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Segeberg Löwengebrüll auf der Rennkoppel: Zelt von Circus Krone steht
Lokales Segeberg Löwengebrüll auf der Rennkoppel: Zelt von Circus Krone steht
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19:17 21.08.2019
Tiertrainer Martin Lacey jr. ist mit Löwen und Tigern aufgewachsen. Quelle: Irene Burow
Bad Segeberg

Das große Märchenzelt steht. Und ringsherum eine Stadt in der Stadt Bad Segeberg. Circus Krone ist angekommen. Mit mehr oder weniger leichtem Gepäck: Am Mittwochmorgen um 8 Uhr war Startschuss für den Aufbau des größten reisenden Zirkuszeltes der Welt. Nur wenige Stunden später steht der blaue Gigant – als wäre er schon immer da gewesen. Und mit ihm das Zuhause und der Arbeitsplatz von 200 Mitarbeitern und 100 Tieren.

Wagenstadt für acht Vorstellungen auf der Rennkoppel

Die Rennkoppel ist seit Montag gesperrt. Vorn stehen 20 Zugmaschinen perfekt aufgereiht, dahinter 260 Wohnwagen – dicht an dicht. Briefpost landet im Personalwagen, in der fahrenden Betriebsküche gibt es Kohlrouladen, Wäsche trocknet in der Sonne. In Wagen 66 ist die Direktionsgarderobe, in Wagen 85 der Herrenschneider. „Die Löwen sind immer hinten links“, sagt Krone-Sprecher Andreas Kielbassa. Immer hinten links vom Zirkuszelteingang.

Hat den Hut auf bei der Logistik: Bürgermeister Claus Lehnert (82). Quelle: Irene Burow

Alles hat seine Ordnung im Wagen-Labyrinth

Es gibt eine Ordnung im Wagen-Labyrinth. Dass sie eingehalten wird, dafür sorgt Krone-Bürgermeister Claus Lehnert. „Er legt immer den Mittelpunkt für das Zirkuszelt fest“, sagt Kielbassa. Und damit auch all die anderen Fixpunkte: Abwasser, Gehege, Duschwagen, Garderoben, Tankfahrzeug, Feuerwehr. Auch, wo alle den Waschmaschinenwagen am besten erreichen. Oder wo die Kinder lernen: Die Tiny-Haus-Schule verbirgt sich in Wagen Nummer 49.

Jeder Spielort ist anders. Manchmal ist weniger Platz. „Auf der Rennkoppel haben wir wieder viel Luft zum Atmen“, sagt Andreas Kielbassa. 25 000 Quadratmeter brauche es schon, wenn alles optimal aufgebaut werden soll. Aber die Wohn- und Spielstadt sei immer autark. „Wir brauchen nur Wasser und Zuschauer, den Rest haben wir dabei.“

Nicht unerheblich ist der Wirtschaftsfaktor: 40 000 Liter Wasser braucht der Zirkus täglich, zwei Drittel davon sind für die Tiere. Die täglichen Futterkosten belaufen sich auf mehrere Tausend Euro, allein 400 Kilo Äpfel und Möhren verspeisen die Tiere pro Tag. „Beim örtlichen Bäcker bestellen wir jeden Morgen 400 Brötchen“, sagt er.

Vorstellungen und Tickets

In Bad Segeberg findet die festliche Abendpremiere am 22. August um 20 Uhr statt. Weitere Vorstellungen gibt es werktags um 16 und 20 Uhr, an Sonn- und Feiertagen um 14 und 18 Uhr. Am Montag, 26. August findet nur die Show um 16 Uhr statt. Familien zahlen am 23. August um 16 Uhr den halben Preis. Tickets kosten zwischen 16 und 55 Euro.

Circus Krone weist aktuell auf Unstimmigkeiten bei Ticketreservierungen hin. Es wird empfohlen, nur offizielle Vorverkaufsstellen wie CTS Eventim, Reservix, Ticket Regional und die Zirkuskasse zu nutzen. Karten gibt es auch in der Geschäftsstelle von Lübecker Nachrichten und Basses Blatt in der Kurhausstraße Bad Segeberg. Telefon: 045 51/9 90 00. Nächster Gastspielort ist Neumünster – ab 28. August.

Von allen Seiten ist unterdessen Sprachwirrwarr zu vernehmen. Die Elektrik wird verlegt, Requisiten geschleppt, Stühle aufgereiht, der Heiz- und Lüftungswagen installiert. Die „Amtssprache“ ist hier Deutsch-Bulgarisch-Englisch. Unterbrochen wird das Treiben von eindringlichem Gebrüll. Die Löwen sind auch schon da. 26 Tiere aalen sich in der Sonne und tun das, was sie am besten können: „Sie schlafen 18 bis 20 Stunden am Tag“, erklärt Kielbassa. Nebenan planschen Königstiger im Wasserbassin.

Offene Briefe an Bad Segebergs Bürgermeister

XXL-Kratzbäume und Fußbodenheizung, ein Bewegungs- und Ernährungsplan für jedes Pferd – es ist schwer zu glauben, dass eines der Tiere leidet. Tiergegner prangern die „Zustände“ im Circus Krone immer wieder an. Zirkusfreunde widerlegen gebetsmühlenartig.

Tierschützer von Peta fordern mit düsteren Beweisfotos und Filmen die Freilassung aller Tiere, während Bad Segebergs Bürgermeister Dieter Schönfeld offene Briefe erreichen, in denen sich das Aktionsbündnis „Tiere gehören zum Circus“ für den Erhalt einsetzt. „Es gibt im Zirkus keine Tierquälerei von Wildtieren“, sagt Dirk Candidus vom Bündnis. Die Frage sei wissenschaftlich längst geklärt – auch im Bundestag.

Beide Seiten bringen sich stets zur rechten Zeit in Stellung – kaum ein Thema wird so heftig, so kontrovers diskutiert, wie Tiere im Zirkus. „Beide Seiten sind organisiert“, erklärt der Krone-Sprecher. Letztlich sei es ähnlich wie bei der Fleisch-Debatte: „Ob ich Vegetarier bin oder nicht, das entscheidet jeder selbst.“ Kritiker dürfte zumindest eines freuen: Die Elefanten sind „in Rente“ und in Bad Segeberg nicht dabei.

Märchen mit Masken und Magie

Die Show funktioniert auch ohne sie. Und die verspricht eine Märchengeschichte zwischen Tausend und einer Nacht, die Schöne und das Biest und dem König der Löwen. Weltklasse-Choreograph Bence Vági lässt Akrobaten, Tiertrainer und Clowns die Geschichte erzählen von Pferdeprinzessin und Löwenmann. In „Mandana – Circuskunst neu geträumt“ müssen beide trotz aller Unterschiede ihren gemeinsamen Weg finden – gekrönt von einer Traumhochzeit in der Manege.

Den Weg dorthin verkörpern einzelne Showacts: Zunächst kommt die Parade um Prinzessin Mandana im Palast an. Hofnarr und Gefolge sorgen für Komik, Löwe und Pferde begegnen sich – stilisiert durch Artisten in der Luft. Ein Hochzeitsgeschenk wird geliefert und den Hochzeitstanz zeigt Zirkusdirektorin Jana Mandana Lacey-Krone zu Pferd. Der Schleiertanz wird zum Drahtseil-Akt. Mit Körperbeherrschung, menschlichem Kanonenfutter und Luftsprüngen wird der Tag herbeigesehnt. Zauberei und Gaukelei zeugen vom Glauben an die Liebe. Das Ende ist ein Statement für das Märchen und die Wirklichkeit. Denn im Finale gehört die Welt der Löwen und Pferde zusammen. In der Liebe – und in der Manege von Circus Krone.

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Von Irene Burow

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