermausfachdatenhaltung und -bereitstellung sowie das FFH-Monitoring“.

Hier fliegen die Fledermäuse

Bekannte Flugwege der Tiere sind laut Grünen-Antrag die sogenannte Lohmühlentrasse, die Ihlsee-/Waldweg-Trasse, die Knicklandschaft zwischen dem Großen Segeberger See und Ihlsee bei Klein Rönnau, die Knicklandschaft um den Klüthsee und Großen Segeberger See; die Trave bei Bad Segeberg; der Große Segeberger See und Klüthsee selbst, einige alleegesäumte Straßenzüge im Segeberger Stadtgebiet; der Ihlwald, der Kurpark; das Fischteich-Gelände und der Wittmarckpark.

Weiterhin müsse ein neuer, südlicher Dunkel- und Grünkorridor bei Bad Segeberg geschaffen werden, da die jetzigen Strukturen fast vollständig vom Berg abgeschnitten seien. Auch Teile des Großen Segeberger Sees und seiner angrenzenden Knicklandschaft und Kleinwäldern (NSG) sei zu sichern, heißt es.

Eine konzeptionelle Sammlung von Daten und Untersuchungen ist akut. Deutlich wurde das im Umweltausschuss auch durch eine Zusammenfassung der neuen Gerichtsurteile gegen den Weiterbau der Autobahn 20 in Sachen Naturschutz. Die Betrachtung des Fledermausschutzes sei gerügt worden. „EU-Recht bis Bundesrecht wurde nicht eingehalten“, sagte Axel Timmermann, der die Kreis-Naturschutzbehörde leitet.

Besonders schlecht vorbereitet?

„Das Gericht hat einschlägige Bedenken, ähnlich wie bei vorherigen Verfahren.“ Nehme man FFH-Gebiet, könne man bei einem sieben bis zehn Kilometern Radius nicht annehmen, dass Fledermäuse nicht beeinträchtigt werden. „Es muss mit einem Mindestmaß an Fakten begründet werden, warum die Flugkorridore durch den Bau nicht beeinträchtigt werden“, so Timmermann.

„Ist das in Segeberg eine Sonderlage? Sind wir besonders klagefreundlich? Oder waren wir besonders schlecht vorbereitet?“, fragte sich nicht nur Jens Wersig (SPD), warum der Bau der Bundesautobahn so lange dauert. „Ein wesentlicher Punkt ist die Güte der Planung“, sagte Arne Hansen. Fehler sind ganz früh gemacht worden, grobe Fehler. Schlechte Planung rächt sich immer.“

Der Kreistag muss dem neuen Vorstoß der Grünen noch zustimmen.

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Irene Burow

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