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Segeberg Dahlmannschule: Gesundheitsamt kontrolliert Impfschutz
Lokales Segeberg Dahlmannschule: Gesundheitsamt kontrolliert Impfschutz
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17:15 01.04.2019
Angelika Facklam mit ihrer Tochter. Auch die Dahlmannschülerin hat den Impfpass dabei. Nachdem ein Schüler sich mit Masern infiziert hat, kontrollierte das Gesundheitsamt am Montag die Impfpässe der Schüler. Quelle: Heike Hiltrop
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Bad Segeberg

Nur mit gültigem Impfschutz in die Dahlmannschule: Nachdem am Freitag bekannt geworden war, dass sich ein Schüler des Gymnasiums mit dem hoch ansteckenden Masern-Virus infiziert hat, kommt keiner unkontrolliert in das Gymnasium – kein Schüler, kein Lehrer, der Hausmeister nicht und auch sonst niemand.

Kontrollen am Eingang

Hinter rotem Absperrband reihen sich am Montagmorgen die Jungen und Mädchen an beiden Eingängen der Schule ein, um den Mitarbeitern des Kreis-Gesundheitsamtes an den Eingängen ihren dokumentierten Impfschutz vorzulegen.

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151 Schüler kamen gar nicht erst zum Unterricht

Wer den nicht vorweisen konnte, dem habe man ein Betretungsverbot aussprechen müssen, so Dr. Boris Friege, Leiter des Fachdienstes Gesundheit beim Kreis, der gemeinsamen mit zwei Amtsärzten und Hygienefachleuten alle Personen kontrolliert hatte. Draußen bleiben mussten im Fall der Dahlmannschule bis Montagmittag laut Bildungsministerium 14 Schüler. 151 der insgesamt 775 Schüler seien gar nicht erst zu Unterricht gekommen, hieß es weiter. Auch bei acht der 58 Lehrkräften sei der Impfstatus unklar gewesen, darum durften sie nicht unterrichten. Fünf weitere hätten bis zum Beginn der Osterferien am Donnerstag Arbeitsverbot.

Stellvertretende Schulleiter Thorsten Glaser der Dahlmannschule in Bad Segeberg: "Das zu organisieren ging zügig über die Elternvertreter und unsere Homepage. Die Kontrollen haben den Unterrichtsbeginn verzögert, aber alles ist sehr geordnet verlaufen." Quelle: Heike Hiltrop

„Die Kontrollen haben den Unterrichtsbeginn verzögert, aber alles ist sehr geordnet verlaufen“, sagt der stellvertretende Schulleiter, Thorsten Glaser.

Abi-Klausuren beeinträchtigt

Die Impfpasskontrollen, die noch bis einschließlich Mittwoch fortgeführt werden sollen, beeinträchtigen auch die für Dienstag angesetzten Abiturklausuren. Sechs Abiturienten wollten sich einem Schnelltest unterziehen, um ihren Immunstatus zu klären, sagte eine Sprecherin des Bildungsministeriums in Kiel. Schüler, die wegen eines fehlenden Impfschutzes am Dienstag an den Klausuren nicht teilnehmen können, müssen sie nach Angaben der Schule am 8. Mai nachschreiben.

Drei Masernfälle im Kreis Segeberg

Von Dienstag an werden die Eingangskontrollen auch auf die Theodor-Storm-Grundschule ausgedehnt. Hinein kommt auch dort nur, wer vor der stark ansteckenden Viruserkrankung geschützt ist – durch eine belegte Infektion in der Vergangenheit oder durch eine Impfung. Friege zufolge gebe es an der Theodor-Storm-Schule eine „ansteckungsfähigen Person“, nach LN-Informationen ein Geschwisterkind des Dahlmannschülers handelt. Die im Vergleich zur Dahlmannschule zeitversetzte Kontrolle begründet Friege mit einer zeitlich verschobenen Ansteckungsphase. „Wir rechnen das ganz genau durch. Auch, um genau zu gucken, wann der nächste Fall auftreten könnte.“ Insgesamt gebe es im Kreis Segeberg gewärtig drei gemeldete Masernfälle.

Fachleute raten zum Impfen

„Viel zu viele“, sagt Friege. Er rät dringend dazu, Kinder impfen zu lassen. „In ganz Schleswig-Holstein sollten wir nicht mehr als drei Fälle im Jahr haben.“ Für die Amtsärzte sei die Quelle der Ansteckung jedoch kaum relevant. „Ziel ist es, die Infekt-Kette zu durchbrechen.“

Eltern aus Segeberg wollen nun offenbar auf Nummer sicher gehen: „Die Nachfrage nach Impfungen ist seit Freitag hoch“, bestätigt Kinder- und Allgemeinmediziner Michael Orlowski aus Wahlstedt. „Es ist unverantwortlich, die Kinder gegen Masern nicht schutzimpfen zu lassen“, kritisiert der Arzt. Und auch Erwachsene sollten den Impfschutz nachholen lassen, wenn sie keinen haben oder sich darüber unsicher sind.

Beatrix Hauschild: "Wenn so ein Fall aufkommt, dann wird klar, wie wichtig es ist, die Kinder zu impfen. Man hat es bei Polio gesehen. Da hat man konsequent geimpft und die Krankheit war lange Zeit weg. Aber von einem generellen Impfzwang halte ich nichts. Quelle: Heike Hiltrop

Eine Impfpflicht, die Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) befürwortet, kann Sönke Bax viel abgewinnen: „Es wird unverantwortlich mit Impfungen umgegangen. Das, was die Gegner an Argumenten vorbringen, ist erschreckend falsch. Masern ist ein Beispiel. Total unterimpft ist HPV (Humane Papillomviren). Die Viruserkrankung kann noch viel schlimmere Folgen haben und wäre durch impfen so gut wie verschwunden“, ist Bax überzeugt.

Viele, die am Montagmorgen Kinder zur Dahlmannschule bringen, unterstreichen die Notwendigkeit des Masern-Schutzes, so wie die Mütter Angelika Facklam und Jessika Lange. „Ich würde mein Kind niemals ungeimpft in die Schule schicken“, sagen sie beide. Auch Beatrix Hauschild sieht das so: „Wenn so ein Fall aufkommt, dann wird klar, wie wichtig es ist, die Kinder zu impfen. Man hat es bei Polio gesehen. Da hat man konsequent geimpft und die Krankheit war lange Zeit weg. Aber von einem generellen Impfzwang halte ich nichts.“

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