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Segeberg Leben in „Lummerland“: Neue Straßennamen verunsichern
Lokales Segeberg Leben in „Lummerland“: Neue Straßennamen verunsichern
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20:10 05.07.2018
Noch ist die Straße ins Trappenkamper Neubaugebiet provisorisch. Ungefähr in einem Jahr soll sie den Namen „Lummerland“ bekommen. Die Häuslebauer freuen sich darauf, sind durch die politische Debatte jedoch verunsichert.
Noch ist die Straße ins Trappenkamper Neubaugebiet provisorisch. Ungefähr in einem Jahr soll sie den Namen „Lummerland“ bekommen. Die Häuslebauer freuen sich darauf, sind durch die politische Debatte jedoch verunsichert. Quelle: Fotos: Irene Burow
Trappenkamp

Die Namen sollen bleiben. „Wenn das nicht okay wäre, dann wären ja viele Bezeichnungen in anderen Orten auch betroffen“, erklärt Bürgermeister Harald Krille (SPD). Die Rechtslage soll aber geklärt werden, um ganz sicherzugehen. In etwa einem Jahr soll die Beschilderung folgen. Nach einem Medienbericht waren Betroffene verunsichert und hatten in der Gemeindevertretung nachgefragt. Für die SPD ist die Sachlage klar: Für Namen im Zusammenhang mit Personen des öffentlichen Lebens bedarf es keiner Erlaubnis. Notfalls soll ein Gericht entscheiden.

Die Gemeinde Trappenkamp lässt rechtlich prüfen, ob Anwohner der Neubaugebiete künftig im „Erich-Kästner-“, „Astrid-Lindgren-“ und „ Michael-Ende-Weg“ sowie in „Lummerland“ wohnen dürfen. Die Ablehnung durch Nachlassverwalter hatte für Verunsicherung gesorgt.

Das war passiert: Trappenkamp wollte alles richtig machen. Nachdem bereits entschieden war, den Straßen in den Neubaugebieten östlich der Hermannstädter Straße besondere Namen zu geben, ist die Autoren- und Verlagsagentur (AVA International) hinzugezogen worden, um die Urheberrechte zu prüfen. Diese ließ ausrichten, dass der Nachlassverwalter des Schriftstellers Michael Ende einer Benennung der Straße mit „Lummerland“ widerspricht. Der Grund: Die Straße stehe nicht im unmittelbaren Zusammenhang mit dem Werk Michael Endes. Das gelte genauso für „Jim-Knopf-Weg“ statt „Lummerland“ sowie grundsätzlich für die Benennung von Häusern und Straßen, auch mit dem Namen des Schriftstellers selbst. Zudem wurde darauf hingewiesen, dass „Astrid-Lindgren-Weg“, „Bullerbü“ sowie „Erich-Kästner-Weg“ einer Genehmigung bedürfen. Die Verlagsgruppe Oetinger aus Hamburg vermarktet die Werke von Lindgren und Kästner; deshalb sollte dort ebenso nachgefragt werden. Im Zweifelsfalle sollte es neue Namen geben.

„Wer eine Straße, eine Schule oder eine Kita nach einer Person des öffentlichen Lebens benennt, tut dies, um diese Person besonders zu würdigen. In so einem Fall kann nach dem Medienrecht kein Erbe oder Nachlassverwalter die Namensgebung verhindern“, erklärt die Fraktionsvorsitzende der SPD, Traute Musyal. „Die Namensgeber sind eindeutig Personen des öffentlichen Lebens. Die Bezeichnung ,Lummerland’ ist nicht markenrechtlich geschützt.“ Es sei daher davon auszugehen, dass der Name, ebenso wie die Autorennamen, als Straßenname Bestand haben werde. Eine Prüfung sei also unnötig. Im Bauausschuss gestern Abend stand die Debatte zunächst auf der Tagesordnung, wurde aber gestrichen. „Sollte wider Erwarten jemand die Gemeinde verklagen, wird die SPD-Fraktion dafür sorgen, dass sich Trappenkamp vor Gericht für den Erhalt der Namen und für das bewährte Medienrecht einsetzt“, macht die SPD – alleinige Fraktion in der Gemeindevertretung – klar. „Wir kämpfen schließlich für die dort bauenden Familien, die sich mehrheitlich für den Namen ,Lummerland’ ausgesprochen haben und sich schon so sehr darauf gefreut haben, demnächst in ,Lummerland’ zu wohnen.“

„Ich hätte nicht gedacht, dass wir eine solche Diskussion lostreten“, sagt Bürgermeister Harald Krille. „Aber wir gehen entspannt damit um. Wir sind keine Bedenkenträger und waren schon immer etwas anders.“ Ursprünglich habe man gedacht, die Namen hören sich einfach gut an – vor allem für Familien. Für sie ist die Wohngegend besonders interessant, weil sie neben Waldschwimmbad, Supermärkten und Autobahn liegt. „Wir wollten etwas Besonderes, etwas Jüngeres“, so Krille. Viele Namen im Ort würden an die deutsche Vergangenheit erinnern. Doch man wolle auch in die Zukunft blicken. Nach einer Befragung im Neubaugebiet, wo 50 Eigenheime entstehen, war klar: Die Häuslebauer wollen das.

„Lummerland“ ist nicht nur deshalb ein so beliebter Name, weil er ja eine kleine, fiktive Insel mit zwei Bergen in Endes Kinderbuch „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“ beschreibt. Er kommt auch flüssig über die Lippen, weil es sich um eine Alliteration handelt – ein gern verwendetes Stilmittel in der Sprache, bei dem benachbarte Wörter mit demselben Buchstaben beginnen.

Von Irene Burow