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Segeberg Leichensäcke für Wildschweine
Lokales Segeberg Leichensäcke für Wildschweine
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18:10 24.03.2018
Tausende Wildschweine leben im Segeberger Forst und seiner Umgebung. Auch sie sind von der Seuche bedroht. Quelle: Fotos: Dpa/hfr
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Bad Segeberg

Nachdem sich die Seuche zunächst im Baltikum ausgebreitet hatte, gibt es mittlerweile auch Infektionsgebiete in Polen und in der Tschechischen Republik. Damit ist die für Schweine tödliche Krankheit zwar noch einige hundert Kilometer von den deutschen Grenzen entfernt. In Zeiten der Globalisierung müsse das aber nichts mehr heißen, sagt Overhoff. Schaue man sich den zum Teil sprunghaften Verbreitungsverlauf an, so sei wahrscheinlich, dass die Seuche nicht durch die Tiere selbst, sondern durch Tiertransporte verbreitet wurde. Einzelne erkrankte Wildschweine könnten solche Distanzen kaum überbrücken. Sie wanderten nur innerhalb relativ enger Gebiete von etwa 30 Kilometer Durchmesser.

Für den Segeberger Kreisveterinär Markus Overhoff ist das Eintreffen der Afrikanischen Schweinepest keine Frage des Ob, sondern nur noch des Wann. Im Kreis laufen bereits die Vorbereitungen auf dieses Szenario. Für Wildschweine werden jetzt Leichensäcke angeschafft.

„Wann wir auch hier mit einem Fall rechnen müssen, lässt sich nicht seriös vorhersagen“, erklärt Overhoff. Sehr wohl aber, was dann passieren würde. Bei einem Nachweis des Erregers, zum Beispiel im Segeberger Forst, sieht der Plan eine Umzäunung des betroffenen Gebiets in einem Radius von 2,5 Kilometern vor, damit Wildschweine das Infektionsgebiet nicht verlassen können. Da selbstverständlich keine Straßen abgeriegelt werden könnten, würden diese so gut es geht mit sogenannten Duftzäunen gesichert. Um die Umzäunung herum werde die Gegend in einem 18-Kilometer-Radius zum „gefährdeten Gebiet“, in einem 60-Kilometer-Radius zur „Pufferzone“ erklärt. In den beiden riesigen Arealen – die Pufferzone wäre 1,2 Millionen Hektar groß – müsste dann der Wildschweinbestand durch Drückjagden mit Hilfe von Lebendfallen erheblich reduziert werden. Um bis zu 70 Prozent.

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Dagegen würde für die innere Zone absolute Jagdruhe verhängt, „um die Tiere nicht aufzuscheuchen und aus diesem Gebiet zu vertreiben“, erklärt Overhoff. Denn auch mit einem Zaun könne nicht ausgeschlossen werden, dass einzelne Schweine entkämen. Diese innere Zone bliebe dann für mindestens 21 Tage sich selbst überlassen, um zu „durchseuchen“, sprich: die Krankheit ungehindert ihr tödliches Werk an den Schweinen tun zu lassen. Aus Tierschutzsicht sei das zwar in der Tat unschön. Bei der Seuchenbekämpfung könne auf den Tierschutz aber nicht in jedem Fall Rücksicht genommen werden, räumt der Kreisveterinär ein.

Damit Körperflüssigkeiten verendeter Tiere nicht in die Umgebung gelangen, hat der Kreis Segeberg jetzt für den Fall der Fälle Leichensäcke aus Plastikfolie angeschafft. Darin werden die Wildschweinkadaver eingehüllt. „Bei Versuchen hat sich allerdings gezeigt, dass die Säcke leicht reißen, wenn sie über den Waldboden gezogen werden“, sagt Overhoff. Zusätzlich schaffe das Veterinäramt deshalb sechs sogenannte Wildschlitten an, die in den kommenden Wochen kreisweit verteilt werden sollen. Mit ihnen könnten die Kadaver sicher abtransportiert werden.

„Um die Jäger daran zu gewöhnen, soll bei verendeten Tieren schon möglichst bald so verfahren werden“, kündigt Overhoff an. Totfunde dürften schon nicht mehr im Wald vergraben werden, sondern müssten in Spezialtonnen auf dem Gelände des Wege-Zweckverbandes entsorgt werden. Das Landeslabor in Neumünster untersuche zudem jedes tote Tier auf den Schweinepest-Erreger.

Sollte es den ersten bestätigten Fall im Norden geben und die Notfallpläne damit in Kraft treten, würden den Jägern wahrscheinlich Prämien für erlegte oder tot gefundene Tiere gezahlt. Markus Overhoff zufolge soll es im Juni eine kreisübergreifende Übung zur Schweinpest geben, an der sich auch der Kreis Segeberg beteiligen wird.

Von Oliver Vogt

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